Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn : Organ für d. Hochbaufach u. seine Interessenten, III. Band (1897)

  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
Seite 26. 
die Kleinheit der Räume eine Vermehrung ihrer Zahl und 
erleichtert ihre Gruppirung, verringert den baulichen und 
decorativen Aufwand, während das Vermeiden jeder strengen 
und anspruchsvollen Aussenarchitektur und das Betonen 
des malerischen Elementes die Anwendung einfacher und 
wenig kostspieliger Hilfsmittel gestattet. 
Allerdings wird ein kritisches, an stetige und historische 
Entwicklung von Bauformen gewóhntes europäisches Auge 
die sorglose und unvermittelte Art, mit welcher man in 
Amerika die künstlerische. Seite dieser Aufgabe zu be- 
handeln pflegt. nicht immer mit Wohlgefallen betrachten 
können. Ein Behagen an Absonderlichkeiten und persön- 
lichen Launen macht sich da gar oft in unberechtigter 
Weise fühlbar und breit, und die Raschheit des Entstehens 
dieser Bauten, der Mangel an entwickelten Bautraditionen 
bringen Flüchtigkeiten und Derbheiten in die äussere 
Erscheinung, welche uns abstossen. 
constructiver 
(Trotzdem finden wir aber auch in Amerika nicht 
selten architektonische Leistungen, welchen die besten 
Neubauten und Concurrenzen. 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
Nr. 2. Hauseingang aus Rochester (erbaut 1824—1828). 
Arbeiten der europäischen Culturstaaten, die gründlichsten | 
historischen. Studien als Basis gedient haben. In diesem 
Sinne ist z. B. das Anschliessen 
Schlossbauten des Mittelalters und der Frührenaissance 
hervorzuheben, wie es Rich, Morris Hunt geübt, der ja 
auch in Europa sich eines grossen künstlerischen Rufes 
zu erfreuen hatte; dann konnte auf die eigenthümliche 
Anwendung der frühen romanischen Bauformen mit ihren 
schweren gedrungenen Verhältnissen in Verbindung mit 
einer derben rusticalen Bauweise hingewiesen werden, 
welche durch Richardson ins Leben gerufen wurde, Diese 
Richtungen haben aber wohl in erster Linie für monu- 
mentale Aufgaben, für das städtische Wohnhaus in grossem 
Style Bedeutung, welches wir hier vorerst ausser Betracht 
lassen wollen. 
an die 
Mehr Einfluss scheinen gewisse Bautraditionen für das 
ländliche Wohnhaus gehabt zu haben, welche in Amerika 
selbst vorhanden waren, Merkwürdiger Weise kann man 
französischen | 
  
Nr. 4. 
gerade hier in gewissem Sinne schon von einer historischen 
Ueberlieferung in Amerika reden. Das alte Farmhaus 
und städtische Wohnhaus reicht bis in den Beginn des 
XVII. Jahrhunderts zurück, wie ein in Abbildung Nr. 1 
vorgeführtes Beispiel aus dem Jahre 1636 zeigt, das bis 
vor Kurzem in Brooklyn erhalten war; ferner sind die 
ersteren. opulenteren Bauten aus der Gründungszeit der 
Colonien deren Charakter den Namen 
»Colonial style« trágt. 
Bevorzugung schlanker Verhältnisse und zierlicher Detail- 
auch in Europa das XVII. Jahrhundert 
kennzeichnet und noch im Beginne des XIX. Jahrhundert: 
vielfach erhalten, 
Es ist dies ein Classicismus mit 
formen, wie er 
geübt wurde und nun zum Schlusse desselben von Neuem 
wieder beliebt zu werden scheint. Abbildung Nr. 2 und 3 
bringen Details aus einem Colonialgebäude in Rochester 
N.-Y., welches zwischen 1824 und 1828 errichtet wurde 
Endlich ist ja kein Zweifel, dass die englischen Sitten und 
Gebräuche auch in Bezug auf die Art des Wohnens in 
Amerika fortleben und dass der innige Contact mit Europa 
nie ganz unterbrochen: worden ist. Der ganze Hausrath, 
die Möbel und Wandbekleidungen zeigen diese Provenienz. 
so sehr auch der Stempel Amerikas allen Erzeugnissen 
des neuen Welttheiles aufgedrückt erscheint. Wir verweisen 
hier auf die Interieurs amerikanischer Cottages. welche wii 
auf Tafel Nr. 26 bringen. 
eben, das Gute, das 
Der Amerikaner versteht 
anderwirts findet, sich rasch zum eigenen Gebrauche 
1:20, 
Nr, 3. Kamin aus einem Hause in Rochester (erbaut 1824—1828), 
zurecht zu legen und zum wirklichen Eigenthum zu mache: 
indem er es in seiner Weise umzuschaffen beginnt. 
In diesem Sinne haben auch die vom englischen 
Wohnhaus abstammenden Anlagen in Amerika ihre 1 
bildung erfahren, welche in an locale 
Verhältnisse und durch andere Baumaterialien und tech- 
nische Hilfsmittel von selbst ergab. 
Weit alten Welt begegnet maı 
begreiflicherweise in Amerika dem Holz in dominirendeı 
Verwendung als Baubestandtheil. Mit Stein wird gleichfalls 
nicht gespart, doch wird er in überwiegender Menge in 
fast unbearbeitetem Zustande auch an sichtbaren Stelle: 
verwendet. In dem Bestreben, dem ländlichen Hause alle 
äusseren Reminiscenzen an das städtische zu nehmen und 
sich Anpassung 
mehr als in der 
die Anpassung an felsige oder waldige Umgebung möglichst 
weit zu treiben, wird sehr häufig die Grenze des guten 
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Geschmackes überschritten, jedenfalls wird aber der nicht 
geringe Fehler, der bei uns so háufig begangen wird, dabei 
 
	        

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