Full text: Jahres-Bericht des Königlichen Polytechnikums zu Stuttgart für das Studienjahr 1885-86 (1885)

  
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2) die Zeichnungen der Turbinen und Pumpen, sowie der wesentlichen Details in dem zur gründ- 
lichen und erschöpfenden Durcharbeitung erforderlichen Massstabe; 
3) eine eingehende und, soweit als möglich, immer auf Ziffern sich stützende Begründung der Arbeit.“ 
Eine Bearbeitung ist nicht eingegangen. 
IV. Aufgabe der chemisch-technischen Fachschule, 
„In neuerer Zeit wird kaustische Magnesia und basisch kohlensaure Magnesia als Reinigungsmittel von 
Wasser empfohlen. 
Die Preisaufgabe soll nun darin bestehen, dureh analytische Belege festzustellen, wie obige Substanzen auf 
die wässerige Lösung von Kohlensäure und von den gewóhnlieh im tellurischen Wasser vorkommenden festen Körpern 
einwirken.“ 
Es gieng unter dem Motto „Avogadro“ eine Bearbeitung ein, welche folgendermassen be- 
urteilt wurde : 
„Der Verfasser hat, der Aufgabe entsprechend, die Einwirkung der kaustischen Magnesia, beziehungsweise 
der magnesia usta und der basisch kohlensauren Magnesia, sowie auch die des Magnesits auf Lösungen von Kohlen- 
säure in Wasser, von kohlensaurem Kalk in Kohlensäure enthaltendem Wasser, von schwefelsaurem Kalk, von Chlor- 
magnesium, Chlorcalcium und von Mischungen der Lösungen von kohlensaurem Kalk und schwefelsaurem Kalk, 
von schwefelsaurem Kalk und Chlormagnesium durch Versuche zu studieren gesucht. Leider aber ist in dem vor- 
liegenden Text oft sehr kurz über diese Versuche berichtet, die auch nicht so weit ausgedehnt worden sind, als es 
im Sinne der Aufgabe gelegen gewesen wäre. 
Es ist auch auffallend, dass der Verfasser nicht darauf hinweist, welche Versuche in ähnlicher Richtung 
von Anderen, z. B. von Mitscherlich, Findeisen, Günsberg, Fischer u. s. w. angestellt worden sind, um zu zeigen, 
welche neuen Versuche anzustellen gewesen sind und um die eigenen Resultate, soweit dies möglich gewesen wäre, 
mit denen anderer Analytiker zu vergleichen. 
Abgesehen von diesen Mängeln im allgemeinen enthält die Arbeit Unvollstándigkeiten im einzelnen, die 
manche Frage offen lassen. 
Vergleicht man z. B. die auf Seite 15 angeführten Resultate mit denen auf Seite 14, so drángt sich die 
Frage auf, wie es kommt, dass, wenn sowohl zu den Versuchen mit basisch kohlensaurer Magnesia, wie auch zu 
denen mit Magnesit mit Kohlensäure gesättigtes Wasser angewendet worden ist, bei den Versuchen mit Magnesit 
sich eine viel kleinere Menge von Kohlensäure im Ganzen in der Lösung fand, als bei den Versuchen mit basisch 
kohlensaurer Magnesia. 
Wohin ist die Kohlensäure gekommen? Eine Absorption von Kohlensäure durch die im Überschuss an- 
gewendete Magnesiumverbindung würe'doch bei der basisch kohlensauren Magnesia viel eher: denkbar als beim 
Magnesit, wührend nach den erhaltenen Resultaten gerade das Umgekehrte stattgefunden haben muss. Es würe zu 
wünschen gewesen, dass der Verfasser auf eine Erklärung dieser eigentümlichen Erscheinung näher eingegangen wäre. 
Nach den Resultaten auf Seite 32 wird durch magnesia usta Kalk aus einer verdünnten Chlorcalciumlösung 
ausgefällt; als was hat sich derselbe aus der Lösung abgeschieden? Kaum ist anzunehmen, dass er als Calcium- 
hydroxyd in den Niederschlag ging, da 1000 Teile Wasser bei mittlerer Temperatur über 1 Teil Caleiumoxyd zu 
lósen im Stande sind. 
Zu wünschen wáre ferner gewesen, dass die analytischen Belege für die Ausscheidung des Kalks aus den 
gemischten Lösungen und nicht nur das Endresultat angegeben worden wären. 
Auch hätte der Verfasser angeben sollen, welche Gründe ihn bestimmten, die Einwirkung der kaustischen 
und kohlensauren Magnesia auf die Chlormagnesiumlösung in die Versuche hereinzuziehen, da es doch den Anschein 
haben kann, als ob es selbstverständlich sei, dass eine Einwirkung nicht stattfinde, wie dies auch thatsächlich die 
Versuche gezeigt haben. 
Namentlich ist zu bedauern, dass die Versuche nicht auch bei höheren Temperaturen vorgenommen worden 
sind; auch wäre die Einwirkung von Alkalisalzen auf die Löslichkeitsverhältnisse von Interesse gewesen. 
Wenn nun auch die Untersuchung keine neuen Thatsachen von grösserer Bedeutung zu Tage förderte, so 
ist doch der Fleiss, mit welchem die Arbeit durchgeführt worden ist, anzuerkennen.“ 
 
	        

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