Full text : Jahres-Bericht des Königlichen Polytechnikums zu Stuttgart für das Studienjahr 1879-1880 (1879)

 

Oeffentliche Handlungen.

In der Woche vom 20. bis 25. Oktober 1879 begieng die Anstalt die Doppelfeier ihres
50jührigen Bestandes und der Einweihung ihres neuen Flügelanbaus.
Am 26. Oktober 1829. zunächst in organischer Verbindung mit der Realschule, eröffnet,
im Herbst 1832 als »Gewerbeschule« selbstständig gestellt, im Jahre 1840 zur »polytechnischen Schule«
erklärt. im Jahre 1862 neu organisirt und in Beziehung auf ihre »technische Abtheilung« einer
Akademie gleichgestellt, im Jahre 1876 durch Abtrennung der vorbereitenden Klassen zur reinen »technischen
 Hochschule« erhoben, hat die Anstalt im Herbst 1879. ihr erstes halbes Jahrhundert vollendet.
Mit diesem Ereigniss traf die Fertigstellung und der Bezug des im Jahre 1875 unter Leitung des
Oberbauraths v, 'Tritsehler begonnenen Flügelanbaus an das Schulgebäude zusammen. Das zur
Feier dieser Ereignisse veranstaltete Fest wurde mit Rücksicht auf die Ungunst der Zeitverhültnisse
nur als ein internes im Kreise der jetzigen und früheren Angehórigen der Anstalt begangen; die
Einladungen zur Theilnahme an der Feier beschränkten sich daher auf die Mitglieder des Kóniglichen
 Hauses, die Vertreter der Regierung, der Stünde, der zu dem Polytechnikum in Beziehung
stehenden Staatsbehórden, der dem K. Ministerium des Kirchen- und Schulwesens unmittelbar untergeordneten.
 Lehranstalten (Universität, land- und forstwirthschaftliche Akademie, Kunstschule, Thierarzneischule,
 Baugewerkeschule), der Vorschulen des Polytechnikums (Realgymnasium , Realanstalt,
Gymnasium) und der Stadt Stuttgart. Von allen diesen Seiten, insbesondere auch Seitens der
früheren Schüler der Anstalt, fand eine höchst zahlreiche Betheiligung an den Festlichkeiten statt,
welche am 23. Oktober, Vormittags 11 Uhr, durch einen Festakt in der Aula des Polytechnikums
eingeleitet wurden. Auf die Rede des Direktors folgte eine solche des Staatsministers für das Kirchenund
 Schulwesen, die Begrüssung der Anstalt durch die Vertreter ihrer inländischen Schwesteranstalten,
die Uebergabe einer Stipendienstiftung (s. hienach) und der Festschriften, welche der Anstalt Seitens
früherer Zoglinge (Hauck in Berlin, Kielmeyer in Bohmisch-Leipa, Decker in Cannstatt) auf diesen
Tae cowidmet worden waren. Nachmittags 2 Uhr fand im grossen Saal der Liederhalle ein Festmahl
statt. zu welchem etwa 500 Theilnehmer sich eingefunden hatten. Am Abend des folgenden Tages
gaben die Lehrer des Polytechnikums einen Festball in den reich dekorirten Räumen des Königsbaus,
welche von Sr. Majestät dem Könige zu diesem Zwecke huldvollst überlassen worden waren; wohl
4— 5000 Personen erschienen auf dem Balle. Der dritte Festtag war durch die Veranstaltungen der
Studirenden ausgefüllt; Abends 6 Uhr bewegte sich vom Polytechnikum aus ein imposanter Fackelzug

nach dem Residenzschlosse und von da durch die Hauptstrassen der Stadt nach dem Friedrichsplatze.

 
            
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