Title:
Augsburg, Bd. 9
Creator:
Roth, Friedrich
Shelfmark:
2G 5003(2)-34
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1545034070410_34/38/
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Einleitung 
„Zunftmeister" aller Geistlichen, den Papst, mit seinen Sarkasmen 
nicht verschonte, versteht sich von selbst. Es ist ihm ein Bedürfnis, die 
Bezeichnung des Papstes „Seine Heiligkeit" zu verkehren in „Seine 
Heillosigkeit" (1483, 1508); die römischen Ablässe sind ihm eitel Be- 
trug, über den er sich in bitteren Worten ausläßt, ebenso alle übrigen 
Gnaden, die von der gottlosen Tiberstadt herkommen, und ein so 
kriegerischer Papst wie Julius II. war ihm, dem Friedensfreunde, 
ein wahrer Greuel. 
Solchen Äußerungen der Abneigung gegen die römische Kirche und 
ihre Diener stehen, wie in anderen Werken Jägers, so auch in der 
Weberchronik zahlreiche Zeugnisse leidenschaftlicher Begeisterung für 
die von Wittenberg ausgegangene religiöse Bewegung gegenüber. 
„Dies ist das gnadenreiche Jubeljahr," heißt es unter 1520, „darinnen 
das wahr, lebendig Wort Gottes durch den ehrwirdigen und hoch 
gelehrten Herrn und Vatern Doctor Martin Luther in Teutschlanden 
ausgeprochen," und daran anschließend wendet er sich mit scharfen 
Worten gegen den Augsburger Bischof Christof von Stadion,der 
sich von seinen Geistlichen für die mit ihnen lebenden Konkubinen 
Geld zahlen lasse und somit nichts anderes als „ein theurer Frauen 
wirt" sei. Einmal erwähnt Jäger auch die Wiedertäufer (1528), deren 
Treiben er, obwohl ihr Eifer und ihre Standhaftigkeit im Leiden ihm 
sichtlich Bewunderung abnötigt, mißbilligend gegenübersteht. Er 
tadelt es, daß man sie „zu lang einwurtzen lassen", und spricht den 
Verdacht aus, daß dies geschehen sei, weil „etlich hohe Personen in 
der Obrigkait, so dem Wort Gottes nicht so gar günstig warend, 
vermainten, so mans wol einwurtzen laß, daß alsdann ainer mit dem 
andern aus der Stat zu Prinzen were". Dem Herzog Wilhelm von 
Bayern, „einem Erhalter des Stuhls in Rom", kreidet er (1527) 
die heftigen Verfolgungen schwer an, die er über die aus seinem 
Lande zur evangelischen Predigt nach Augsburg wandernden Unter 
tanen verhängte, ebenso den Anschlag, den er zur Gefangennahme 
des den bayerischen Boden betretenden Augsburger Prädikanten 
Michael Keller ins Werk setzen ließ. Der Geist der scharfen, während 
des Augsburger Reichstages von 1530 einsetzenden Reaktion gegen 
das Evangelium wird in einigen kurzen, mißbilligenden Andeutungen 
richtig gekennzeichnet, aber desto größer ist der Triumph des Chronisten, 
daß „das Wort Gottes" sich trotz aller gegnerischen Unterdrückungs 
versuche siegreich behauptete. Als in Augsburg im Jahre 1537 endlich
        

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