Full text: Jahres-Bericht der Königlich Technischen Hochschule zu Stuttgart für das Studienjahr 1890/91 (1890)

  
  
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schnitt, bei welchem allerdings die etwas erhöht aufzubauenden Sitzreihen der Festgäste und die ebenfalls etwas 
erhöht zu stellende Rednertribüne in der Zeichnung hätten angegeben werden sollen. 
Auch der untere Teil der Festtreppe hätte besser die Form einer eigentlichen inneren Etagentreppe erhalten, 
als die einer Freitreppe, wie sie sich in dieser Form ohnehin so oft im Entwurfe wiederholt. 
In Anbetracht der dem gestellten Programm entsprechenden und befriedigenden Losung der Aufgabe 
sowohl in Hinsicht auf die vollständig zweckmässige Grundrisseinteilung, als auch in Beziehung auf die wohlgelungene 
künstlerische Ausstattung, die beide ein erfolgreiches Studium der Architektur bekunden, in Anbetracht namentlich 
auch der mit recht lobenswertem Fleisse bewerkstelligten Durchführung des Entwurfs wird für die Arbeit mit dem 
Kennwort „Furchtlos und treu“ der Preis beantragt.“ 
Dementsprechend wurde denn auch der Arbeit der Preis zuerkannt. 
Ihr Verfasser ist Friedrich Sander aus Frankfurt a. M., seit Ostern 1889 ausserordent- 
licher Studierender der Architekturfachschule. 
2. Entwurf mit dem Kennwort: ,,Bramante*, 
Dieser Entwurf ist dargestellt in: 
2 Grundrissen, 
2 Ansichten, 
2 Durchschnitten. 
1 Blatt Detail, 
l , Perspektive. 
  
zusammen 8 Blatt nebst Erläuterungsbericht. 
Die Grundrissform dieses Entwurfs ist ein geschlossenes Rechteck von 104 m Länge und 39 m Tiefe und 
einem mittleren Ausbau auf der Rückseite von 34 m Länge und 19 m Breite. Je auf den Stirnseiten dieser Recht- 
ecke sind Nebeneingéinge. Der Haupteingang befindet sich aber vorn in der Mitte unter der Säulenhalle und führt 
zunächst in die grosse Vorhalle und von da seitwärts in die Gänge und gerade aus in das Vestibule oder die Zentral- 
halle mit Oberlicht, ferner zu den ganz gut angeordneten beiden dreiarmigen Haupttreppen, sowie in gerader Rich- 
tung noch weiter rückwärts in eine zweite, freilich etwas dunkle Halle. 
Die Anlage ist im übrigen ebenfalls eine durchgängig einbündige und erhalten die Gänge ihr Licht von 
zwei seitlich von der Mitte aus gelegenen oben offenen Lichthöfen von 17,5 m Länge und 10 m Breite. Die Kom- 
munikation ist somit nach allen Räumen hin eine vollständige und ganz bequeme, und lässt in dieser Beziehung 
nichts zu wünschen übrig. Aber nichtsdestoweniger zeigt diese Anordnung doch verschiedene Mängel, die ihren 
Ursprung eben in dem gewählten Grundrissmotiv haben. ; n ; 
Die geringe Breite des Mittelbaues genügte zwar für die Anordnung einer hinreichend grossen Vorhalle 
und dem darüber befindlichen Senatssaale, nicht aber für das Vestibule, wie es der Verfasser nennt, oder besser ge- 
sagt die Zentralhalle, den Mittelpunkt des Ganzen, in welchem sich das studentische Leben und Treiben sammelt 
und von hier aus geht. Dieselbe ist zwar rings umgeben von Gängen und dahinter ist noch eine Halle, aber die 
vielen dicken Pfeiler sind ein Hindernis für den freien Verkehr; ein grosser freier Raum wäre praktischer und viel 
pibus hat sich der Verfasser durch die Verlegung der Aula in den nach der Tiefe gerichteten, rückwärts 
liegenden Flügel das wirkungsvollste Fassadenmotiv zum grossen Nachteil derselben entschlüpfen lassen. ; 
2 Ferner entspringt hieraus die sehr ungeschickte und eigentlich nicht recht verständliche Anlage der 4 Prüfungs- 
zimmer, die nur sekundäres Licht erhalten und ringsum von Gängen umgeben sind, in welchen stets ein die in der 
Prüfung Sitzenden gewisss sehr stórender Lürm und Verkehr stattfindet. Es wäre entschieden vorzuziehen gewesen, 
statt zweier seitlicher Gänge in diesen hintern Flügel einen breiten Mittelgang anzuordnen, eine Art Gallerie, und 
die Prüfungszimmer rechts und links davon an die Aussenwand zu verlegen, Dass zufolge hievon die Freipfeiler 
in der Aula oberhalb und damit die grosse Zuhörergallerie längs derselben wegfallen würden, wäre der Aula ja nur 
ne omi i i iehende hochgelegene Gallerie passt doch mehr für einen wesentlich 
zu gute gekommen, denn eine so grosse ringsum ziehen e hochg San wo EL 
breiter angelegten Fest- und Tanzsaal, als für eine Aula. Eine entsprechend of e fi i Im R ries aum s 
der Aula doch meist nicht zahlreichen unbeteiligt Anwesenden angeordnete Gallerie auf der Rückseite des Saals 
und gegenüber der Rednertribüne hätte ja vollkommen hingereicht. ; 
  
 
	        

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