Einleitung
23
Stücklein zu erzählen weiß. Er erinnert daran, wie sie es in Kriegszeiten,
so namentlich in den Jahren 1449, 1450, öfter heimlich mit
den Gegnern der Stadt gehalten, wie sie ihren Dombau im XV. Jahrhundert
benutzten, um den Leuten in unerhörter Weise das Geld aus
der Tasche zu locken und an ihrer Kirche länger gebaut hätten als die
Juden am Tempel zu Jerusalem, der doch an Größe die Stadt
Friedberg übertroffen habe, wie toll sie sich benommen im Jahre
1515, als sie aus „Neid" gegen die Stadt nächtlicherweile die auf
dem Fronhof stehende, mit der Stadtpyr bezeichnete Säule umgestürzt
und deren Wiederausrichtung zu verhindern gesucht. Mit besonderem
Vergnügen gräbt Jäger aber das Geschichtchen aus von
den im Jahre 1419 unter den Domherren entbrannten grimmigen
Zwist, bei dem sie aufeinander mit Schwertern losgegangen, so daß
Bürgermeister und Stadtvogt hätten einschreiten müssen; „also kam
ir hailiger Gaist wider zu Friden." ... „O Gott, daß es jetzt in unserer
Zeit nicht geschahe, es würd sich sonst der Luther kranck lachen!"
Bei solcher Haltung des Kapitels findet es Jäger nur in der Ordnung,
daß der Rat seine und der Stadt Rechte und Gerechtsame gegen
dieses auch in den kleinsten Dingen mit allem Nachdruck wahrt und im
übrigen danach trachtet, möglichst wenig damit zu tun zu haben. Mit
Genugtuung stellt er fest, daß man Vonseiten der Stadt die große
Getreidespende, die ihr die Domherren im Jahre 1525 für den ihnen
während des Bauernkriegs gewährten Schutz angeboten, stolz zurückwies
und dem Dompropst Herzog Johann von Bayern die Bitte,
auf seine Kosten ein Wasserwerk auf dem St. Gilgenturme herstellen
zu lassen, abschlug. Aber auch die Stadtgeistlichen und die Klosterleute
kommen bei Jäger nicht „ungescholten" weg. Er vergißt nicht, die
in den meisten älteren Chroniken zu findende Erzählung von den
wegen Sodomiterei in einem am Perlachturm aufgehängten Käfig
dem Hungertode preisgegebenen „Pfaffen" (1409) aufzuwärmen,
von der schändlichen Mißbrauchung eines kleinen Mädchens durch
einen „stolzen, bösen" Priester von St. Moritz (1526), von der unwürdigen
Aufführung (1441) der wegen ihrer „Bieberei" mit schärferer
Klausur bedrohten Katharinanonnen zu berichten und sich über die
Memminger Antonierherren lustig zu machen, die (1483) darüber
ungehalten waren, daß der Rat von Augsburg die Zahl ihrer Schweine,
die in den Straßen der Stadt ihr Futter suchen sollten, beschränken
wollte. „O wol, ain Spot ist es gewesen!" Daß Jäger auch den