Volltext: Architektonische Monatshefte, VI. Band (1900)

  
Heft 9 
ARCHITEKTONISCHE. MONATSHEFTE 
VI Jahrgang 
  
  
  
Preilhaus in Bamberg. 
Hauptportal. 
Der geforderte Preis betrug 80.000 Mark. Die Gemeinde lehnte das 
Anerbieten ab. Derzeit ist das Haus im Besitze des Privatiers Sauermann 
in München. Da es keinen Käufer und Miether finden kann, wohl haupt- 
sächlich wegen der unangenehmen Lage in einer engen Gasse, soll es 
abgebrochen werden. Der Besitzer trägt sich mit der Absicht, den Bau 
nach München zu transferiren und sind zu diesem Zwecke von Herrn 
Architekten Martin in Bamberg bereits Pläne angefertigt worden. 
Das Gebäude ist zweistöckig und erinnert in der Grundriss-Eintheilung, 
in der Benützung des Terrains und im Facadendetail an italienische, vor 
allem genuesische Vorbilder. 
Die Formen der Facade sind 
in derber Weise durchge- 
bildet. Schön und kräftig 
wirken die stark profilirten 
Gesimse. Die ornamentale 
Behandlung zeigt eine ge- 
wisse Unruhe durch dasstarke 
Veberwuchern des Laub- 
werkes. Die Abtreppung der 
Front gegen den Bergabhang 
gibt ein sehr malerisches Bil d. 
Das Erdgeschoss wird von 
einem kräftigen Cordonge- 
sims abgeschlossen, W elches 
gleichzeitig den Parterre- 
fenstern als Verdachung dient. 
Rusticirte Pilaster mit flotten 
Kapitälen flankiren die Fron- 
ten. Die Fenster zeigen im 
Yarterre sehr gedrückte Ver- 
hältnisse, 1'25/1°60 cm, und 
haben eine kräftige Chambrane, zarten Fries und einfache Sturzdecoration. 
Der Glanzpunkt des Gebäudes ist das Hausthor mit der aufsteigenden 
Mittelpartie. Dasselbe ist ungemein reich ornamentirt, löst sich sozusagen 
im Ornament auf. Die consolartigen, schräggestellten Pfeiler besitzen ein 
den Eckpilastern analoges Kapitäl in schwungvoller Modellirung und sind 
überreich mit Blattwerk decorirt. Das Cordongesims bildet mit einem ein- 
gefügten Architrav den oberen Abschluss. Der Bogenkämpfer liegt in 
gleicher Höhe mit den Sohlbänken der Fenster. Eine einfache Archivolte 
umzieht den Bogen, der einen hübschen, in das Cordongesims eingekröpften 
Schlussstein erhält. Die Bogenzwickel sind mit derbem Laubwerk aus- 
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Grundriss des II. Stockes. 
Preilhaus in Bamberg. 
  
gefüllt. Als Endigung der Pfeiler erscheinen kleine geschweifte 
Verdachungen, an die sich Löwen stützen. Reiches Laubwerk 
vervollständigt auch hier die Decoration. Das Hausthor ist fünf- 
theilig in ruhiger bescheidener Form gelöst. 
Die beiden Oberstöcke sind gemeinsam behandelt, die 
übereinanderliegenden Fenster zusammengezogen und die Ecken 
und Mittelpartie durch schlanke, freicomponirte Pilaster, die sich 
in das Hauptgesims kröpfen, markirt. Von guter Wirkung ist 
das kräftig gegliederte, wohlproportionirte Hauptgesims. Das Haus- 
mittel ist als Fortsetzung der reichen Portaldecoration nach oben 
in üppiger decorativer Form gelöst, bei Beibehaltung der normalen 
Fenster und deren Gesimse. Als oberste Endigung erscheint eine 
grosse Lucarne mit figuralem Schmuck. Die Verhältnisse der 
Öberstockfenster sind ‘ebenfal Is ‚etwas gedrückt, je zwei über- 
einanderliegende Fenster sind in eine Ar chitekturmasse zusammen- 
gezogen. Die kräftige Umrahmung mit Ohren, die Sohlbank und 
Parapetdecoration ist in beiden Stockwerken gleich. Die Ver- 
dachung der Fenster des zweiten Stockes zeigt abw echselnd den 
Segmentgiebel mit 
Muscheldecoration 
und geschweifte 
unterbrochene Ver- 
dachung mit Bü- 
sten. Die von. Pi- 
lastern eingerahmte 
Mittelpartie über 
dem Hausthor tritt 
als dominirendes 
Motiv auf. Die sonst 
gleich durchgeführ- 
ten Fenster haben 
figurale Zuthaten. 
Besonders fein ge- 
arbeitet‘ erscheint 
das Mittelfenster im 
ersten Stock. Das 
Parapet dieses Fen- 
sters wird von einer 
von zwei Figuren 
  
Preilhaus in Bamberg. Grundriss des I. Stockes. 
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Preilhaus in Bamberg. 
Hofansicht, linker Flügel. 
 
	        
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