Full text: Jahres-Bericht der Königl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Studienjahr 1867/68 (1867)

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den Ecken zu erhöhen, um Belvedere’s zu erhalten , die den Genuss der Aussicht und eine Uebersicht -über 
das Gut selbst gewährt hätten; das Rundliche und Stumpfe im Aufriss würe dann vermieden worden. 
Zu tadeln sind. dje zopfartigen Caryatiden der Südfagade und dessgleichen Verzierungen der Pilaster 
daselbst; sie passen nicht in die gewühlte Architektur. 
Sehr anerkennenswerth ist die fleissige und gewandte Darstellungsweise der süámmtlichen Zeichnungen, 
besonders was das Hauptgebüude und das Lüngenprofil betrifft. 
Beim Projekt II mit dem Motto: ,Ich habe lange genug gelebt, um ausgelernt zu haben, doch bin 
ich vom Ziel noch weit entfernt“ ist die Hauptdisposition dieselbe; in Betreff der Scheunen ist zu be- 
merken, dass dieselben besser gegenüber dem Hauptgebäude stehen würden; etwas mehr Symmetrie in 
Stellung der Wirthschaftsgebäude und bessere‘ Verbindung mit dem Hauptgebäude wäre zu wünschen 
gewesen. 
Ausserdem sind eine Anzahl von Mängeln in der Disposition und Orientirung zu bemerken, insbesondere 
sollte die Milehkammer, wie das Programm ausdrücklich verlangt, besser ausgestattet sein. 
Der Grundriss des Herrschafthauses ist abgesehen von obigen Hauptmüngeln im Ganzen schon und sinnig 
angelegt. Salon, Billard und Zimmer der Frau werden. aber auch hier:zu dunkel sein. Die Ausgänge aus 
Bibliothek und Zimmer der Frau sind unnóthig. Die kleinen Treppenthüren sind bei der sonst ganz regel- 
müssigen Anlage im Aeussern etwas störend. : 
Das obere Geschoss ist entschieden zu hoch und die Fenster daselbst zu klein. 
Die Souterrainanlage làsst zu wünschen übrig. 
Die überffüssig hohen Mansard'schen Dücher mit den Attiken über den Hauptgesimsen machen die 
Rinnenanordnung, wie sie in der Begleitschrift detaillirt angegeben, schwierig und für die Gebäudeunter- 
haltung gefihrlich. Auch ist durch diese Anordnung der Aufbau etwas schwer gerathen. 
Dagegen verráth das Aeussere der Villa sowohl, als das der Nebengebiude ein fleissiges Studium, 
feines Gefühl für schöne Verhältnisse, gewandte Behandlung der Formen ung geübte Darstellung. 
Projekt III mit dem Motto: ,Probiren geht über's Studiren* zeigt bei gleicher Hauptanlage mit den 
beiden vorigen Projekten eine zweckmüássigere Anlage der Scheune. 
Sehr zu loben ist die Anlage des Kuhstallpgebáudes und der Milehkammer. Dagegen ist die Commu- 
nikation mit dem Herrschaftshause eine mangelhafte und unklaré. 
Für den Grundriss des Herrschaftsgebäudes gilt besonders das im Eingange "Gesagte. Ferner ist das 
Vestibule im Innern (41' lang und 25' breit) entschieden zu gross, die Zimmer erscheinen als um dasselbe 
herum gebaut. Die Treppe mit 36 Stufen ohne Ruhbank ist unzweckmássig. Die Beleuchtung des grossen 
Vestibules durch zwei Oeffnungen in der Decke ist mangelhaft. Das grosse- Vestibule steht im direkten 
Widerspruch mit den kleinen Wendeltreppchen, die nach unten und oben” fiihren, und die blos dann ange- 
ordnet werden sollten, wenn absolut sonst kein Platz vorhanden. Es muss diese Anordnung daher ent- 
schieden als eine unglückliche bezeichnet werden. Ebenso sind die Erker in den Ecken zu klein und kaum 
zugänglich. Das Blumenzimmer neben deni Speisezimmer ist ebenfalls zu klein und beengt und im Ver- 
háültniss zu hoch. Das Wohnzimmer der Frau sollte im Erdgeschooss liegen; es ist zu gross ‘und zum 
Möbliren ganz ungeschickt eingerichtet. Das Letztere gilt. auch für den Salon. Das Gastzimmer darüber 
scheint nur der Gipfelung der Façade zu lieb gemacht zu sein. 
Die Anlage des Daches, wie sie aus der in dem Text eingezeichneten Skizze zu erkennen, kann des 
schwierigen Wasserablaufs halber, der in den Zeichnungen nirgends angedeutet ist, ebenfalls nicht als eine 
glückliche bezeichnet werden.
	        

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