Full text: Jahres-Bericht der Königlichen Technischen Hochschule zu Stuttgart für das Studienjahr 1895/96 (1895)

  
  
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Die Gesamtanordnung der Anlage, Verteilung der Wasserkraft auf drei Turbinen, Verbindung derselben 
durch eine unter dem Fabrikboden liegende Haupttransmissionswelle, Verbindung der Dampfmaschine mit letzterer 
durch Seiltrieb mit hohler Welle, sowie die Anordnung der beiden Kupplungen ist vollstàndig gelungen und es ist 
nur zu loben, dass der Verfasser sich gute Anlagen ähnlicher Art, woran es im Lande nicht fehlt, zum Vorbild 
genommen hat. . 
Mit grossem Fleisse sind die Turbinen durchgearbeitet und die wichtigeren Einzelheiten derselben in natür- 
licher Grösse richtig dargestellt. Es sind ganz zweckmüssig zwei sogenannte Grenzturbinen und eine doppelkränzige 
Hochwasserturbine gewählt; letztere ist durch Klappen regulierbar. Der Regulierungsring für den Innenkranz ist 
„in geschützter Lage“ unter dem Leitraddeckel angebracht, aber eben deshalb schwer zugänglich. Doch hat dies bei 
der Hochwasserturbine, die meist mit voller Beaufschlagung arbeiten wird, weniger zu sagen. Für die beiden Grenz- 
turbinen ist Schieberregulierung angenommen und sollen alle Schieber gleichzeitig durch ein indirekt wirkendes 
Centrifugalpendel ohne Stellhemmung und ohne Vorkehr gegen Überschreitung der Endstellungen bethätigt werden. 
Der Verfasser erwartet von dieser ungewöhnlichen und für den Effekt ungünstigen Konstruktion eine besonders leichte 
Beweglichkeit und sehr gleichförmigen Gang. Solange überschüssige Wasserkraft vorhanden, ist diese Wirkung nicht 
ausgeschlossen, bei knappem Wasser aber sind gegenteilige Wirkungen zu befürchten und das Zusammenarbeiten mit 
der Dampfmaschine ist bei der Regulierung ganz ausser acht gelassen. 
Auf die Bearbeitung der Einzelheiten der Transmission konnte der Verfasser, wohl aus Mangel an Zeit, 
nicht dieselbe eingehende Sorgfalt verwenden, wie bei den Turbinen. Zu loben ist die Lagerung der Turbinenwelle 
in der Ebene des Zahneingriffs. Das Ausrücken der einzelnen Turbinen durch Senken der grossen konischen Räder 
wäre schwierig, auch wenn die hiezu vorgesehenen Schrauben die erforderliche Länge hätten. Leichter liessen sich 
die Getriebe auf der horizontalen Welle zum Verschieben einrichten. Eine der beiden Hauptkupplungen ist als 
Reibungskupplung angenommen; die Detailbearbeitung derselben hätte wohl darauf geführt, für die Übertragung 
von 300 Pferd auf diese Konstruktion zu verzichten. Die Konstruktion der grossen Seilscheiben ist, auch abgesehen 
von der Unklarheit der Zeichnung, bedenklich. 
Ist somit in den Einzelheiten Manches zu bemängeln und die Aufgabe bezüglich der Regulierung ungenügend 
gelöst, so ist doch für die gute Gesamtanordnung und für die ausserordentlich fleissige, im ganzen richtige Durch- 
arbeitung der in der Aufgabe als Hauptsache hervorgehobenen Turbinenanlage dem Verfasser eine öffentliche Belo- 
bung zuzuerkennen. 
Eine solche wurde denn auch der Arbeit zuerkannt; ihr Verfasser ist Robert Fischer von 
Stuttgart, seit Ostern 1892 ausserordentlicher Studierender der Maschineningenieurabteilung. 
Ill. Die Abteilung für allgemein bildende Fächer 
hatte ihre Aufgabe von 1894 wiederholt: 
Was hat Schillers „Braut von Messina“ mit der sogenannten Schicksalstragódie zu thun? 
Es sind diesmal zwei Bearbeitungen eingegangen, welche in der nachstehenden Weise be- 
urteilt wurden: 
1. Arbeit mit dem Kennwort: Helvetia. 
Der Verfasser làsst keinen ausgesprochen wissenschaftlichen Apparat zu Tage treten, giebt mehr Ansichten 
und Urteile als Untersuchungen und hält das Ganze mehr in der Form eines kurzen Aufsatzes. 
Sachlich giebt die Arbeit eine in der Hauptsache richtige Antwort auf die gestellte Frage; aber die zu 
dieser Antwort führenden Untersuchungen, soweit sie überhaupt angestellt werden, gehen nicht eben in die Tiefe 
und bringen im einzelnen manches Schiefe und Unrichtige. Die Gegenüberstellung der modernen und der antiken 
Weltauffassung geht etwas obenhin, die Auffassung des Tragischen und der tragischen Schuld schleppt allerlei land- 
läufige Irrtümer. mit; die ungefähr ein Dritteil der ganzen Arbeit beanspruchende Erzählung der Handlung in der 
„Braut von Messina“ lässt viel zu wenig die springenden Punkte des Dramatischen und Tragischen aus dem Gang 
der äusseren Handlung hervortreten; die Behandlung der deutschen Schicksalstragödie beschränkt sich allzusehr auf 
  
 
	        

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