Full text: Jahres-Bericht der Königl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Studienjahr 1867/68 (1867)

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Es kamen drei Lösungen dieser Aufgabe ein, welche in nachstehender Weise beurtheilt wurden: 
Bei Betrachtung der drei Lösungen fällt zunächst die Aehnlichkeit der drei Grundrissanlagen auf; 
allerdings ergab sich diess zunächst aus den genau angegebenen Bedingungen des Programms, wodurch die 
Anzahl, Grüsse und gegenseitige Stellung der Gebáude in der Hauptsache bedingt waren; aber immerhin 
sind auch innerhalb der Grenzen, welche für eine freiere Bewegung, gelassen wurden, grosse Aehnlichkeiten 
vorhanden, die um so auffallender erscheinen, als sich prinzipielle Missstünde in allen drei Projekten gleich- 
zeitig eingeschlichen haben. 
Hieher gehürt zunächst hauptsächlich die concentrirte Anlage des Grundrisses für das Herrschaftshaus, 
welche bei allen dreien die Anordnung eines Oberlichts für Beleuchtung des Vestibules und der nüchst- 
liegenden Theile zur Folge hatte; eine Anordnung, die in städtischen Gebäuden geeigneter erscheinen dürfte, 
wo gegebene Verhältnisse, eingeschlossene Lage etc. dieselbe bedingen können; was aber in vorliegendem 
Falle, wo volle Freiheit in der räumlichen Ausdehnung lag, durchaus nicht zutrifft. Ein Oberlicht hat immer 
seine Uebélstánde, sowohl in Beziehung auf Construktion, als in Rücksicht der Behellung, und besonders in 
den vorliegenden drei Projekten, wo durch rings herum laufende breite, von Säulen und Bögen getragenen 
Gallerien das Licht für das Erdgeschooss gebrochen wird. 
Ein mehr in die Länge gezogener Grundriss hätte Gelegenheit gegeben, diesen Uebelstand zu ver- 
meiden, und dazu noch den weitern Vortheil einer schönern, sich mehr, entfaltenden Hauptfagade und die 
bessere Benützung der Südseite für mehr Lokalitàten geboten, wie überhaupt auch die strenge Orientirung 
nach Süd und Nord nicht zweckmässig erscheint. 
Hieraus gieng ein weiterer gemeinschaftlicher Uebelstand hervor: die mangelhafte Einrichtung des 
Souterrainraumes, die gar nicht gehórig ausgenützt und durchweg, besonders was die Küche sammt Zubehür 
betrifft, schlecht beleuchtet ist. Die Küche hätte überhaupt viel eher im Erdgeschooss angelegt , oder für 
die Hausfrau wenigstens eine bequemere Verbindung, anstatt einer engen und dunkeln Dienerschaftstreppe, 
hergestellt werden sollen. 
Betreffend die Beurtheilung der einzelnen Projekte, so wäre in Beziehung auf das Projekt I: „Lebe 
um zu lernen und lerne um zu leben* Folgendes zu bemerken : 
Die Grundrissanlagen sind im Ganzen klar und zweckmüssig. Die Communikation der Wirthschafts- 
gebäude mit dem Herrschaftshause ist besonders lobenswerth angelegt. Dagegen ist an der Vertheilung der- 
selben und ihrer Construction im Einzelnen Manches auszusetzen. 
' ' Beim Grundriss der Villa sind die vier um das Atrium gelegenen Degagements dunkel und geradezu 
unnóthig; sie erfordern die Anbringung von Glasthüren. die für die Zimmer selbst immer etwas Unwohn- 
liches haben. Die Zimmer selbst sind zu wenig erhellt. 
Lob&nswerth ist die Anlage der Treppe mit Podesten. Dadurch, dass der Verfasser neben dem Salon 
ein Wohnzimmer, und darüber ein Zimmer der Frau gelegt hat, ist er den Anforderungen des Familien- 
lebens und der Reprüsentation gerecht geworden. . 
: Das Dienerschaftszimmer ist übermássig gross. Die Höhe des obern Geschoosses steht im richtigen 
Verhültniss zum untern. 
Däs Terrassement der Südseite ist schón und lobenswerth angelegt. Der wirklich gut angelegte 
bedeckte Gang verbindet die Stallungen und die Milehkammer mit dem Wohnhause in anerkennenswerther 
W eise. 
'Yür den Souterrain ist aüsser den im Eingang berührten Mängeln noch der anzuführen, dass das dort 
befindliche Badcabinet in gar keiner Verbindung mit dem Gebäude steht. 
Das Aeussere der Villa ist in reinen schönen Formen und guten Verhältnissen, ohne Ueberschwäng- 
lichkeiten durchgeführt. Die Horizontalen sind etwas zu reichlich; es wäre besser gewesen, die Erker auf
	        

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