Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn : Organ für d. Hochbaufach u. seine Interessenten, II. Band (1896)

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Nr. 8 Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. Seite 63. 
  
  
  
  
  
Tafel 59. Centralbahnhof in Bombay, Indien. Architekt Mr. £ W. Stevens. Man nennt unser. Zeitalter 
das der technischen Fortschritte und diese liegen insbesonders auf dem Gebiete des Verkehrswesens. Mit der Be- 
schleunigung und Verbilligung der Verkehrsmittel, der Erleichterung des Verkehres überhaupt, hat auch der Reise- 
trieb und Reiseeifer sich zu ungeahnten Dimensionen entwickelt. Was aber beim Laien nur Schaulust ist, ist. beim 
Architekten Lehrmittel und Berufsstudium. Seit einem Jahrzehnt haben einige unternehmende Fachgenossen ihre 
Studienreisen sogar bis nach Nordamerika ausgedehnt. Wir erfuhren auf ähnlichem Wege auch, dass in Südafrika, 
in Australien überall dort, wo europäische, speciell englische Colonien zu hoher Blüthe gelangt sind, mit der euro- 
päischen Cultur auch europäische Architektur Boden gewonnen hat. Sydney, Melbourne in Australien, Johannesburg 
im Transvaal weisen Strassen und Häuser auf, welche den vornehmsten europäischen Grossstädten zur Zierde ge- 
reichen würden.. Dass aber auch in Ländern, welche eigene uralte Cultur und Architektur besitzen, europäische 
j)auweise Eingang findet, ist wohl ziemlich unbekannt geblieben. Dass in Indien z. B., in diesem Lande mit den 
ıberischen Baudenkmälern einer sagenumwobenen Glanzzeit. nicht nur englische Sitte, sondern auch englische 
  
Bauweise adoptirt worden sei, ist wegen der geringen Aufmerksamkeit, die der modernen Bauthätigkeit dieser 
Länder gewidmet wird, nicht allgemein bekannt. Das in der vorliegenden Nummer der »Neubauten und Concurrenzen« 
   
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publieirte Bauwerk mag 
  
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z ’n, welches Unrecht damit begangen wird. — Freilich zeigt kein Styl mehr als der 
romanisch-englische solche Verwandtschaft mit der orientalischen. Bauweise, und bewirkt damit, dass ein in diesem 
Style ausgeführtes Bauwerk aus der charakteristischen Silhouette der indischen Stadt nicht heraussticht, umsomehr, 
wenn der Architekt, wie im vorliegenden Falle, es verstanden hat, einen sozusagen indischen Zug in das romanische 
Bauwerk zu bringen, Das verwendete Material ist edelster Art. Es ist auch viel: Marmor im Aeusseren und Inneren 
KOMKONNLO)N 
Grundriss, 
  
Verwendung gekommen, und da man in Indien keinen. Marmor findet, der ;dem italienischen an 
mt, wurde sehr viel dieses Steines aus Italien geholt. Die den Bau ausführenden Arbeiter waren 
)rene, die ihre Ausbildung in der Kunstschule in Bombay erhalten haben. Als schöne Kunstwerke 
lie auf der Spitze der Kuppel angebrachte Statue des Fortschrittes, sowie das Standbild der Kaiserin 
der Nische unter der grossen Uhr aufgestellt ist. 
60 und 61. Entwurf zu einem Palais für Herrn G. v. G. in Ofen. Architekt Oskar Marmorek. 
\wierigsten Probleme in dieser Aufgabe zu lösen, die einem Architekten entgegentreten können. 
Terrain liegt auf der. Lehne des Ofener Königsberges. Während in der Umgebung der Fels auf 
Tall gesprengt ist, ist er hier noch erhalten geblieben, so dass das Bauterrain mehr als 10 x über 
Von dieser Anhöhe aus geniesst man ein herrliches Bild auf das am jenseitigen Ufer sich aus- 
) esen Ausblick sich entgehen zu lassen und, der leichteren Bewältigung der Aufgabe wegen, den 
Fels zu Sprengen, wäre ein ästhetisches Verbrechen, umsomehr, als der glückliche Zufall diesen Bauplatz in die Hand 
€1INesS verständnissvollen Bauherrn gebracht hat, der an dieser Stelle ein palastartiges Eigenwohnhaus zu erbauen 
die Absicht hat. Die wichtige und principielle Frage in der Lösung der dem Architekten gestellten Aufgabe war, einen 
Modus zu finden, bei welchem man von der Strasse aus in das die Empfangsräume enthaltende Hauptgeschoss 
möglichst bequem ‚gelangen könne. Dieser Bedingung soll die Stiegenanlage entsprechen, welche aus dem Schnitte 
durch das Haus erkenntlich. ist. Es sind unter dem Erdgeschosse zwei Untergeschosse angeordnet. Im untersten; in 
der Strassenhöhe, befinden sich die Stallungen, und. eine Unterfahrt ermöglicht von der Strasse die Ein- und Durch- 
fahrt. Die von der Strasse zu Fuss in das Haus Eintretenden treffen sich mit den Einfahrenden auf einem Podest, 
um dann in der Fortsetzung der Stiege in das Vestibule des oberen Souterrains zu gelangen. Von hier aus. kann 
man ın das Bureau des Eigenthümers treten. In diesem Geschosse liegen auch die Küche und deren Nebenräume, zu 
welchen man mittelst einer Nebenstiege hinaufsteigt. Von diesem oberen Vestibule ‚führt die Prachtstiege in. das Erd- 
und Hauptgeschoss. Hier liegen die Empfangs- und Gesellschaftsräume. Eine andere Stiege führt in die oben liegenden 
Wohn- und Schlafräume: die sich um eine Halle gruppiren. Diese Halle ist der Mittelpunkt der inneren intimen 
Häuslichkeit. In die Gallerie der Halle münden auch die Gast- und Dienerschaftszimmer, die im Dachgeschosse unter- 
gebracht sind. Das wichtigste, bei der Lösung dieser schweren Aufgabe befolgte Princip-war, absolut direct zugängliche, 
gut und unmittelbar beleuchtete Räume zu erlangen. Das war bei der Stiegenentwicklung am schwersten zu erreichen, 
   
breitende Pest. 
  
 
	        

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