Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

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Einleitung 
er die Weberchronik, ohne hierfür das nötige Material gesammelt 
und vorbereitet zu haben, begann, dachte er auch schon an deren Be 
endigung, denn er wollte sie seinem Gönner, dem Zunftmeister 
Mang Seitz, unterbreiten, der, wie jedermann sah, nicht mehr lange 
zu leben hatte, und raffte nun, um die leeren Blätter zu füllen, eiligst 
alles zusammen, was er an chronikalischen Notizen erreichen konnte, 
und so kamen wir um eine richtige Weberchronik. 
Aber auch das, was er statt einer Weberchronik in diesem Buche 
bietet, zeigt an vielen Stellen Spuren dieser verderblichen Eilfertig 
keit. Hier nur einige Beispiele: Unter 1410, wo er von den Argon 
(Egen) erzählt, macht er sich grober Personenverwechslungen schuldig; 
den Bankrott des Hans von Hoy, der in das Jahr 1456 fällt, setzt er 
unter 1423; unter dem Jahre 1476 sind gleich alle drei Einträge 
falsch eingereiht, denn die hier erzählte Niederlage des Abtes von 
Kempten war nicht 1476 sondern 1460, die kaiserliche Begnadung der 
Kaufbeurer mit einem Markt erfolgte im Jahre 1467, die der Augs 
burger mit einem neuen Stadtgerichtsprivileg im Jahre 1482. Als 
Todesjahr Kaiser Maximilians, der doch „Bürgermeister" der Stadt 
Augsburg war, wird 1518 angegeben, der Schweizerkrieg desselben 
wird in das Jahr 1498 verlegt, der Feldzug der Schmalkaldener gegen 
Heinz von Wolfenbüttel von 1542 in das Jahr 1541 usw. 
Besonders mißlich ist es, daß er ein paarmal Begebenheiten, die 
unter irgendeinem Gesichtswinkel etwas Gemeinsames haben, aber 
zeitlich weit auseinander liegen, unter dem Jahre, das für eine der 
selben zutrifft, zusammenstellt und so den Irrtum erweckt, daß dieses 
Jahr für alle gelte. Auch kommen verschiedene Notizen vor, mit 
denen nichts anzufangen ist, weil sie zu unbestimmt sind, als daß 
man sähe, um was es sich eigentlich handelt, oder weil sie sich sichtlich 
unter ein falsches Jahr verirrt haben, ohne daß sich das richtige fest 
stellen läßt. Man sieht, die Benützung der „Weberchronik" ist für 
jeden, der nicht in der Lage ist, die einzelnen Angaben auf ihre 
Verlässigkeit zu prüfen, eine gefährliche Sache. 
Die Persönlichkeit Jägers bleibt, wie in anderen seiner Arbeiten, 
so auch hier, insofern streng im Hintergrund, als er nicht das Geringste 
einfließen läßt, woraus man auf seine äußeren Lebensverhältnisse 
oder auf seine sonstige schriftstellerische Tätigkeit einen Schluß ziehen 
könnte, und da es, wenigstens für die „Nachkommen", den Anschein 
haben sollte, als wenn die Chronik von einem Weber geschrieben
	        

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