Volltext : Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

Einleitung

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Stücklein  zu  erzählen  weiß.  Er  erinnert  daran,  wie  sie  es  in  Kriegszeiten, ­
  so  namentlich  in  den  Jahren  1449,  1450,  öfter  heimlich  mit
den  Gegnern  der  Stadt  gehalten,  wie  sie  ihren  Dombau  im  XV.  Jahrhundert ­
  benutzten,  um  den  Leuten  in  unerhörter  Weise  das  Geld  aus
der  Tasche  zu  locken  und  an  ihrer  Kirche  länger  gebaut  hätten  als  die
Juden  am  Tempel  zu  Jerusalem,  der  doch  an  Größe  die  Stadt
Friedberg  übertroffen  habe,  wie  toll  sie  sich  benommen  im  Jahre
1515,  als  sie  aus  „Neid"  gegen  die  Stadt  nächtlicherweile  die  auf
dem  Fronhof  stehende,  mit  der  Stadtpyr  bezeichnete  Säule  umgestürzt ­
  und  deren  Wiederausrichtung  zu  verhindern  gesucht.  Mit  besonderem ­
  Vergnügen  gräbt  Jäger  aber  das  Geschichtchen  aus  von
den  im  Jahre  1419  unter  den  Domherren  entbrannten  grimmigen
Zwist,  bei  dem  sie  aufeinander  mit  Schwertern  losgegangen,  so  daß
Bürgermeister  und  Stadtvogt  hätten  einschreiten  müssen;  „also  kam
ir  hailiger  Gaist  wider  zu  Friden."  ...  „O  Gott,  daß  es  jetzt  in  unserer
Zeit  nicht  geschahe,  es  würd  sich  sonst  der  Luther  kranck  lachen!"
Bei  solcher  Haltung  des  Kapitels  findet  es  Jäger  nur  in  der  Ordnung, ­
  daß  der  Rat  seine  und  der  Stadt  Rechte  und  Gerechtsame  gegen
dieses  auch  in  den  kleinsten  Dingen  mit  allem  Nachdruck  wahrt  und  im
übrigen  danach  trachtet,  möglichst  wenig  damit  zu  tun  zu  haben.  Mit
Genugtuung  stellt  er  fest,  daß  man  Vonseiten  der  Stadt  die  große
Getreidespende,  die  ihr  die  Domherren  im  Jahre  1525  für  den  ihnen
während  des  Bauernkriegs  gewährten  Schutz  angeboten,  stolz  zurückwies ­
  und  dem  Dompropst  Herzog  Johann  von  Bayern  die  Bitte,
auf  seine  Kosten  ein  Wasserwerk  auf  dem  St.  Gilgenturme  herstellen
zu  lassen,  abschlug.  Aber  auch  die  Stadtgeistlichen  und  die  Klosterleute
kommen  bei  Jäger  nicht  „ungescholten"  weg.  Er  vergißt  nicht,  die
in  den  meisten  älteren  Chroniken  zu  findende  Erzählung  von  den
wegen  Sodomiterei  in  einem  am  Perlachturm  aufgehängten  Käfig
dem  Hungertode  preisgegebenen  „Pfaffen"  (1409)  aufzuwärmen,
von  der  schändlichen  Mißbrauchung  eines  kleinen  Mädchens  durch
einen  „stolzen,  bösen"  Priester  von  St.  Moritz  (1526),  von  der  unwürdigen ­
  Aufführung  (1441)  der  wegen  ihrer  „Bieberei"  mit  schärferer
Klausur  bedrohten  Katharinanonnen  zu  berichten  und  sich  über  die
Memminger  Antonierherren  lustig  zu  machen,  die  (1483)  darüber
ungehalten  waren,  daß  der  Rat  von  Augsburg  die  Zahl  ihrer  Schweine,
die  in  den  Straßen  der  Stadt  ihr  Futter  suchen  sollten,  beschränken
wollte.  „O  wol,  ain  Spot  ist  es  gewesen!"  Daß  Jäger  auch  den
            
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