Full text: Jahres-Bericht der Kgl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Studienjahr 1870-1871 (1870)

  
  
In der Fachschule für chemische Technik und in der für Mathematik und Naturwissen- 
schaften sind. noch keine Prüfungsstatute festgestellt und werden nächsten Herbst auch noch 
keine Diplomprüfungen stattfinden. 
Die Fachschulkollegien haben sich nach Vorschrift der §§. 15 und 17 der Ministerial- 
verfügung vom 18. Juli 1870 gebildet und ist das Nähere über ihre Zusammensetzung während 
des Schuljahrs 1870/71 hienach aus der Uebersicht. über den »Personalbestand der Beamten und 
Lehrer» zu entnehmen. 
In der ersten mathematischen Klasse ist der »Religionsunterricht« aus der Reihe der 
Lehrgegenstànde gestrichen und dagegen in der zweiten Klasse eine Vorlesung über »Philoso- 
phische Propüdeutik« eingerichtet worden. Die »praktische Geometrie«, Vortrag und Uebungen, 
wurde aus der zweiten mathematischen Klasse in die technische Abtheilung verlegt. 
Der unerwartete Ausbruch des Krieges mit Frankreich entvülkerte im Juli 1870 rasch 
die Hôrsäle und es musste das Sommersemester 1870 schon am 26. Juli geschlossen werden, 
auch'die übliche Ausstellung von Arbeiten der Studirenden und Schüler unterbleiben. 
Angeregt durch eine Eingabe des Polytechniker-Ausschusses hat die Schule mit dem 
Stiftungsrath Stuttgart den folgenden Vertrag über die Verpflegung erkrankter Polytech- 
niker im hiesigen Katharinenhospital abgeschlossen: 
S. 1. 
Die Schüler und die Studirenden des Königlichen Polytechnikums in Stuttgart, mit Ausschluss der 
Hospitirenden, werden in Erkrankungsfällen jeder Art, welche der ärztlichen oder chirurgischen Pflege bedürfen, 
in das Katharinenhospital aufgenommen und erhalten in demselben während der Krankheitsdauer ärztliche Be- 
handlung und volle Verpflegung. 
Bei der Aufnahme haben sie sich gegenüber dem Vorstand der Anstalt durch die von der Königlichen 
Direction ausgestellte Legitimationskarte auszuweisen. 
82. 
Jeder aufgenommene Kranke erhält ein besonderes Krankenzimmer. Bei mangelndem Platze oder auf 
ihren ausdrücklichen Wunsch dürfen zwei Patienten in einem hiefür genügenden Raum bietenden Zimmer unter- 
gebracht werden. 
Wären in Folge eines ausserordentlichen Krankenstandes zeitweise alle Einzelnzimmer belegt, so ist die 
Hospital- Verwaltung berechtigt, die erkrankten Studirenden in den allgemeinen Krankensälen unterzubringen, in 
welch letzterem Falle eine Ermässigung des in $. 3. festgesetzten Kostgeldes um 48 kr. täglich eintritt. Die 
Rechtsansprüche der Stiftungsbehörde gegenüber der Katharinenhospitalverwaltung auf die Aufnahme der hie- 
sigen Stadtarmen, der Polizei auf die Zuweisung von Kranken in Nothfällen und der Angehörigen der Krank- 
heitskostenversicherungskasse der Gewerbegehülfen und Dienstboten gehen denen der Schüler und Studirenden 
des K. Polytechnikums vor, wenn einmal der Fall eintreten sollte, dass die Spitalräumlichkeiten nur für die Er- 
krankten der erstgenannten 3 Klassen von Aufnahmeberechtigten zureichen. 
  
  
  
  
  
 
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.