Full text: Jahresbericht der Königlichen Technischen Hochschule in Stuttgart für das Studienjahr 1900/1901 (1900)

  
1 
A 
| 
ze 83 hh 
einfacherer Holzintarsia wie in A. An den Schmalwänden bemalte Stukkatur 
goldung. Uber Raum C die Loge fiir die Musikanten. 
und Ver- 
Im Raum C (Nebensaal 10 m lang, 7 m breit, Höhe 5 m, darüber Musikantenloge.) Mit gerader 
| Decke in dunklem Holz, die Wände mit Stoff bespannt über einem 2 m hohen Getáfel 
vom gleichen Material wie die Decke. Fussboden in einfachem Parquet. An der Schmal- 
wand ein grosser Prachtkamin. 
Es werden verlangt: Alle Blätter farbig und zwar: 
1. ein Entwurf der Fussböden im Massstab 
: 1:50 
2. , grosser Längenschnitt a—b im Massstab 1:25 
9. „ Querschnitt c—d im Massstab 1: 
4. » e—f mit der Kaminwand . ASSI aM HIS er 
sie » g—h mit der Wand des grossen Saals nach A gesehen 1: 
  
6. eine Perspektive des Festsaals B. 
Die Aufgabe hat 3 Bearbeitungen gefunden, über die nachstehende Gutachten abgegeben 
  
1. Arbeit mit dem Kennwort: Rheingold, 
Die Gesamthaltung der Arbeit ist die des Modernen und der Charakter des Ganzen, mit mittelalterlichen 
ängen aufgebaut, hat am meisten von den eingesandten Arbeiten Deutsches an sich. Aus dem Entwurf spricht, 
Modernem, der Geist der Originalität in der Form, begleitet von einem glücklichen Farbensinn, Die Konstruktion 
ist fest betont und eine klare architektonische Gliederung aller Räume durchgeführt. Durch Anordnung von Kojen 
im Fest- und Nebensaal ist ein eigenartiger poetischer Reiz erzielt, den keine der andern Arbeiten aufweist. 
Festsaal B. Festlich und heiter tritt der grosse Saal in die Erscheinung. Die gross und einfach ge- 
  
haliene Raumform ist mit reizenden Motiven in Fenstern und Thüren geschmückt, die, wie auch die Decke, von ge- 
- Kenntnis des Materials und des Zwecks zeugen. Ganz gut sind sodann in langen Linien die Glühlampen an- 
bracht, die, den organischen Linien der Architektur folgend, auch abends eine Betonung der struktiven Teile 
| hervorbringen dürften. 
An den Schmalwänden des Hauptsaales begegnen uns etwas viel geschweifte Linien, die im Interesse einer 
  
ruhigen Haltung teilweise besser fortgeblieben wären, wie z. B. die Linie über dem Durchgangsbogen unter der 
Musikantenloge, oder die viel zu phantastischen Schwingungen der andern Wand. Auch dürften die flankierenden 
| Pieuren an beiden Schmalwünden zu klein ausgefallen sein. Im ganzen betrachtet macht die Wand mit dem fast 
überreichen Portal in farbiger Hinsicht einen guten Eindruck, Rot, Weiss und viel Gold geben einen passenden 
  
rd. 
Der Nebensaal C, in ockergelb, grün und violett gehalten, zeigt eine glückliche Erfindungsgabe und sind 
| hier in intimerer Weise als am Hauptschnitt die modernen Formen zum Ausdruck gekommen, Dieser Schnitt scheint 
das Beste der ganzen Arbeit zu sein und ist alles Lobes wert. Besonders sind es auch die Beleuchtungskörper, die 
eine meisterhafte Behandlung zu diesem Raum erfahren haben. 
Die Rotunde A, in zwei Schnitten dargestellt, enthält ebenfalls Bemerkenswertes. Obgleich etwas unruhig, 
besonders im Hauptschnitt, entbehrt der Kuppelsaal doch nicht eigener künstlerischer Gestaltungs 
  
kraft, die sich im 
prächtigen Sterngewölbe der Decke, wie in den schönen Fenster- und Thürlósungen aussprieht. Die Anordnung der 
Bilder mit den vielen horizontalen Versetzungen hàtte ruhiger behandelt werden sollen. 
Die Fussbóden sind materialgemüss durchgebildet und auch hier hat Verfasser es verstanden, auf eigenen 
Bahnen zu wandeln. Besonders ist es der mit vielem Fleiss behandelte Fussboden der Rotunde, der friseh und an- 
sprechend wirkt. 
Die Perspektive lässt den Reichtum der Phantasie, der in allen Blättern enthalten ist, nicht so recht 
zur Geltung kommen, ist aber sonst tüchtig behandelt. 
Im ganzen: eine höchst verdienstvolle Arbeit, die von grossem selbständigem Talente zeugt und eines 
Preises würdig ist 
  
  
 
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.