Volltext: Jahres-Bericht der Königl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Schuljahr 1864/65 (1864)

  
  
  
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Stellungen eingenommen, so hört die Rückdrehung der Spindeln auf, die dritte Periode, das Abschlagen der 
Fàden, hat ihr Ende erreicht, und es erfolgt nun das die vierte Periode bildende Einfahren des Wagens, d. h. 
die Zurückführung desselben gegen das Streckwerk bis in seine Anfangsstellung unter gleichzeitiger Aufwindung 
des in den beiden ersten Perioden vollendeten Feingarnes auf die Spindeln. Die Bewegung des Wagens ist Anfangs 
eine beschleunigte, später eine verzögerte, während die Spindeln in derselben Richtung rotiren wie beim Ausfahren 
und Nachdrehen, aber mit geringerer und zwar veränderlicher Geschwindigkeit. Der Aufwinder a ist während 
dieser ganzen Periode in ununterbrochener Bewegung um die einzelnen Fadenwindungen in entsprechender Weise 
aufzulegen, wührend der Gegenwinder g nur so viel seine Stellung áündert, wie es zur Erhaltung der nóthigen 
Spannung erforderlich ist. Wenn der Wagen wieder am Streckwerk angekommen ist, so kehren Auf- und Gegen- 
winder in ihre Anfangsstellung zurück, wobei der Aufwinder oberhalb der Füden sich befindet, ohne dieselben zu 
berühren, der Gegenwinder unter den Füden liegt, ebenfalls ohne Berührung, und das eben betrachtete Spiel mit 
seinen vier Perioden beginnt sofort aufs Neue in gleicher Weise. Diese vier zusammengehórenden Bewegungs- 
perioden nennt man einen Auszug. Während jeden Auszuges wird auf die Spindel eine neue Fadenschicht auf- 
gelegt, und durch die Aufeinanderfolge vieler solcher Schichten bildet sich ein cylindrischer mit kegelförmigen Enden 
versehener Garnkörper, welcher den Namen Kötzer oder Cop führt. 
Zur bessern Uebersicht geben wir noch folgende Zusammenstellung. der Zustände, in welchen sich die ein- 
zelnen Theile der Maschine während der auf einander folgenden Bewegungsperioden befinden. 
Erste Periode. 
Das Ausfahren des Wagens. 
1. Die Streckwalzen drehen sich gleichförmig, nehmen Vorgarn auf, verziehen dasselbe bis zur geforderten 
Feinheit und liefern es in diesem Zustande an die Spindeln ab. 
2. Der Wagen geht mit gleichförmiger Bewegung vorwärts, d. h. von links nach rechts, und führt die nach 
den Spitzen der Spindeln geleiteten Fäden in derselben Richtung fort. 
3. Die Spindeln drehen sich stets mit gleicher Geschwindigkeit und ertheilen den ausgespannten Fäden eine 
gewisse durch Auszugslänge, Auszugszeit und Spindelgeschwindigkeit bedingte Anzahl von Drehungen. 
Der Aufwinder im Ruhezustand oberhalb der Fäden, ohne sie zu berühren. 
5. Der Gegenwinder im Ruhezustand unterhalb der Fäden, ohne sie zu berühren. 
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Zweite Periode. 
Das Nachdrehen der Fäden. 
Das Streckwerk steht still. 
2. Der Wagen steht still. 
3. Die Spindeln drehen sich ununterbrochen fort, in derselben Richtung und mit derselben Geschwindigkeit, 
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wie wührend der ersten Periode. 
4. Der Aufwinder unbeweglich in der frühern Stellung. 
5. Der Gegenwinder unbeweglich in der frühern Stellung. 
Dritte Periode. 
Das Abschlagen der Fäden. 
1. Das Streckwerk steht still. 
2. Der Wagen steht still. 
3. Die Spindeln drehen sich in entgegengesetzter Richtung, als während der beiden frühern Perioden; sie 
wickeln eine geringe Garnmenge ab und bewirken dadurch das Schlaffwerden der bisher angespannten Fäden. 
4. Der Aufwinder senkt sich und führt die Füden an diejenige Stelle des Kótzers, wo das Aufwinden be- 
ginnen soll. 
b. Der Gegenwinder hebt sich und spannt die Fäden. 
 
	        

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