Full text: Jahres-Bericht der Königlichen Technischen Hochschule in Stuttgart für das Studienjahr 1899/1900 (1899)

  
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in der bei letzterem möglichen Luftumspülung der einzelnen Gebäudeteile besteht, ist damit nicht 
vorhanden. 
Der grosse geschlossene Hof ist zu verwerfen, die Orientierung ist im übrigen richtig, auch das 
Leichenhaus ist gut angelegt. 
Bei Anordnung der Verkehrsräume fehlt zunächst vollständig eine bedeckte Unterfahrt, 
welche als unbedingte Notwendigkeit bei einem Krankenhause anzusehen ist. 
Der Betsaal ist zu gross, der Operationssaal dürfte in seiner Beleuchtung nicht ganz günstig 
sein. Letzterer liegt auf halber Etagenhöhe, ist nur durch eine unbeleuchtete, gänzlich unzureichende 
Treppe zugänglich, das Vorzimmer dazu ist überhaupt nur durch den Fahrstuhl erreichbar, wenn man 
nicht durch den Operationssaal selbst hindurchgehen will. 
In den Flügelbauten (Pavillons) sind die Tagesräume nur durch Ueberschreiten der Korridore 
resp. Treppenhäuser zu erreichen, was unzulänglich sein dürfte. Die genannten Räume sind in ihrer 
Anlage verfehlt. 
Die sämtlichen Räume im Mitteltrakt des Hauptbaues sind mit 9 resp. 10 m viel zu tief an- 
gelegt, die Beleuchtung, z. B. in dem Warte- resp. Aufnahmezimmer viel zu gering für die Tiefe, der 
Portierraum hat unnatürlich viel Grundfläche, kurzum der Mittelbau ist, vielleicht der Architektur oder 
des Betsaals wegen in seiner Tiefe viel zu gross bemessen. 
Auch die Krankenräume sind in ihren Abmessungen zu tief, nur die Flügelbauten stehen im 
richtigen Verhältnis, die Orientierung ist richtig. 
Die Zentralheizung ist in 2 Teile zerlegt, was nicht gerade als unstatthaft bezeichnet werden 
kann, dagegen ist die Küche von den Vorrats- und Getränkekellern vollständig getrennt und dürfte in 
ihrer Beleuchtung unzulänglich sein. 
Die Architektur ist eine ganz tüchtige Leistung, in schlichten, einfachen Frührenaissance- 
formen gehalten und entspricht hier vollständig dem ernsten, würdigen Charakter eines Krankenhauses. Die 
Herstellung der Facadenflächen in Haustein und Putz ist als eine sehr zweckmässige und schöne zu 
bezeichnen, ; 
Die Ausstattung des Betsaales in ihrer einfachen Formengebung ist vollkommen zweckentsprechend. 
Die Anlage des Leichenhauses ist eine gute, 
4. Arbeit mit dem Kennwort: Mens sana in corpore sano. 
Die Gesamtanlage ist richtig orientiert, jedoch den Bestimmungen des Programms nicht ganz 
entsprechend, indem die verlangten Pavillonbauten als Flügelbauten fest an das Hauptgebäude ange- 
schlossen sind. 
Das Leichenhaus sowie eine Wasch- und Desinfektionsanstalt sind separat angenommen und 
gut gelegt, so dass sie dem Gesicht der Kranken entzogen sind. 
Die Orientierung des Hauptgebäudes nach den Himmelsrichtungen ist richtig. 
Die Anordnung der vorderen Halle ist als sehr geschickt zu bezeichnen, Pförtner-, Warte- und 
Aufnahmezimmer sind gut angeordnet, ebenso die Lage des Fahrstuhles. 
Der Korridor im Hauptgebäude ist durch zweiseitige Bebauung auf seine weitaus grösste 
Länge zu einem leider dunkel zu bezeichnenden Mittelkorridor herabgeschraubt. Dies ist bei Kranken- 
häusern nicht zulässig. 
Die Anordnung der Nebentreppen ist sehr geschickt und lassen sich die Seitenflügel gut 
abschliessen. 
Die Haupttreppe ist in etwas sehr opulenter Weise gedacht. Der Operationssaal dürfte etwas 
zu klein angelegt sein, wührend der Betsaal etwas zu reichlich bemessen ist. Die Raumtiefen sind sehr 
massvoll gehalten. 
Die Krankenrüume sind in ihrer Lage mit Süd- resp. Ost- und Westlieht richtig verteilt. 
Die zu den Seitenflügeln gehörigen Nebenräume sind günstig gelegt und dürften an sich den Anforde- 
rungen genügen. 
Die Anordnung der Tagesriume für die Kranken ist in geschickter Weise am Nordende der 
Fliigelbauten in Verbindung mit den Krankenräumen geschehen, während im Hauptbau zwei nach Süden 
liegende Loggien als Aufenthaltsort für Genesende dienen. 
  
  
  
  
  
 
	        

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