Volltext : Praktischer Unterricht in der Feuerwerkerkunst für Dilettanten und angehende Feuerwerker oder Vollständige Anweisung alle Arten von Land-, Wasser- und Luftfeuerwerken, sowie auch Feuerwerke zu Luftballons, auf Theatern und zu Kriegsbedürfnissen zu verfertigen, aufzustellen und abzubrennen

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nickt  kannte,  die  aus  der  Verbindung  eines  Feuerwerkes  mit  einem
Ballon  hervorgehen,  welcher  mit  Wasserstoffgas  gefüllt  ist,  bestand
trotz  aller  meiner  Warnungen  und  Vorstellungen  darauf,  ihre  gefährlichen ­
  Versuche  zu  wiederholen  und  stieg  mehrere  Male  in  einem
Aerostaten  auf,  an  welchem  ein  Feuerwerk  mit  verschiedenen  Effecten
angebracht  war;  ich  wiederhole  es  jedoch  noch  ein  Mal,  nicht  das
Feuerwerk  war  Schuld  an  ihrem  Tode,  sondern  ihre  eigene  Unvorsichtigkeit, ­
  wie  sich  zeigen  wird.
Isinniltesbar  unter  ihrem  Schiffe  war  ein  großer  Stern  mit
Lanzenfeuer  von  6  Metern  (18  Fuß)  Durchmesser  aufgehängt.  Er
hatte  acht  Spitzen;  in  jeder  derselben  befand  sich  eine  bengalische
Flamme  mit  drei  römischen  Kerzen,  von  denen  jede  einzelne,  falls  sie
sich  vökrückt  hätte,  zur  Zerstörung  des  Ballons  hinreichte;  dessenungeachtet ­
  geschah  dies  niemals.  In  jedem  einspringenden  Winkel
des  Sterns  befand  sich  noch  eine  römische  Kerze  und  kleine  Feuertöpfe ­
  in  der  Art  der  Töpfe  fliegender  Raketen,  aber  nur  mit  Sternen ­
  garnirt.
In  der  Mitte  aller  dieser  zerstörenden  Elemente,  fuhr  die
Blanchard,  begleitet  von  eben  so  viel  Kühnheit  als  Gefahren,  im
Glanze  der  bengalischen  Flammen,  von  denen  ein  Theil,  an  ihrem
Schiffe  zur  Erleuchtung  aufgestellt  war,  in  die  Höhe.
Mehrere  Male  war  der  Wind  diesem  in  der  That  sehr  lieblichen, ­
  aber  auch  für  die  Luftschifferin  wie  für  die  Zuschauer  wahrhaft ­
  gefährlichen  Schauspiele,  entgegen.  Dennoch'  geschah  das  Unglück ­
  erst  am  6.  Juli  1819,  als  Madame  Blanchard,  die  wie  immer ­
  darauf  brannte,  ihr  Versprechen  dem  Publikum  zu  halten  und
also  genau  zu  der  auf  dem  Anscklagezettel  bezeichneten  Stunde  abzufahren, ­
  wie  immer  ihre  Abfahrt  nicht  verzögern  wollte,  und  deshalb
keine  Zeit  behielt,  ihr  Tauwerk  nachzusehen;  sie  vergaß,  die  Taffetröhre
  zusammenzufalten,  welche  mit  den  Tonnen  communicirt,  in
denen  das  Wasserstoffgas  bereitet  wird.  Der  so  vernachlässigte  und
dem  Spiele  seiner  Bewegungen  überlassene  Theil  des  Ballons,  hakte
nahe  an  einer  bengalischen  Flamme  oder  an  einer  Lanze  deS  Sternes
fest,  entzündete  sich  und  trug  den  Brand  bis  in  den  Ballon  selbst.
Bald  brannte  alles  Wasserstoffgas  nnd  zerstörte  die  Taffethülle,  die
nun  nicht  mehr  von  der  Luft  getragen  wurde.  Der  Fall  der  Madame ­
  Blanchard  war  nun  unvermeidlich;  sie  fiel  aus  einer  Höhe  von
etwa  1000  Toisen  in  die  Straße  de  Provence  mit  einer  solchen
Schnelligkeit  nieder,  daß  ein  starkes  Dach  unter  ihr  einbrach;  der
Rest.des  Ballons  trug  sie  in  die  Straße,  wo  sie  in  demselben  Augenblicke ­
  todt  gefunden  wurde.
            
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