Full text: Bericht der Königlichen Technischen Hochschule in Stuttgart für das Studienjahr 1903/1904 (1903)

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IV. Die Abteilung für Chemie einschliessl. des Hüttenwesens und der Pharmazie 
hatte folgende Aufgabe gestellt: 
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Während durch W. v. Branco’s grundlegende Untersuchungen die vulkanischen Bildungen der Alb nach ihrer 
igenartigen geologischen Erscheinungsform als Ausfüllungsmassen vulkanischer Durchsehlagsróhren erkannt, ausführlich 
  
beschrieben und auch nach ihrer generellen Bedeutung für die vulkanischen Vorgänge auf der Erde erschôpfend ge- 
würdigt worden sind, ist unsere Kenntnis dieser vulkanischen Ausfüllungsmassen mit Bezug auf ihre stoffliche Zu- 
sammensetzung und Struktur bislang noch lückenhaft geblieben. 
Es wird daher die Aufgabe gestellt, durch eine‘ systematische chemische und petrographische Untersuchung 
einer größeren Anzahl durch Aufschlüsse zugänglicher Tuffmassen der Alb diese Lücke auszufüllen und, wenn möglich, 
im Anschluß hieran auch das eigentümliche Verhalten dieser Tuffbildungen in. bodenkundlicher Hinsicht zu erörtern. 
Die Aufgabe hat 2 Lösungen gefunden. Die erste Arbeit mit dem Motto: „Vulkanismus“ 
beschäftigt sich mit den Basalten und Tuffen des engeren Albgebietes, die zweite unter dem Kenn- 
zeichen: À (Schlegel und Eisen) mit den vulkanischen Erscheinungen des Ries, dieses von den Natur- 
forschern viel umworbenen Grenzgebietes zwischen Württemberg und Bayern, am nordöstlichen Ende 
der Alb. Beide Arbeiten sind nach der Fassung der Preisaufgabe konkurrenzfähig und ergänzen einander. 
1. Arbeit mit dem Kennwort: Vulkanismus. 
Nachdem durch W. Braneo's Untersuchungen über die vulkanischen Bildungen der Alb festgestellt war, daß 
diese nach ihrer geologischen Erscheinungsform höchst eigenartigen, vulkanischen Produkte ebenso absonderlichen 
bislang wenigstens für absonderlich gehaltenen Vorgängen ihre Entstehung zu verdanken haben und als Durch- 
gsrohren heftigster vulkanischer Explosionen zu deuten sind, die sich nachträglich mit kompaktem und lockerem 
  
    
vulkanischen Material anfüllten, erschien es dringend nótig, dies interessante Material auch an sich, nach seiner stoff- 
lichen und strukturellen Beschaffenheit mit Hilfe der neuesten Untersuchungsmethoden genau kennen zu lernen, Ein 
nderes Gewicht war auf die chemische Seite der Untersuchung zu legen, weil unsere, in dieser Hinsicht besonders 
  
  
enhafte Kenntnis dieser Bildungen eine volle Auswertung der Branco'schen Resultate verhinderte. Die vorliegende 
\rbeit hat den in die Aufgabe gelegten Intentionen voll entsprochen und die in diese Untersuchungen gesetzten Hoff- 
nungen in mehrfacher Hinsicht übertroffen. Sie enthält eine Fülle neuer Tatsachen, erklärt auch die bislang rátsel- 
fte Struktur des Melilith, dieses Charakterminerales der Albbasalte, in befriedigender Weise als eine hydatogene 
vandlung, macht uns mit den bisher als selten geltenden Pseudomorphosen von Kalkspath nach Olivin als in den 
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Albtuffen weit verbreiteten Erscheinungen und Folgen des chemischen Gesetzes der Massenwirkung bekannt, lehrt uns 
ewisse intensive, für die Alb geradezu in Abrede gestellte Eruptivkontaktwirkungen kennen, liefert aus der Mikro- 
struktur der Tuffe den Beweis für die äußerst heftige Natur der vulkanischen Vorgänge, für die Verspratzung des 
Materiales in feurigflüssigem Zustande und zugleich für seine Verstäubung in kleinste Partikelehen neben Förderung 
gröberen Materiales, konstatiert nebenher einen für die Alb neuen Gesteinstypus und liefert endlich durch eine größere 
Anzahl quantitativ chemischer Analysen, die auch für die bodenkundliche Beurteilung dieser Tuffe verwertet werden, 
einen sehr erfreulichen Beitrag für die nähere chemische Kenntnis dieser Gesteine. 
Nach alledem darf man die vorliegende Arbeit als eine sehr gute wissenschaftliche Leistung bezeichnen, die 
  
ı Maßgabe der an sie als Preisarbeit zu stellenden Anforderungen unbedenklich als des Preises würdig 
zu bezeichnen ist. 
9. Arbeit mit dem Kennzeichen: X 
Diese beschäftigt sich mit dem vulkanischen Ries als der nordöstlichen Fortsetzung des Albvulkangebietes. Die 
Kenntnis der Riesgesteine lag ebenso im argen wie die der Albgesteine; es ist deshalb im Interesse unserer vater- 
làndischen Naturerkenntuis sehr erfreulich, daf) durch die Preisaufgabe eine zweite Untersuchung hervorgerufen wor- 
den ist, welche die erste ergänzt und für das Ries dasselbe leistet, was jene für die Alb. 
Branco hatte seine in der Alb begonnenen geologisehen Untersüchungen auch auf das Ries ausgedehnt 
und im Verein mit E. Fraas und andern Geologen das hier bisher allen Erklàrungsversuchen Trotz bietende 
  
  
  
  
 
	        

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