Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 71, 1915)

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ARCHITEKTONISCHE MONATSHEFTE

  

 

 

 

   
 

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(20) (21)

Mittelalterliche Holzbauten in Nordfrankreich.

Reiseskizze von Aug. Leo Zaar,
Architekt und Dozent an der Königl. Kunstschule in Berlin.

(Schluss.)

    

De erzielten wir in Rouen,
dem Klein-Paris der Normandie,
eine reiche Ausbeute. Fig. 19 zeigt ein altes
Holzhaus, das im Zentrum der Stadt‘ abgebrochen,
 in der Nähe der Kirche St. Vincent
mit dem alten Baumaterial aufgebaut wurde,
um so der Nachwelt erhalten zu bleiben; ein
sehr nachahmenswertes Beispiel der Kunstliebe
und Pietät der Stadt und ihrer Behörden!
Die Tiefe des Hauses ist jetzt allerdings
nur so gross, dass in demselben ein Leitergang
 nach den einzelnen Stockwerken führen
kann, aber das genügt vollauf, um ein Bild
der Gesamtwirkung und ein Urteil über die
zierlichen, reichen Schnitzarbeiten in Früh-|
 REP renaissanceformen dem Gedächtnisse dauernd
(35) einzuprägen.
Sodann bringen die Figuren 20 u. 21 die Ansicht eines
Hauses in der Rue de la Savoniere mit Teilzeichnungen und
Fig. 22 das Eckhaus der Rue de la Savoniere et de la tuile mit
seiner eintönigen, schematisierten Anordnung der enggestellten
senkrechten Pfosten. Es besitzt jedoch ein reiches gotisches
Hauptgesims und erzielt durch die Gruppierung der Dächer
und des Dachreiters eine malerische Gesamtwirkung.
Viel interessanter wirkt jedoch das auf Fig. 23—24 dargestellte,
 perspektivisch gezeichnete Eckhaus in ‚der Rue des
fourchettes et de bac mit der Teilzeichnung‘ des kleinen Eckfensters
 (Tafel. 69).
Sehr sehenswert ist ausserdem in Rouen der Totentanz-Kreuzgang‘
 des Klosters St. Maclou (Fig. 25). Der Kreuzgang
 stammt aus der Frührenaissancezeit und ist jetzt durch
eingestellte Wände zu Schulräumen umgewandelt; er hat im

 

 

(21a) oben.

(12) unten.

Erdgeschoss Steinpfeiler und Stützen, im Obergeschoss Fachwerkbau.‘
 Beide sind mit Abzeichen des Todes geschmückt,
wonach die Anlage den eigenartigen Namen erhalten hat.
Die köstlichsten Perlen der normännischen Fachwerkbauten
fanden wir jedoch erst in Lisieux, welches wir während eines
mehrtägigen Aufenthaltes eingehend besichtigen konnten. Daher
stammen die folgenden Aufnahmen. Fig. 4. Ein Unterzug in
einem alten Holzhause der Rue aux fe&vres mit auf hoher Kante
verlegten Fussbodenhölzern, welche Konstruktion ich auch in
Rouen bei dem Eckhause der Rue de la Savoniere et de Ia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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