Full text: Jahres-Bericht der Königl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Studienjahr 1875-1876 (1875)

  
  
  
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ihr der ebenfalls ringfôrmige Foyer. Die Räume für den Hof befinden sich im Rückbau zu- 
nächst der linkseitigen Anfahrt. Die Treppen für die Fahrenden schliessen sich unmittelbar 
innerhalbs hinter den Anfahrten an, diejenigen für die Fussgünger führen in den cylindrischen 
Mantel zwischen Vorhalle beziehungsweise Foyer und Logengang auf die Hóhen der verschie- 
denen Ränge. 
Wenn auch der Zweck des Vestibules bei dieser Anlage gut erreicht wird, ist diess 
bei dem Foyer weniger der Fall, da die sich in den Zwischenakten darin Ergehenden die Un- 
annehmlichkeit der beständigen Aenderung ihrer Richtung empfinden. 
Das Amphitheater ist dadurch, dass es bis zu der Rückwand des Foyers ausgedehnt ist, 
fast zu gross ausgefallen und entstehen zunächst dem Proscenium beträchtliche, wenig zu Sitzen 
geeignete Ecken. Die Höhe, die dem Amphitheater gegeben wurde, trägt auch dazu bei, dass 
die über der Scenenöffnung sichtbar bleibende Mauermasse zu viel Schwergewicht behält, trotz 
der geschickten Auflösung durch die darüber hinweggeführte Bogenstellung. 
Die Räume für den Bühnenbedarf gruppiren sich im Hufeisen zweckmässig um den 
Scenenraum, doch sollten die Ankleidezimmer eine nach aussen freiere Lage haben und die 
Kleidermagazine nicht überall zerstreut sein. 
Die Vorderfacade ist gut gegliedert, das Erdgeschoss dürfte jedoch höher gehalten sein, 
einigermassen stört darin auch die Schwere der Postamente für die Figurengruppen, durch welche 
die den Rundbau trennenden Nischenpfeiler ihren obern Abschluss erhalten haben. 
Da das Gebäude auf einem freien Platze gedacht ist, heben die für die Unterfahrten 
angeordneten Vorbauten die Einheit der sonst symmetrisch angeordneten und gut getheilten 
Seitenfacaden auf; das hochaufstrebende, in derben Formen gehaltene Bühnenhaus wirkt dabei 
lastend auf der sonstigen feingegliederten Architektur; die Einzelformen sind jedoch sonst wohl 
überdacht, die Darstellung eine gewandte, wenn auch an einigen Stellen flüchtige. 
Ist die Begleitschrift kurz ausgefallen, so zeigt doch die Arbeit selbst die Vertrautheit 
mit den einschligigen Publikationen und ein sehr bewusstes Schaffen. Die im vorerwähnten 
gemachten Ausstellungen abgerechnet, ist die Grundauffassung eine gelungene und muss diese 
Lösung des Programms als eine bedeutende Leistung bezeichnet werden, die des Preises würdig ist, 
Dieser Arbeit wurde der ausgesetzte Preis zuerkannt. 
Verfasser derselben ist Alexander Uhl von Buda-Pest, seit Herbst 1872 ausserordent- 
licher Studirender der Architekturfachschule. 
Die zweite Arbeit hat das Motto: Formel hält uns nicht gebunden, unsere 
Kunst ist frei. 
Diese Lösung gibt dem Bau die Grundform eines gestreckten Rechtecks von 72 Meter 
Länge auf 42 Meter Breite und es überdeckt die bebaute Grundfläche fast genau den gleichen 
Raum wie in dem andern Entwurf. Die Grundrisse zeigen eine gut durchgearbeitete Anord- 
  
 
	        

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