Full text: Jahres-Bericht der Königl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Studienjahr 1867/68 (1867)

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I. die Fachschule für Architektur 
folgende Aufgabe: 
Ein reicher Privatmann, welcher Liebhaber der Landwirthschaft ist, verlangt den Entwurf zu einer 
Meierei, in welcher er zugleich mit seiner Familie eine für seine Verháltnisse eingerichtete angenehme 
geräumige Wohnung findet.‘ Die Lage des Bauplatzes ist an einem nicht zu steilen Abhange in einer milden 
malerischen Gegend. Die Stellung der Gebäude wird dem Architekten überlassen und nur bemerkt, dass 
das Wohngebäude des Besitzers als das bedeutendste eine hervoragende Stellung einnehmen muss, um von 
hier aus die übrigen Gebäude übersehen und zugleich die reizende Aussicht geniessen zu können. Dasselbe 
enthalte die nöthigen Wohnräume für die Familie, Wohnzimmer für Herr und Frau, Salon, Billardzimmer, 
Speisezimmer, Bibliothek, Kinderspielzimmer, Blumenzimmer, Schlafzimmer für Herr.und Frau, Toilette-, 
Badkabinet, 2—3 Zimmer für erwachsene Kinder, mehrere Gastzimmer, Gelasse für die Dienstboten, sowie 
die nôthigen Wirthschaftsräumlichkeiten; auch ist durch Veranda, Terrassen etc. auf einen angenehmen Zu- 
sammenhang mit dem zunächst liegenden Garten Bedacht zu nehmen. An Räumen für die Landwirthschaft 
sind ‚erforderlich: 
1) Stallung für 40 Stück Rindvieh sammt Zubehor; 
2) > » 4 Ackerpferde ; 
3) » » 2 Wagenpferde und 1 Reitpferd; 
4) ^ » 300 Stück Schaafe; 
5) Wagenschuppen für 3 Wagen, Pflige und Eggen; 
6) Remise für 2 Chaisen, 1 Schlitten; . 
7) eine Seheune zu Unterbringung von 10,000 Garben mit Tenne und Baren ; 
8) Wohnung für einen verheiratheten Gutsverwalter mit 4—5 Gelassen sammt Zubehör. Allgemeine 
Gesindestabe mit Küche, Speiskammer etc., Kammern für 4 Knechte und 2 Mügde; 
9) Stallungen für Federvieh, Taubenhaus, 6—8 Schweinställe. 
10) Ein grosser Keller, der für die Aufbewahrung von Feldfrüchten dienen soll. 
11) Waschküche mit Bügelzimmer und Mange, Backofen, Holzlegen. 
12) Die Dachráume sind zu Frucht- und Futterbüden einzurichten. 
Ausdrücklich wird verlangt, dass, obschon das Herrschaftshaus abgesondert von den Wirthschaftsge- 
báuden errichtet werden soll, dasselbe dennoch in bequemer Commmunikation mit denselben, wenigstens mit 
den Stallungen stehen soll (etwa mit Laubgángen etc.); besonders wünscht man dieses für die Milchkammer, 
deren Besorgung eine Liebhaberei für die Haustrau ist. 
Das Ganze, schön arrondirt, steht inmitten des Guts mit bequemer Zufabrt, und es schliessen sich 
die Obst- und Gemüsegürten, Weinberge ete. unmittelbar daran an, beim Herrschaftshaus noch überdiess 
ein parkartig angelegter Garten mit Belvedere ünd kleinem Gewächshaus. 
VA 
1385 
Sämmtliche Gebäude sind massiv in Stein in entsprechendem Charakter auszuführen. 
Man verlangt: 
1) Situationsplan der ganzen Anlage mit eingezeichneten- Grundrissen in '/,, natürlicher Grosse, 
nebst Quer- und Làngenprofilen; 
2) die Grund- und Aufrisse und je einen Durchschnitt der Wirthschaftsgebäude in '/,, natür- 
licher Grösse; 
IT e 
27 12191 
3) Aufrisse und Durchschnitt durch das Herrschaftshaus in '/,, natürlicher Grosse. 
mn ACT 04 
Der Lösung des Programms ist eine Begleitschrift beizufügen.
	        

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