Full text: Praktischer Unterricht in der Feuerwerkerkunst für Dilettanten und angehende Feuerwerker oder Vollständige Anweisung alle Arten von Land-, Wasser- und Luftfeuerwerken, sowie auch Feuerwerke zu Luftballons, auf Theatern und zu Kriegsbedürfnissen zu verfertigen, aufzustellen und abzubrennen

leimt man auswärts unter den Boden des Kastens ein Papier, und 
nachdem dieses trocken ist, setzt man den Kasten an die Stelle, die er 
einnehmen soll; hier bringt man in jedes Loch eine fliegende Rakete, 
indem man das Papier mit dem Stocke derselben durchbohrt; diese 
Raketen müssen aus der Lunte ruhen, wie schon gesagt ist. Dann 
wirst man in den Kasten zwischen die Raketen eine Masse Kleie oder 
in Ermangelung derselben Holzsagespane, welche dazu dient, das 
Fortbrennen des Dochtes zu hemmen, so daß dieser nur langsam fort 
glimmen kann, und eine Rakete nach der andern steigt. Die Kleie 
oder Sagespane werden ungefähr 5 bis 6 Eentimeter (2 Zoll) hoch 
eingebracht. Je langsamer nach einander die Raketen losbrennen 
sollen, desto weiter muß man die Löcher in dem Kasten von einander 
entfernt machen. 
Diese Vorrichtungen geben bei großen Feuerwerken gut ange 
bracht einen vortrefflichen Effect. 
Ein so eingerichteter Kasten kann auch noch zu vielen andern 
Dingen gebraucht werden. Man macht damit z. B. ein Bouquet 
von fliegenden Raketen; in diesem Falle macht man keine Commu- 
nication und leimt kein Papier unter den Boden, weil hier beides 
überflüssig sein würde, indem letzteres zu weiter qichts dient, als daß 
die Kleie oder die Sägespane nicht durch die Löcher im Boden der 
Kasten fallen können, die von den Stöcken der Raketen nicht völlig 
ausgefüllt werden (f. den folgenden Artikel). 
§. 123. Girandelfeuer. 
Die Girandelfeuer oder Bouquets sind der letzte Effect eines 
Feuerwerkes. Das Wort Girandel ist aus der Wasserbaukunst ge 
nommen, wo man darunter einen Wasserbüschel auS mehreren 
Strahlen versteht, die sich heftig mit großem Geräusche in die Luft 
erheben. Fast denselben Effect geben die Girandel durch Feuer. 
Ein Girandelfeuer besteht aus mehreren Kasten (2. XXVI.); 
ein solcher Kasten enthält hier in der Regel 150 Raketen. Sind 
diese Kasten in der gehörigen Anzahl auf erhöheten Gerüsten neben 
einander gestellt, so bringt man die Raketen hinein, ganz wie im vo 
rigen §. Hierauf legt man die Deckel auf die Kasten, welche sehr 
leicht sein müssen, damit die Rakete beim Aufsteigen sie leicht heben 
und so ohne Hinderniß in die Luft fliegen können. 
Sind die Raketen auf die genannte Weise in die Kasten ge 
bracht, so cvmmunicirt man sie durch Löcher von unten oder auch 
durch ein an jedem Ende des Kastens angebrachtes Loch. Die 
Communication kann auch vor Einbringung der Raketen geschehen.
	        

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