Volltext : Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 57, Bd. 16, 1897)

277 Deulsche Steinbauten. — Hochbau oder Shedbau bei Baumwollspinnereien. — Konkurrenzgeschäft und Verktragsstrafe. 278

HZögen wichtigste aller Forderungen seit Jahrhunderten und
Jahrtausenden, selbst mit Aufwendung von kostspieligen Kunst—
zriffen der Baukundigen, nie oder nur ausnahmweise erreicht
st. Was nun den dritten Punkt, die erforderliche Mauer—
tärke eines als deutschen Steinbau Wohn- oder gewerblichen
'der landwirthschaftlichen Zwecken dienenden Gebäudes anlangt,
o ist für jeden nachdenkenden Fachmann seit den ersten Ver—
zffentlichungen über derartige Bauten gar kein Zweifel möglich
darüber, daß der deutsche Steinbau ein gegliederter oder
Hefach-Bau aus Stabilitäts-Rücksichten gar keiner Wände,
ilso auch gar keiner Wandstärke bedarf. Nur einzelne
Pfeiler sind uothwendig, welche nach Umständen in etwa
2, 3, 4, 5, 6 und mehr meEntfernung sich wiederholen und
deren ebenfalls sehr wechselnde Breite und Stärke, auf die
janze Länge der Umfassungswände vertheilt, selbst für sehr
zroße Gebaͤude, bei 6,00m Axweite der Pfeiler ein Durch—
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chnittsstärke der Umfassuugswände von z. B. FBrod *136m
geben würde.
Trotz dieser sehr geringen Kosten würde ein durchaus
sesunder und durch Feuer unzerstörbarer und nach gehöriger
Anterweisung durch jeden zuverlässigen Maurermeister, welcher
einerlei besondere Ausbildung zu haben braucht, somit in
ehr vielen Fällen ganz erheblich billiger, als irgend ein an—
derer, minder gesunder, minder dauerhafter, durch Feuer
cchnell zerstörbarer Bau herzustellen möglich sein.
Es ist ja nicht jeder Bau mit gewölbten Decken ein
dilliger deutscher Steinbau, sondern es sind sehr viele ältere
»der nach älteren Ansichten entworfene, gewölbte Bauten sehr
heuer und bedürfen nach noch heute in Bauhandbüchern vor—
getragenen, zum Theil handgreiflich sinnwidrigen, unbestimmten
Lehren und Mustern sowohl starker Umfassungsmauern, als
iuch leider großer Kosten.
(NRordd. Baugewerks-Anzeiger)

hochbau oder Bhedbau bei Baumwollpirneneien.

An Hand von Grundceissen einer Spinnerei im Hochbau
uind einer solchen im Shedbau erläuterte Reg-Baumeister
Rudolf Herpann, Elberfeld, jüngst in einem Vortrage, über
velchen das „Bayr. Ind.-⸗ u. Gew.-Blatt“ berichtet, die Vor—
und Nachtheile der einen und der anderen Bauart.
Ehe er auf das spezielle Thema näher einging, erklärte er
»en Gaug der Verarbeitung der Baumwolle im Spinnerei—
Jebäude. Er erklärte, wie die Rohbaumwolle aus dem Baum—
vollmagazin in den „Mischraum“ kommt, daselbst durch den
„Ballenbrecher“ gelockert und aus 20—550 Ballen und mehr
ine „Mischung“ hergestellt wird, um eine größere Gleich—
näßigkeit der zu verarbeitenden Baumwolle zu erzielen. Wie
ie dann maschinell in den „Batteurraum gelangt, wo sie durch
»en „Exhaustopener“ in je2 „Batteuren“ gelockert, gereinigt
und zu Watten in Wickelform verarbeitet wird, sodaun zu den
„Karden“ kommt, welche ein vollständiges Auseinanderziehen
ind Parallellegen der Fasern bewirken und dieselben zu sogen.
Lunten“ (fingerdicken Bändern) vereinigen. Die Lunten kommen
hierauf auf die „Strecken“, welche ein mehrfaches Verziehen
inter gleichzeitigem Verdoppeln bewirken, um die Gleichmäßigkeit der
Lunten zu erhöbhen. Die Vorspinnmaschinen (Flyers) verarbeiten
zarnach die Lunten unter mehrfachem Verziehen und Verdoppelu
ꝛei gleichzeitiger gelinder Drehung zu immer dünner werdenden
zroben „Vorgespinnsten“, die zuletzt auf den „Feinspinn—
naschinen“, Selfaktor oder Ringdrossel, durch Verziehen bis zur
rforderlichen Feinheit und Drehen bis zur erforderlichen Festig—
eit zum Garne der gewünschten Nummer werden. Darnach
verden die Garne zu Strähnen (hanks, gehaspelt, gedämpft, um
das Aufdrehen zu verhindern, sortirt und mehrere Strähne zu
iner Docke und mehrere Docken zu einem Bündel vereinigt.
Der Vortragende erläuterte auch die verschiedenen Garn—
ummerirungen und erklärte das Verhältniß der Reinigungs—
und Vorspinnmaschinen zu den Feinspinnmaschinen.
Der rationelle Betrieb einer Spinnerei bedingt eine begueme
Aufeinanderfolge, ein Ineinandergreifen der einzelnen Fabri—
ationsprozesse und stellt deshalb auch an die Gebäude in dieser
NRichtung bestimmte Anforderungen. Unter Aufführung vieler

Beispiele aus englischen und deutschen Spinnereien wurden vom
Vortragenden nun folgende Grundbedingungen für die Anlage
iner Spinnerei aufgestellt: Eine Grundrißanordnung, die dem
Hange der Verarbeitung angepaßt ist und jeden unnüßen Trans—
port vermeidet; eine möglichst große Feuersicherheit, sowohl
zurch die Konstruktion des Gebäudes, als die Trennung ein—
elner Räume von einander, um etwaiges Feuer örtlich zu be—
chränken und damit die Feuerversicherungsprämie zu ermäßigen;:
ine gute Beleuchtung sowohl bei Tage wie am Abend: eine
sjute Isolirunug der Räume von der Außentemperatur, um die
bkühlung, welche sowohl nachtheiligen Einfluß auf einzelne
Theile der Maschinen, als auf das zu verarbeitende Material
Jat, zu verhindern; eine gute Lüftung, da eine solche die
Leistungsfähigkeit der Arbeiter steigert, und schließlich eine bei
eder Temperatur leicht gleichmäßig zu haltende Luftbefeuchtung,
a eine gewisse Feuchtigkeit der Baumwolle in bestimmten Ab—
chnitten der Verarbeitung zur Erzielung eines guten Garnes
iothwendig ist. Gegen diese unerläßlichen Bedingungen finden
iele Verstöße statt. Bei richtiger Anordnung lassen sie sich
iber sowohl im Hochbau wie im Shedbau erfüllen. Der
Zhedbau hat alle Arbeitsräume in gleicher Höhe, er soll nach
Ansicht einiger Spinner eine größere Uebersichtlichkeit gewähren,
edenfalls ist er in einfacher Konstruktion billiger, als der Hoch—
zau, und empfiehlt sich in erster Linie für kleinere Anlagen und
ür solche, die bald vergrößert werden sollen. Als Nachtheile
ind u. a. anzusehen die höheren Grunderwerbskosten, die theu—
eren Trausmissionen, die länger und infolgedessen schwerer und
ostspieliger werden, und bei billiger Konseruktion des Baues
ie rasche Abkühlung. Der Hochbau hat den Vortheil, daß
er gegen die Abkühlung durch die Außentemperatur sich leichter
chützen und die Heizung und die Lüftung, letztere verbunden
nit einer guten Luftbefeuchtung, sich besser anlegen läßt, daß
erner der Grunderwerb billiger ist und alles näher beisammen
iegt. Die Nachtheile des Hochbaues lassen sich durch Aufzüge,
»räktische Anordnung hoher, breiter Fenster u. s. w. leicht ver—
neiden. Eine etwaige Vergrößerung hat dabei allerdings mehr
Zchwierigkeiten wie bei Syeds. Als Grenze für den Shedbau
st die Änlage bis zu 30000 Spindeln anzunehmen; darüber
inaus ist der Hochbau unbedingt zu empfehlen und deshalb
udet man in England sozusagen ausschließlich Hochbauten.
zu Oldham, welches fast so viele Spindeln besitzt, wie ganz
Deutschland, findet man Spinnereien von 300 000 Spindeln
ind darüber, alle im Hochbau. Eine Spinnerei unter 150 000
Zpindeln nennt man dort schon klein, während in Deuischland
ine Spinnerei von 50 000 Spindeln noch als groß gilt. In
Züddeutschland überwiegt der Hochbau bei weitem. Dagegen
ind im Rheinland und in Westfalen auch viele Shedbauten
inzutreffen. Der Hochbau kostet bei prattischen Decken-Konstruk—
ionen ,60—5. M.pro cont umbauten Raumes, das macht
und 25230 M. pro 2u Arbeitsfläche. Der Shedban läßt
ich mit eisernen Säulen, im übrigen aber hölzerner Konstruktion
ind Pappdach schon für rund 185522 Ma herstellen. Ein
utes Shed in Eisenkonstruktion kostet rund 25 M., ein solches
nit Dachreitern, sowie Betondecke, Holzcement und doppelter
zerglasung rund 35-. M. In jedem einzelnen Falle sind also
ie Vortheile und Kosten abzuwägen. Als Heizung ist wegen
der Stauberzeugung Dampfheizung unter Benutzung patentge—
chweister Rohre zu empfehlen, und zwar verbunden mit Vor⸗
pärmung der Luft, die eine wirklich gute Luftbefeuchtung auf
onstant 750/0 erntoͤglicht, was die Zerstäuber nicht alle leisten.
Für die Beleuchtung ist elektrisches Licht mit Akkumnlatoren
ur Rothbeleuchiung angemessen. Bei Hochbauten mit gerader
Decke ist für den Spiunsaal und die Vorbereitung das neue
udirekte Bogenlicht zu empfehlen und läßt sich bei besonderen
Vorkehrungen auch in Sheds anwenden. Gegen Feuersgefahr
ind die selbstthätigen Brausen wenigstens in den gefährlichsten
Anumen wie dem Vatteurraum. vortheilhaft

Konkurrenzgeschüft und Vertragsltrafe.
Die Verabredungen in einem Vertrage, daß innerhalb eines
Hestimmten Bezirkes und innerhalb eiuer bestimmten Zeit ein
konkurrenzgeschäft nicht begründet, auch in einem solchen eine
geschäftliche Thätigkeit nicht entwickelt werden dürfe bei Ver—
neidung einer Konventionalstrafe, wird jetzt in ihrer Rechts⸗
ziltigkeit nicht weiter angezweifelt, während früher darin eine
heschränkung der Gewerbefreiheit gefunden wurde. Das Reichs⸗
Jericht, J. Eivilsenat, hat jetzt im Urtheil, vom 13. März d. J.
153914 1896) dahin entschieden. daßk nicht neben der Konven—
            
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