Full text: Einladungs-Schrift der K. Polytechnischen Schule in Stuttgart zu der Feier des Geburtsfestes Seiner Majestät des Königs Wilhelm von Württemberg auf den 27. September 1854 (1854)

  
  
    
  
  
  
  
  
Beispiel. 
Blechhalken. 
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in vielen Fällen wesentlich verbessert, und, ohne in unpraktische Complicationen der Ausführung zu 
gerathen, namhafte Ersparnisse an Material erzielt werden. 
Als Beispiel diene das Versuchsmodell, Tafel I. Fig. 1— 6. Denkt man zunüchst die eine Schiene 
der obern Flantsche weggelassen, *) und die noch übrigen Schienen der beiden Flantschen in den äussersten 
beiden Fünftheilen der Balkenlünge auf die Hülfte ihrer Dicke reducirt, so würe an den Flantschen circa 
35%, ihrer ursprünglichen Masse erspart, ohne dass ihre Tragfähigkeit im Ganzen vermindert wäre. 
Denkt man ferner in den vier letzten Feldern an jedem Balkenende die Breite der gespannten Stübe auf 
2‘ (also im Grossen von 2,5'^ auf 4') gebracht, und die Verbindungsnieten mit den Winkeln entsprechend 
verstürkt (im Grossen etwa auf 1/^, so hätte man, wie eine sehr einfache Rechnung ergibt, die Maschen 
des Gitters der ganzen Länge des Balkens nach doppelt so weit halten, folglich die Hälfte der Stäbe 
sparen können, ohne auch dadurch der Festigkeit des Ganzen Eintrag zu thun. Ferner ging aus den 
Versuchen hervor und könnte auch theoretisch nachgewiesen werden, dass das Gitter bedeutend weniger 
trug, als die Flantschen; man hätte also wieder für dieselbe Tragfähigkeit des ganzen Balkens die Flantschen 
entsprechend, nämlich um mindestens weitere 25%, ihres bereits reducirten Querschnittes, schwächen 
kónnen. Die Ersparniss an den Flantschen würde dadurch auf 459/, und die am ganzen Balken auf gegen 
407/, erhóht worden seyn. Um ungefähr ebenso viel hätte man, mit Beibehaltung des ursprünglichen 
Aufwandes an Material, die Tragfähigkeit vermehren können. 
Man sieht hieraus, wie man, ohne an der bisher üblichen Anordnun g etwas zu ändern, blos 
durch Wahl zweckmässiger Dimensionen, die Gitterconstructionen verbessern könnte. Allein das ganze 
Princip ist mangelhaft, indem ein grosser Theil der Verbandstücke — die gepressten Gitterstäbe — fast 
gar nicht, oder doch viel weniger in Anspruch genommen sind, als andere. Es kann sich nun fragen, 
ob hier nicht auf irgend eine Art. zu helfen sey, etwa dadurch, dass man die gepressten Stäbe aus 
Winkeleisen herstellte, und ihnen so einen stabileren Querschnitt gübe? — 'Theoretisch würe diess vielleicht 
richtig, aber praktisch gewiss nicht, denn man würde durch Vermehrung der Arbeit, welche bei Gitter- 
brücken ohnediess schon theuer genug ist, mehr verlieren, als am Material ersparen. Es scheint sonach, 
wenn man wesentlich Besseres leisten will, geboten, die Gitterconstructionen ganz zu verlassen und etwa 
den Blechbalken den Vorzug zu geben. Dass diese in constructiver Beziehung besser sind, ist sowohl 
theoretisch, als experimentell nachgewiesen. Einen Beleg dazu liefern auch die jüngst an unserer 
Schule vorgenommenen Versuche mit einem Blechbalkenmodelle, welches von dem auf Tafel I. darge- 
aus 
einem Stücke bestehende Blechwand ersetzt war. Die Blechfelder irugen bei ganz derselben Belastungs- 
stellten Gitterbalken sich eben nur dadurch unterschied, dass das Gitter durch eine gleich schwere, 
weise durchschnittlich mehr als die entsprechenden Gitterfelder, einzelne sogar das Doppelte. Die untere 
  
betrachteten Feldes, welche zur Bestimmung von M und 1 angenommen werden musste, 
Rechnung heraus. — Auf analoge Weise kónnte man ganz leicht auch eine noch 
der Stibe anwendbare) Regeln finden. 
fällt später aus der 
allgemeinere (auf beliebige Winkel 
*) Im Grossen ist, wie oben erwähnt, diese Flantsche von Gusseisen, und schwächer. 
  
 
	        

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