Full text: Praktischer Unterricht in der Feuerwerkerkunst für Dilettanten und angehende Feuerwerker oder Vollständige Anweisung alle Arten von Land-, Wasser- und Luftfeuerwerken, sowie auch Feuerwerke zu Luftballons, auf Theatern und zu Kriegsbedürfnissen zu verfertigen, aufzustellen und abzubrennen

«8>W*A>«A> 
46 
nöthig, damit nicht cin zufällig etwa auf den Docht fallender Funken 
die Decoration entzündet, ehe sie entzündet werden soll. 
Zuweilen, jedoch selten, macht man auch andere Arten von 
Dccorationen, und zwar mit einem Seilwerke, welches die Dicke ei 
ner Feder hat, lose gesponnen und lose gedreht ist, und welches fol 
gendermaßen präparirl wird. Man schmilzt in einem Kessel 3 Pfund 
Schwefel, 3 Unzen Antimon, 6 Unzen Salpeter und 3 Unzen 
Wachholderharz, und taucht in diese Lösung das Seil, um es mit der 
Eomposilivn zu durchtränken, überpülvert es dann mit Pulvermehl 
und breitet es aus zum Trocknen. Mit diesem Strickwerke kann 
man die Dessins besser. ausführen, als mit den Lanzen, weil man 
damit die Kreise, Schnecken u. s. w. voll darstellen kann; man darf 
cs jedoch nicht unmittelbar auf dem Holze befestigen, wie die Lanzen, 
indem es dies anzünden würde, sondern es muß überall auf einer 
Eisendrahtstange oder sonst einer unverbrennlichen Materie ruhen, 
mit welcher man ohne das Seil das Dessin darstellt, welches das 
Feuer vorstellen soll. Auf der Eisendrahtstange befestigt man dann 
diese Lunte, überall, wo es nöthig ist, mit Draht. 
Unstreitig ist diese Methode die bessere; weil sie aber kostspielig 
ist, so wendet man sie selten anders, als zu den Rädern mit farbigem 
Feuern, zu Ziffern, Devisen und andern unbedeutendem Gegenstän 
den dieser Art an. 
Diese Lunte wird mit eben der Sorgfalt gelegt, wie jeder an 
dere Eommunicationsdocht, also mit einer Röhre umgeben, weil im 
mer zu befürchten steht, daß ein Fünkchen von Rädern oder Raketen, 
die man vorher anzündet, diese Feuerwerksstücke losbrcnnen möchte, 
ehe cs Zeit ist. 
§. 66. Architektonische Dessins. 
Mit der eben genannten Lunte kann man alle möglichen Des 
sins darstellen; was aber dadurch an Genauigkeit gewonnen wird, 
geht an Annehmlichkeit verloren, weil das Feuer derselben trübe und 
düster, das Feuer der Lanzen dagegen viel lebendiger ist. Zu den 
folgenden Stücken wende ich deshalb Lanzen an. 
Es ist sehr Vortheilhaft, für die Lanzen toskanische Gebälke, jo 
nische Säulen, Giebelwerke, Attiken und endlich alles, was sich durch 
getrennte gerade Linien darstellen läßt. Fig. 2. IX. ist ein kleiner 
Palast aus vier jonischen Säulen, auf denen eine Attike oder ein 
Fronton ruht; man kann eines oder das andere dieser Stücke, oder 
auch beide zugleich wählen; das Gebälk ist toskanischer Ordnung. 
Man braucht sich in der Fcuerwerkskunst nicht mit Aengstlich-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.