Title:
Augsburg, Bd. 9
Creator:
Roth, Friedrich
Shelfmark:
2G 5003(2)-34
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1545034070410_34/35/
Einleitung 
21 
wäre, so nennt er sich weder auf dem Titelblatt noch am Schluß des 
Werkes als Verfasser, verschweigt also sogar seinen Namen. Dabei 
spricht er aber doch öfter in der Ichform und läßt es sich nicht nehmen, 
da und dort zu den Dingen, die er berichtet, Glossen zu machen und 
so den Standpunkt, von dem aus er sie betrachtet, erkennen zu lassen. 
Er fühlt sich vor allem als Bürger seiner „Vaterstadt" und bringt 
dies öfter zum Ausdruck mit den Worten: „Wir von Augsburg"; 
dann aber auch als Kenner ihrer Geschichte, der ihr den Spiegel ihrer 
Vergangenheit vor Augen hält, damit sie ihre wahren Freunde und 
Feinde kennen lerne, sich an der Mannhaftigkeit der Vorfahren stärke, 
aus dem Schaden, den diese so oft erleiden mußten, klug werde und 
die von ihnen gemachten Erfahrungen zu nützen lerne. In diesem 
Sinne erinnert er z. B. seine Augsburger an die kraftvolle Art, wie 
man sich in früherer Zeit der Raubritter erwehrt, und an die 
schweren Nachteile, die der Stadt aus ihren Kriegen mit den Fürsten 
erwachsen, namentlich mit denen „jenhalb des Lechs", den bayeri 
schen, in denen er geradezu die Erb- und Todfeinde der Stadt er 
blickt. Mehr als einmal mahnt er als treuer Eckart in beweglichen 
Worten, bei Zwistigkeiten mit Fürsten lieber Opfer zu bringen, um 
einen gütlichen Ausgleich herbeizuführen, als sich mit ihnen in Kriege 
einzulassen, die selbst bei äußerlich günstigem Ausgang mehr Nach 
teile als Nutzen brächten. Er denkt dabei besonders an das unleidliche 
Verhältnis, in dem die Stadt jahrelang zu dem gewalttätigen Herzog 
Ludwig von Bayern-Landshut gestanden, einem Meister in der 
Kunst, die Städte zu quälen, dabei noch das unschuldige „Osterlämm- 
lein" zu spielen und sich bei der schließlichen Abrechnung wohl bezahlt 
zu machen. Verschiedene von den Kaisern der Stadt verliehene Privi 
legien verzeichnet er mit sichtlicher Genugtuung, aber er kennt auch 
die Kehrseite dieser „Gnaden", das drückende Abhängigkeitsverhältnis 
der Städte von dem obersten Herrn des Reiches, der sie so oft „schätzte", 
durch Verpfändungen in schwere Ungelegenheiten brachte und in ge 
fährliche, Verlust bringende Kriege hineinzog. Aber auch für die ver 
schiedenen von den Einheimischen selbst verschuldeten Übel und Miß 
stände sowie für das Treiben gewisser Bevölkerungsschichten war er 
nicht blind und nahm sich zuweilen die Freiheit, Unlöbliches zu 
rügen. So, wenn er die Bemerkung macht, daß an den vielen 
Fehden der Stadt mit kleineren und größeren Feinden auch der 
Rat in dem einen oder anderen Fall wenigstens mitschuldig war,
        

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