Full text: Praktischer Unterricht in der Feuerwerkerkunst für Dilettanten und angehende Feuerwerker oder Vollständige Anweisung alle Arten von Land-, Wasser- und Luftfeuerwerken, sowie auch Feuerwerke zu Luftballons, auf Theatern und zu Kriegsbedürfnissen zu verfertigen, aufzustellen und abzubrennen

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§. 156. Wall- und Schiffs - Kanonen. 
Um eine Wallkanone darzustellen, schneidet man ein dünneS 
Brett in der Form (Fig. 8. XXH.) aus; hinter dasselbe stellt man 
einen Feuertopf (Fig. 9. XXH.), in welchen man einen Champignon 
mit Pulvermehl bringt, und während man die im Angesichte des 
Publikums liegende Kanone zu laden scheint, nimmt Jemand unbe 
merkt hinter den Coulissen den Feuertopf fort, der abgebrannt ist, und 
stellt dafür einen andern geladenen Topf hin. 
Die Schiffskanonen werden eben so gemacht, wie die Stück 
patronen (§. 153.). Stellt das Theater das Innere eines Schif 
fes dar, was sehr selten sein möchte, so macht man den Lauf einer 
Kanone und ladet, wie (tz. 153.) gelehrt ist. 
§. 157. Brander und brennende Schiffe. 
Um den Effect eines Branders darzustellen, muß man vor 
allen Dingen die ihn repräsentirende Construction mit drei oder vier 
Schichten dicker Wasserfarbe überziehen, und dann den Brander mit 
den passenden Farben bemalen. Diese erste Zurüstung schützt den 
Apparat gegen die brennende Materie, und erhält ihn dergestalt, 
daß man sich dessen sehr oft bedienen kann. Auf gleiche Weise be 
malt man die Segel, sowie überhaupt alles, was sonst dem Feuer 
nicht hinlänglich widerstehen möchte. 
Hierauf garnirt man alles, was im Feuer erscheinen soll, mit 
Werg ohne irgend eine weitere Mischung, und nachdem diese verzehrt 
sind, läßt man eine Explosion vor sich gehen, welche das Springen 
der Pulverkammer darstellt. _ Hierauf muß das Schiff den Augen 
der Zuschauer entschwinden, eine Sache, wofür der Maschinenmeister 
zu sorgen hat (s. den Artikel Explosionen). 
Was die brennenden Schiffe betrifft, so nimmt man zu der 
Darstellung des Effectes eines in Brand gerathenden Segels Papier, 
was dem Feuer etwas widersteht, z. B. geleimtes Löschpapier, nicht 
aber etwa Tapetenpapier, welches zu schwer brennt. Hieraus formt 
man Segel, und färbt diese schwach über, wenn es nöthig ist. Eben 
so macht man es mit den Flaggen u. s. w. Hierauf garnirt man 
alle Tauwerke und Masten mit etwas Werg oder Hanf, und man 
thut, als würden glühende Kugeln in das Schiff geworfen u. s. w., 
wenn dieses, zufolge einer Schlacht, sich entzünden soll. Nachdem 
cs mit Kanonen ausgerüstet ist, wenn es ein Kriegsschiff darstellen 
soll, bringt man in die Mitte ein Brett mit Stoß- oder Düten- 
feuern; dieses stellt die Pulverkammer des Schiffes vor und gibt 
den letzten Effectes Brandes. 
Feuerwerker. 9
	        

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