Full text: Bericht der Königlichen Technischen Hochschule in Stuttgart für das Studienjahr 1903/1904 (1903)

  
  
  
  
  
  
  
  
  
2-00) 
4. Entwurf mit dem Kennwort: Trallallala . . .! 
Die Gesamtanordnung ist nicht zweckmäßig; die Diensträume und Wartesüle sind nicht gehörig getrennt. Der 
Gepäckraum sowie der Raum für die Post sollten am Bahnsteig liegen, wenn auch von der Vorhalle direkt zugänglich. 
Der Raum für Fahrkarten sollte heller sein. Der Ausgang vom Wartsaal IIL Klasse zum Bahnsteig ist ungeniigend. 
Es ist im Grund- und Aufriß zu viel Rücksicht auf Symmetrie genommen, Das Äußere entspricht wenig dem Charakter 
eines Eisenbahnstationsgebäudes: flache Terrassen zu beiden Seiten und in der Mitte ein hohes steiles Walmdach 
hinter Zinnengesimsen. Die fleißige und saubere Darstellung der Fassaden und Grundrisse verdient Anerkennung ; 
etwas befremdlich ist die Perspektive. 
5. Entwurf mit dem Kennwort: Einsteigen, hóchste Zeit! 
Der Grundrif ist im allgemeinen recht zweckmäßig, mit Ausnahme der engen unbequemen Wendeltreppe zum 
Obergeschof. Der Gepäckraum sollte besser am Bahnsteig liegen und von den andern Dienstrüumen nicht getrennt sein ; 
es ließe sich dann auch der Wartsaal I. Klasse in bessere Verbindung mit der Eintrittshalle bringen, nicht über den 
zugigen Korridor hinweg. Die Gruppierung des Áuferen ist lobenswert, ebenso das Bestreben, in den Schnitten die 
Konstruktion nachzuweisen, doch sollten die Innenräume architektonisch mehr ausgebildet sein. Die Darstellung des 
Ganzen ist noch etwas ängstlich und ungewandt. 
6. Entwurf mit dem Kennwort: Ilseli. 
Die Gesamtanlage im GrundriB zu ebener Erde ist recht gut, ausgenommen der Raum fiir Post und Telegraph, 
welcher direkten Zugang von der Eintrittshalle haben sollte, und die nur 2,2 m im Durchmesser weite Wendeltreppe 
zur Beamtenwohnung im Obergeschoß mit dem dort eingebauten Klosett ohne genügend Licht und Luft, Konstruktiv 
bedenklich ist, daß die massiven Wände des Obergeschosses, welche hauptsächlich das hohe Dach zu tragen haben, 
ins Hohle zu stehen kommen; im Grundriß und Schnitt ist auch keinerlei Andeutung zu erkennen, wie diesem Übelstand 
begegnet werden könnte. Der Charakter der Architektur mit einheitlich steilen Dächern und mäßigem Schmuck ist 
vortrefflich und die Darstellung recht befriedigend. Die Perspektive allein möchte im Maßstab größer und in Zeich- 
nung und Farbe etwas klarer sein. Das viele Gute dieses Projekts überwiegt so sehr, daß dasselbe des Preises 
würdig erachtet werden dürfte, 
7. Entwurf mit dem Kennwort: Wir sind jung, das ist schön! 
Die Räume im Erdgeschoß gruppieren sieh um eine lange, in der Mitte ausgebauchte Halle, welche sámtlichen 
Räumen, mit Ausnahme des Wartsaals I. Klasse bequemen Zugang schafft. Der letztere ist interessant gestaltet, 
elliptisch, mit entsprechender offener Sáulenvorhalle, doch im Flicheninhalt bei nur 4,6 m großer Achse der Ellipse 
viel zu klein, anderseits der Symmetrie des Ganzen zu lieb der Raum für Fahrkarten und Gepäck zu groß, ebenso 
die Wohnung im Obergeschoß, welche sich über das ganze Untergeschoß erstreckt. Die Freitreppe vor dem Wartsaal 
I. Klasse ist in der gezeichneten Weise fehlerhaft. Am Äußern erscheinen seltsame, in der Konstruktion nicht be- 
gründete Dach- und Fensterformen; der Anschluß des Dachreiters an das Kegeldach ist falsch gezeichnet, die zur 
dekorativen Bereicherung der Perspektive eingezeichnete Terrasse mit Balustrade ist hier nicht zweckmäßig. Der 
Charakter der Architektur ist einheitlich, wirkungsvoll, vielleicht zu monumental, mehr ein Fürstenschloß als ein 
Eisenbahnstationsgebiude markierend, die Darstellung in Federmanier ist sehr gewandt. Die künstlerischen Schón- 
heiten des Projekts werden durch grobe architektonische und technische Fehler so sehr beeinträchtigt, daß der tüchtigen 
Arbeit nur eine Belobung zugesprochen werden kann. 
Gemäß den Anträgen des Referenten und der Abteilung wurden zuerkannt: 
der Preis der Arbeit 6; ihr Verfasser ist Alfred Hartmann von St. Jmier. Schweiz, 
von Herbst 1900/Ostern 1902 und im Wintersemester 1902/03 außerordentlicher 
Studierender der Architektur; 
eine öffentliche Belobung der Arbeit 7; ihr Verfasser ist Hans Pfander von Bern, 
von Herbst 1899/Ostern 1901 und von Herbst 1901/Ostern 1903 ordentlicher 
Studierender der Architektur.
	        

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