Full text: Augsburg, Bd. 9 (1929 / 34)

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Die Augsburger Bürgermeister aus der Weberzunft 
der den Wohlstand* der Stadt, wenigstens vorübergehend, schwer er 
schütterte, ihrer politischen Bedeutung ein Ende machte, die Errungen 
schaften des Evangeliums mit rauher Hand beschnitt^ und dem Zunft 
wesen, das sich in Augsburg noch nie so frei und kräftig geregt hatte 
als eben jetzt, ein jähes Ziel setzte?. 
Den von Jäger aufgeführten Bürgermeistern von den Webern ist 
für die Zeit zwischen dem Abschluß der Weberchronik und der Auf 
lösung der Zünfte (1548) noch der eben genannte 
6. Georg Österreicher 
hinzuzufügen. Er entstammte einer „kleinen", allmählich zu einigem 
Wohlstand und Ansehen gelangten Handwerkerfamilie und war ein 
Sohn des Gewandschneiders Johann Österreicher und der Barbara is 
Ketzer, heiratete die einer Kaufmannsfamilie angehörende Elisabeth 
Wild, war Mitglied der Weberzunft 4 und der Kaufleutstube und be 
trieb neben anderem einen ausgedehnten Handel mit Tuchwaren, die 
er zumeist auf den sächsischen Messen absetzte. Er war dabei von Glück 
begleitet. Rasch stieg sein Vermögen; 1534 entrichtete er eine Steuer 20 
von 34 fl, 1548 142 fl. Im Jahre 1545, 46, 47 war er Zwölfer der 
Weber, saß 1545 und 1546 als „Zusatz" im kleinen Rat, versah in dieser 
Zeit das Amt eines Proviantherren, wurde auf Weihnachten 1547 
zum Zunftmeister gewählt und stieg, als der bisherige Bürgermeister 
„von der Gemeind" Simprecht Hofer angesichts der schwierigen Lage, ® 
in die die Stadt infolge des für die Schmalkaldener unglücklich enden 
den Religionskrieges gekommen war, wegen „hohen Alters" sein Amt 
nicht mehr weiter führen wollte, bei der Ratswahl auf Dreikönig 1548 
zum Bürgermeister empor. Er war infolge seines während des Krieges 
in seiner Eigenschaft als schmalkaldischer Stimmrat von ihm entfalteten so 
evangelischen Eifers? eine bei dem Kaiser anrüchige und als Freund und 
Gesinnungsgenosse des „denen von der Herrenstube so aufsässigen 
1. S. hierzu die das „Aufnehmen" der Stadt von etwa 1500 an trefflich ver 
anschaulichende Zusammenstellung bei Buff S. 3ff. 
2. Hauptsächlich durch den Vertrag vom 3. August 1548, den die Stadt mit ihrem 
Bischof Kardinal Otto schließen mußte. Roth, Augsburgs Ref.-Gesch., IV, S. 170 ff. 
3. Bd. VII der Augsb. Chroniken, S. 86 ff. 
4. Siehe oben S. 218. 219. 265. 
5. Vgl. die Augsb. Chron., VI I S. 166 Anm. 2.
	        

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