Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

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Die Augsburger Bürgermeister aus der Weberzunft 
Bei all seiner umfangreichen Tätigkeit als Bürgermeister und 
Ratsherr versäumte Seitz keineswegs seine Privatangelegenheiten. 
Er war, wie gleichzeitige Quellen ausdrücklich bemerken, als er zum 
ersten Male Bürgermeister wurde, noch ein wirklicher Weber gewesen, 
der das Handwerk selbst ausübte, ging aber dann, wie andere, die s 
einige Mittel besaßen, auch bald dazu über, sich neben der Weberei in 
kleinere und größere Handelsgeschäfte einzulassen, indem er haupt 
sächlich Rohstoffe seines Handwerks aufkaufte, die er dann an die kleinen 
Weber absetzte. So wuchs er sich zu einem der mittleren „Weber- 
Verleger" aus, der zwar nicht wie der Bimel reich wurde, aber doch 10 
zu größerem Wohlstand gelangte; seine Steuer, die 1528 7 fl 45 kr. 
betrug, stieg 1534 auf 12 fl, 1540 auf 20 fl 6 3i, und die Kauf 
mannstube, in die nur gut situierte Herren kamen, nahm ihn als Mt- 
glied auf. Die Behauptung, daß er-das Statut, säumige Schuldner 
zur Mürbemachung in den Schuldturm zu setzen^, nur beantragt und is 
durchgeführt habe, um desto besser auf die in seinem Schuldbuch stehen 
den armen Weber drücken zu können, war wohl eine üble Nachrede 
seiner zahlreichen Widersacher, denn wenn er wirklich ein Mann dieser 
Art gewesen wäre, hätte er unbedingt reicher werden müssen, als er 
tatsächlich war. 20 
Die gewaltige auf seinen Schultern liegende Arbeitslast vermochte 
Seitz nur zu tragen, weil er von Haus aus ein besonders robuster 
Mann von scheinbar unverwüstlicher Gesundheit war. Im Jahre 1530 
zählte er zu den sechs Ratsherren, die den Himmel, unter dem man 
Kaiser Karl V. einholte, zu tragen hatten. Fünf von diesen, deren W 
etlich „die Schuch ab den Füssen derzeit", wurden auf dem weiten 
Weg „so mid", daß sie ihre Knechte für sich eintreten lassen mußten, 
Zur Gesch. des Hl. Geist-Hospitals in Augsburg in der Z. S. N., VI, (1879), S. 161. 
— Neben anderen Gründen sprach für den Abbruch des alten Spitals, was von Rem 
übergangen wird, dessen stark ins Auge fallende Baufälligkeit. So berichtet Matth. 
Langenmantels Chronik (Cgm. 1355, Bl. 3c), daß man die den Wiedertäufern im 
Jahre 1528 abgenommenen Strafgelder dem Spital überwiesen, „denn es waß 
ein grosser und notturftig paw [bort ^desselben jars verhanden, denn es wolt das 
tachwerck eingefallen sein vor alters". 
1. In Rems Fortsetzung, I. c. heißt es (@. 367): „1537 wird hie in ainem rat 
erkannt: wellicher über 200 guldin bekantlich schuldig und nit bezalte oder vergnügte, 
den soll man in amen schuldturn legen, welichen man gleich darnach bei dem Barfüser- 
tor machet und zurichtet, und solt man ainem all tag für kost und alles 4 L, geben, 
wellicher aber under 200 fl schuldig, sollt angeloben, in 14 tagen zu zalen oder aus 
der stat zu weichen, dises Pracht der burgermaister Mang Seitz zuwegen, und was ain 
Weber und verleget schier das gantz handwerck mit woll." Vgl. Gasser c. 1810 unter 
1538; Stetten l S.350.
	        

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