Full text: Architektonische Monatshefte. Vereinigt mit Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst, IX. Band (1903)

  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
Kronleuchter von Steinicker & Lohr in München, 
  
Krone. 
in München. Ausgeführt von J. Lasser 
für die Werkstätten für Wohnungs- 
einrichtung daselbst. 
1903 ARCHITEKTONISCHE MONATSHEFTE 
  
Stange mit ihren ver- 
schiedenen Ausbau- ‘ 
chungen und den von 
dieser abzweigenden \ 
Armen, statt des | 
schwülstigen Appa- 
rates von fratzen- | 
bedeckten Schnör- | 
keln und zwecklos 
gewordenen Tropf- SM 
schalen plötzlich / 
anmutige Phanta- / 
Ad 
Pan 
siegebilde einer 
andern Gedan- 
kenwelt:leichte ! 
Gehänge,Blü- 
tendolden mit unzähligen Flammensternen auf 
schwankenden Stielen, scheinbar frei in der Luft 
schwebende, aus bunten Gläsern zusammenge- / 
fügte und mit funkelnden Steinen besetzte / 
Reifen und Diademe, wundersame Ge- ALL 
bilde aller Art, deren übereinander ge- <A 
schürzte Reihen feiner, in tausend CE NS 
Farben schillernder Perlgehänge die «“ AS 
stärkere Lichtquelle verschleierten und \%,”7% 
doch das Licht überallhin strahlen und 
wirken liessen. Kein Zweifel, das war 
der Ausdruck für die Eigenart des elek- 
trischen Lichtes, das rechte Verhält- 
nis zwischen Lampe und Licht, zwi- 
schen Beleuchtungskörper und Raum! 
Wie Schuppen fiel es von den Augen! Und bei näherem Hin- 
sehen schienen uns die wundersamen Formen lang vergessene 
Erinnerungen auszulösen an die diamantenfunkelnde Märchen- 
welt: des Orients, an geheimnisvoll sagenumwobene Kleinode 
grauer Vorzeit! 
Welche Wandlung vollzog sich allmählich in der Beleuch- 
tung unsrer Wohn- und Festräume! Wo 
Kronleuchter. 
Ausgeführt von 
R. Kirsch 
in München. 
noch vor kurzem die aus der dunkelge- \ N 
bräunten Mittelrosette herabhängende \! 3 
schwere Petroleumkrone in protzigem \ 
Glanze drückende Hitze und Unbehagen E 
| 
verbreitete, schweben, an leichten Schnüren 
hier und da aus den anmutigen Gebilden 
einer zartgefärbten Stuckdecke sich ent- 
wickelnd, perlmutterglänzende Blüten oder 
strahlen in purpurnen Kelchen zauberhaft 
leuchtende Blumen. In den Ecken und 
Y an den Wänden erglänzen far- 
En bige Verglasungen und reich 
? facettierte Schalen. Aus den 
Blumen der Kapitäle, aus den 
Blüten- und Fruchtgewinden 
U der Figuren, aus den Rosetten 
4 der Deckenfelder leuchtet das 
| verteilte Licht uns entgegen. 
| Der gestirnte Himmel über- 
| spannt die andachtsvoll lau- 
| schende Menge in den grossen 
| 
  
  
Konzert- und Theatersälen. 
Das elektrische Licht hat 
die Bahn gebrochen und die 
andern sind ihm ge- 
folgt. Das Licht als 
solches ist in den 
Vordergrund getre- 
ten, tausendfältig 
und tausendfarbig, blendend und ein- 
schmeichelnd, tageshell und in sanfter 
Verschleierung, allen Stimmungen und 
Bedürfnissen gehorsam sich anpassend. 
Hier als strahlende Sonne im Mittel- 
    
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| 
Lampen von der 
Sächsischen 
  
Entworfen von K, Bertsch 
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punkt einer Kuppel, dort 
als Sternenkranz über dem 
mit silbernem Prunkge- 
räte bedeckten Spiegel- 
büffett, als zauberisch 
glühender Edelstein in der 
üppigen Pracht einer Palmen- 
gruppe oder als funkelnde Rie- 
senkrystalle in langen Reihen 
sich spiegelnd in den marmor- 
schimmernden Wänden eines 
Foyers. 
Und daneben nach wie 
vor die poesievollen Ge- 
bilde in den Formen alter 
Leuchter und Reifen- 
kronen, die nicht mehr 
streng  nachgebildet, 7; üster in ge- 
sondern immer freier *jebenem 
Messing. 
behandelt,im Gegen- 5 Avssenlam- 
satze zu je- Janıpen. 
nen und am rechten Orte erhöhte Wir- 
kung und neues Leben gewinnen. Wahr- 
lich es ist kein Wunder, wenn jetzt 
schon die Wahl schwer wird unter den 
in üppiger Fülle hervorquellenden For- 
men, welche in immer neuer wechsel- 
voller Gestalt den lebendigen Kern, 
das neue Licht zu umschliessen, es in 
würdiger Fassung dem sehend gewor- 
denen Auge darzubieten streben. Da- 
bei scheint die volle Entwicklung erst angebahnt zu sein und 
die Zukunft wird sicher bald mehr und noch Schöneres brin- 
gen, wenn die sich steigernden Fortschritte in der Erzeugung 
wirkungsvoller Gläser und farbiger Schmelzflüsse mehr noch 
  
Entworfen von 
H. E. von Ber- 
lepsch-Valendas 
in München. 
als bisher nutzbar gemacht werden. C. Zetzsche. 
WO 
( To 
Von den Ausstellungen des Jahres 
1903. 
Die Architekturabteilung der Glas- 
alast-Ausstellung in München. 
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z Ss igentlich ist’s etwas kühn, das stille Win- 
o kelchen, in das sich die Architektur heuer 
NP in der Ausstel- \ 
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lungdesMünch- 
WM 
  
    
   
ner Glaspalastes geflüch- 
tet hat, mit dem vollklin- 
genden Titel »Architek- 
turabteilung« zu be- 
zeichnen. Ein einziges klei- 
nes Zimmerchen (Nr. 26) 
enthält die zur Ausstel- 
lung gekommenen Ent- 
würfe für Bauten, und 
dabei hat man noch zu 
einem Kunstgriff seine 
Zuflucht nehmen müssen, 
damit der Raum im Ver- 
hältnis zu den übrigen 
nicht gar so armselig und 
kahl und leer aussieht: 
man hat noch verstreut 
einige plastische Kleinig- 
keiten aufgestellt und ver- 
schiedene Skizzen nach 
Interieurs und Details 
   
    
    
Von Wilhelm & 
Lind in München. 
  
  
Bronzewaren- 
jabrlk in Wurzen, Krainer Dorfkirchen (von 
Johannes Kronfuss, Mün- 
chen) aufgehängt. Letz- 
tere Arbeiten zählen aber 
füglich zu den Bildern. Nach Abzug dieser nur 
dekorativen Zwecken dienenden Objekte befin- 
den sich ganze 17 Entwürfe und 5 kleine Mo- 
delle in der »Architekturabteilung«; dagegen 
stehen 2130 Nummern (ohne die Kopieen). des 
Gemäldekatalogs ! 
  
Lampen von der Sächsischen 
Bronzewarenfabrik in Wurzen. 
  
  
  
 
	        

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