Full text: Jahres-Bericht der Königlich Technischen Hochschule zu Stuttgart für das Studienjahr 1890/91 (1890)

  
  
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so erheblich von der erwarteten Dimethylbernsteinsáure ab, dass man auch hier einen andern Verlauf der Reaktion 
anzunehmen genötigt ist. 
Besonders Lob verdient die unermüdliche Geduld, mit welcher der Verfasser seine Versuche wochen- und 
monatelang bei den verschiedensten Bedingungen durchführte und trotz den fortgesetzt fehlgeschlagenen Erwartungen 
immer wieder neue Versuchsreihen in Angriff nahm. 
Die Ursache des Misslingens aller dieser Experimente liegt ausschliesslich in der ungemeinen Veränderlich- 
keit des Ausgangsmaterials, des Isobutylens, welche sich nicht nur in der viel rascheren Zersetzung seines Bromids, 
sondern namentlich auch noch in der leichten Polymerisierung des Kohlenwasserstoffs selbst äussert. 
Der Verfasser hat daher die bei dieser Polymerisierung entstehenden Produkte einem genaueren Studium 
unterworfen und sich dadurch allerdings von dem Wortlaut der gestellten Prüfungsaufgabe entfernt, andererseits aber 
hiebei so wertvolle neue Resultate erhalten, und dadurch zu zeigen vermocht, dass er wohl im stande ist, wenn das 
Verhalten des Materials es einigermassen gestattet, neue Thatsachen aufzufinden und aus denselben richtige 
Schlüsse zu ziehen. 
Ausser dem schon bekannten Di- und Triisobutylen wurde von ihm neu das Tetraisobutylen erhalten, und 
für die beiden ersteren neue Wege zu ihrer Darstellung aufgefunden. Die chemische Struktur dieser Verbindungen 
wurde dureh die Untersuchung der Oxydationsprodukte festgestellt und damit auch ein weiterer Fingerzeig für die 
Erklärung des Verlaufs der Polymerisation gewonnen. Die bei der Oxydation des Triisobutylens mit chromsaurem 
Kali und Schwefelsäure entstehende interessante Diisobutylmethylessigsáure wurde niher untersucht und durch ihr 
exceptionelles Verhalten bei der Einwirkung des Broms ihre Natur als tertiàre Carbonsüure noch sicherer festgestellt. 
Auch die aus dem Tetraisobutylen entstehende Sáure wurde von ihm nàher untersucht, desgleichen eine Reihe da- 
neben entstehender Ketone. 
Die vorgelegte Arbeit enthält somit trotz den vielen Fehlversuchen so viele neue und verüffentlichungs- 
werte Resultate, dass Referent auch für diese Arbeit einen Preis beantragt.* Hell. 
Diesem Antrag entsprechend wurde der Arbeit ebenfalls ein Preis zuerkannt. 
Ihr Verfasser is Eduard Baier aus Ulm, von Herbst 1887/90 ausserordentlicher Stu- 
dierender der chemisch-technischen Fachschule. 
V. Die mathematisch -naturwissenschaftliche Fachschule 
hatte folgende Aufgabe gestellt: 
,Bei den Wurzeln ist die Teilungsfolge im Kork-Cambium, sowie die Borkenbildung viel weniger genau 
bekannt, als in den Stammsprossen. Es werden vergleichende Untersuchungen und eine übersichtliche Darstellung 
dieser Vorgänge an den Stämmen und den Wurzeln der gleichen Pflanzen verlangt. Dazu müssen Dauer-Präparate 
in hinreichender Anzahl als Beweisstücke eingeliefert werden.“ 
Die Aufgabe blieb unbearbeitet. 
VI. Aufgabe der allgemein bildenden Fachschule. 
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„Charakteristik Anselm Feuerbachs und seine Stellung innerhalb der modernen Kunst. 
Unter dem Kennwort: : 
,Esperance* 
ging eine Bearbeitung dieser Aufgabe ein, die folgende Beurteilung fand: 
,Die Aufgabe wurde gestellt, weil sie auch für eine ungeübtere Kraft siete Na deeem dio Sen 
Aufzeichnungen des Künstlers, der sich nicht bloss nach Licht und Schatten selber trefflich charakterisiert, sondern 
Auch gegenüber den Hauptrichtungen und führenden Meistern der Malerei seiner Zeit angreifend und abwehrend 
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sel dpunkt vertritt. : i : : 
sem ii Verfasser von ,Esperance“ hat sich, wie seine Schrift zeigt, in Feuerbachs Werke mit Fleiss und 
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sichtbarem Interesse hineingearbeitet. Leider aber hat er die Selbstbiographie Feuerbachs nicht selbstündig genug 
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