Title:
Augsburg, Bd. 9
Creator:
Roth, Friedrich
Shelfmark:
2G 5003(2)-34
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1545034070410_34/36/
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Einleitung 
wenn er des in der Bürgerschaft immer mehr überhandnehmenden 
Luxus gedenkt, wenn er von den Betrügereien der Bäcker und anderer 
Gewerbsleute spricht oder von einem wüsten Raufhandel auf der 
Herrenstube berichtet, wobei er als echter Zünftler, den er damals 
noch hervorkehrte, gleißnerisch hinzufügt: „Got behiet alle Zunft 
heuser vor solcher Unzucht!" Er äußert sich mißfällig über den Stolz, 
den Hochmut und die Selbstherrlichkeit mehrerer hervorragender 
Bürger der Stadt und zeigt in seiner lehrhaften Art auch, wohin dies 
geführt hat. Das Regiment des Bürgermeisters Schwarz, das er 
an anderer ©teile 1 ausführlich schildert, wird in der Weberchronik 
nur kurz erwähnt, aber ebenso entschieden wie dort als für die Stadt 
äußerst schädlich verurteilt. Sein Widerwillen gegen die Juden, die 
doch schon seit mehr als hundert Jahren (seit 1440) aus der Stadt 
ausgewiesen waren, kommt an mehreren sie berührenden Stellen 
zum Ausdruck, noch mehr sein von uns schon berührter Haß gegen 
die katholische Geistlichkeit, von der er fast nie spricht, ohne sie zu 
bespötteln oder zu bemäkeln. So sagt er am Schluß eines den prunk 
vollen Einritt des Bischofs Eberhard von Kilchberg (1405) 
schildernden Berichtes: Es gab im Anschluß daran ein Festmahl, „und 
nach dem Essen hielt man dem andechtigen Bischof ain Tantz ... Da 
fieng das hailig Almosen gar hofflich an zu tantzen, und was ain fein 
Ding. Also des dritten Tags war die Kirchweih aus, und ritt jeder 
mann wider hinweg." Und ganz ähnlich schließt Jäger seine Erzählung 
vom Einritt des Bischofs Johann von Werdenberg (1470), den er 
einmal als „Seine Einfältigkeit" tituliert. Was er über den Bischof 
Anselm von Nenningen und dessen Anhänger beibringt, ist eine 
fortlaufende Klage über sein die Stadt so schwer schädigendes Ge 
baren, und er bricht unwillig ab mit dem Ausruf: „Ain gantz Buch 
soll noch von dem Handel beschriben werden." Am meisten erbost er 
sich über Bischof Friedrich von Zollern, gegen den die Augs 
burger (1490) in einem freilich nur ein paar Stunden währenden 
„Krieg" zu Feld ziehen mußten. Und so wie diese Bischöfe waren, 
klagt er, sind sie alle. „Ach Gott, hilf, welcher Bischof ist in 900 Jaren 
je ein guter Gönner des Rats und gemainer Etat Augspurg mit Grund 
und Wahrhait gewesen?" Fast noch widerwärtiger als die Bischöfe 
waren Jäger aber die „Domherren-Junker", von denen er verschiedene 
1. In der Vorbereitung des Rates gegen Georg Österreicher (Dirr, El. Jäger, 
©•19 ff.).
        

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