Volltext : Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

Einleitung

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die  Dreizehner  der  Weber  angegeben  werden,  so  ist  dies  gewiß  ein
willkommener  Beitrag  zu  einer  Geschichte  der  Augsburger  Weberzunft, ­
  aber  doch  nur  ein  Rahmen,  der  mit  entsprechenden  Einträgen
hätte  ausgefüllt  werden  müssen.  Doch  damit  ist  es  schlecht  bestellt,  denn
der  Stücke,  die  von  den  Webern  und  ihren  Zunftangelegenheiten  handeln, ­
  sind  es  nur  etwa  35,  —  wahllos  herausgegriffen  —,  so  daß  der
Titel  „Weberchronik",  den  das  Werk  trägt,  nur  in  sehr  beschränktem
Maße  berechtigt  ist.  Es  ist  dies  um  so  beftemdlicher,  als  aus  der
unten  mitgeteilten  „Schusterchronik"  Jägers  zu  ersehen  ist,  daß
dieser  recht  gut  gewußt  hat,  was  in  eine  Zunftchronik  etwa  hineingehört. ­
  Wer  schon  wie  er  über  die  Schuster  manches  Interessante
beizubringen  vermochte,  hätte  doch,  sollte  man  meinen,  bei  Abfassung ­
  einer  Weberchronik  noch  ganz  andere  Gelegenheit  gehabt,
sich  als  Zunftchronisten  zu  bewähren,  denn  die  Weberzunft  war
die  weitaus  zahlreichste  in  Augsburg,  nahm  im  Gewerbsleben  der
Stadt  eine  geradezu  ausschlaggebende  Stellung  ein  und  war  auch
für  die  heimische  Kaufmannschaft,  die  die  für  die  Weber  nötigen
Rohprodukte  herbeischaffte  und  die  Erzeugnisse  der  Zunft  in  den
Handel  brachte,  von  höchster  Bedeutung.  Was  hätte  da  Jäger  allein
aus  den  Zunft-  und  Ratsbüchern,  die  ihm  doch  zugänglich  waren,
alles  „erheben"  und  „zusammentragen"  können!  Wie  leicht  wäre  es
ihm  gewesen,  uns  einen  Einblick  zu  gewähren  in  die  täglichen  Händel
der  Zunft  in  guten  und  bösen  Zeiten,  in  das  Leben  und  Treiben  in
und  vor  dem  Zunfthaus,  in  die  heftigen  Streitigkeiten  der  reichen
„kaufmännischen  Weber"  mit  den  kleinen,  selbst  am  Webstuhl  sitzenden ­
  Zunftgenossen,  in  die  Wechselbeziehungen  zwischen  diesen  und
anderen  an  der  Herstellung  der  Weberprodukte  beteiligten  Handwerkern—den ­
  Tuchscherern,  Mangmeistern,  Färbern,  Garnsiedern,
Wepfenmachern  usw.  —,  in  das  Verhältnis  der  städtischen  Zunftweber ­
  zu  den  auswärtigen  „Gäuwebern",  in  die  vom  Rate  geübte
Kontrolle  der  Weberwaren,  in  die  auf  sie  gelegten  Ungeltsätze,  in  die
Gewerbe  und  Handel  verbindenden  Organisationen,  in  die  börsenmäßigen ­
  Spekulationen  des  Barchanthandels,  in  das  Gewirr  der
Fäden,  die  zwischen  den  Augsburger  Webern  und  denen  in  anderen
schwäbischen  Reichsstädten  hin  und  her  gingen,  und  anderes  der  Art.
Wo  diese  Dinge  in  der  „Weberchronik"  berührt  werden,  geschieht  es
nur  ganz  flüchtig,  wie  überhaupt  Flüchtigkeit  ein  Hauptfehler  Jägers
war,  der  vieles  nicht  so  gedeihen  ließ,  wie  er  es  im  Kopfe  hatte.  Als
            
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