Volltext : Bericht der Königlichen Technischen Hochschule in Stuttgart für das Studienjahr 1909/10 (1909)

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für  Schaffleisch  ca.  20  Pfennig  und  für  Schweinefleisch  ca.  25  Pfennig.
Der  relativ  niedrige  Preis  des  Rindfleisches  hängt  damit  zusammen,
daß  sowohl  die  buddhistische  als  die  konfucianische  Lehre  den  Genuß
von  Rindfleisch  verbietet.  Umgekehrt  genießen  allerdings  die  in
China  sehr  verbreiteten  Muhamedaner  kein  Schweinefleisch.
Auch  Wild  ist  billig,  ich  habe  auf  Reisen  im  Innern  für  einen
Fasanen  etwa  60  Pfennig,  für  Sandhühner  25  Pfennig  bezahlt
—  ebensoviel  zahlt  man  in  der  Regel  für  Schnepfen;  für  einen
Hasen  etwa  50  Pfennig.  Auch  Geflügel  ist  nicht  teuer,  ein  großes
Huhn  kostet  etwa  20  Pfennig;  Eier,  die  der  Chinese  selbst  gerne
ißt,  sind  relativ  teurer,  etwa  1,5  Pfennig:  ich  habe  zwar  im  Innern
auch  Eier  das  Stück  zu  einem  halben  Pfennig  gekauft.
Fleisch  ist  indes  nicht  das  Hauptnahrungsmittel,  sondern  Hülsenfrüchte ­
  —  im  südlichen  und  mittleren  China  vorwiegend  Reis.  Im
Norden  wird  der  Reis  für  den  gewöhnlichen  Mann  zu  teuer,  an
die  Stelle  von  Reis  tritt  Hirse  —  „Kao  Hang-“  —  „das  hohe
Getreide",  Sorgho.  Der  Kao  Hang,  der  eine  Höhe  von  3  bis  5
Meter  erreicht,  spielt  im  Norden  deshalb  eine  besondere  Rolle,  weil
sein  sehr  dicker  Stengel  in  vielen  Gegenden  der  einzige  Brennstoff
ist,  den  der  Chinese  zur  Verfügung  hat.  In  der  großen  nordchinesischen ­
  Ebene  fehlt  es  ganz  an  geschlossenem  Wald  —  der  Chinese ­
  heißt  allerdings  20  Bäume,  die  beieinander  stehen,  schon  einen
Wald,  —  Kohlen  kommen  nur  am  Gebirgsrande  der  Ebene  vor,
und  der  Chinese  ist  daher  gezwungen,  sich  sein  Brennmaterial  selbst
auf  dem  Felde  zu  ziehen:  hiezu  eignet  sich  der  Kao  Hang  vorzüglich. ­
  Wo  Kamelkarawanen  verkehren,  wird  auch  der  Kamelsmist
als  Brenninaterial  benützt.
Weizen  wächst  in  verschiedenen  Provinzen  vorzüglich:  Shansi,
Chihli,  Shantung,  Honan  und  die  nördliche  Mandschurei,  von  der
in  der  letzten  Zeit  die  Rede  war,  produziert  sehr  viel  Weizen,  sie
gilt  geradezu  für  eine  Kornkammer,  deren  Bedeutung  aber  bei  dem
Mangel  an  Verkehrswegen  noch  nicht  zur  Geltung  kommt.  Das
aus  Weizenstroh  hergestellte  Strohgeflecht  bildet  einen  beträchtlichen
Exportartikel  nach  Europa,  insbesondere  Italien,  wo  Strohhüte  daraus
angefertigt  werden.
An  Gemüsen  sind  besonders  zu  erwähnen  Kohl  und  Bohnen,
unsere  Kartoffel  gedeiht  ausgezeichnet  in  der  Mongolei,  sonst  findet
man  viel  die  süße  Kartoffel.  In  riesigen  Mengen  werden  Melonen
gegessen.  Getrocknete  eingesalzene  Fische  bilden  eine  häufige  Zuthat
zum  Reis.
Die  Lasten  werden  von  den  Lastträgern  an  der  Tragstange
über  der  Schulter  getragen.  Die  Last  hängt  an  beiden  Enden  des
Stabes,  meist  in  Körben;  sie  muß  natürlich  ausbalanciert  sein,  durch
gleichmäßige  Verteilung  der  Last,  oder  wenn  dies  nicht  möglich  ist,
durch  Verschiebung  des  Stützpunkts  auf  der  Schulter.  Letzteres  ist
namentlich  der  Fall,  wenn  die  Last  nicht  geteilt  werden  kann  und
der  Träger  zur  Erhaltung  des  Gleichgewichts  in  den  einen  Korb
ein  totes  Gewicht,  etwa  einen  Stein,  legen  muß  —  er  sucht  dann
natürlich  das  tote  Gewicht  durch  Verlängerung  des  dazu  gehörigen
Hebelsarms  zu  verkleinern.  Häufig  kann  man  auch  sehen,  daß  der
Lastträger  zur  Ausgleichung  in  den  einen  Korb  seinen  hoffnungsvollen ­
  Sohn  setzt,  während  im  andern  Korb  vielleicht  eine  Gänsefamilie ­
  oder  ein  Schwein  liegt.  Canton  ist  berühmt  durch  seine
vorzüglichen  Enten:  diese  Enten  werden  immer  so  transportiert,
daß  je  zwei  au  den  Füßen  zusammengebunden  werden  und  das  Paar
dann  über  die  Tragstange  gelegt  wird.
Alle  Händler  —  Obsthändler,  Brothändler,  Posamentiere  —
tragen  ihren  Kram  mit  der  Tragstange  umher.  Auch  der  Barbier
trägt  seinen  ganzen  Barbierladen  auf  diese  Weise  mit  sich  herum.
Vorn  an  der  Tragstange  des  Barbiers  hängen  ein  paar  Messingteller ­
  und  darüber  ein  paar  Eiseustäbchen,  welche  durch  die  Bewegung
des  Gehens  an  die  Teller  schlagen,  und  durch  diese  charakteristische
Musik  der  Nachbarschaft  die  Nähe  des  Barbierkünstlers  anzeigen.
Ich  habe  auf  meinen  Reisen  im  Innern  auch  wandernde  Barbiere
gesehen,  welche  an  der  einen  Seite  der  Tragstange  ihren  Barbierladen, ­
  auf  der  andern  ihr  Bett  trugen.
Ich  habe  gerade  von  den  „fliegenden  Händlern"  gesprochen;
ich  will  hier  beiläufig  die  große  Vorliebe  der  Chinesen  für  das
Spielen  erwähnen:  bei  uns  kauft  man  sich  vom  Händler  für  10  Pfg.
Obst,  oder  um  3  Pfennig  eine  Bretzel;  nicht  so  in  China.  Der

Händler  hat  einen  Würfelbecher,  in  dem  lange,  unten  mit  Zeichen
versehene  Stäbchen  stehen:  der  Kauflustige  setzt  eine  oder  zwei  Münzen,
der  Becher  wird  geschüttelt,  ein  Stäbchen  herausgezogen,  und  je  nach
dem  Zeichen,  welches  dasselbe  trägt,  erhält  der  Hungrige  sein  Brot
oder  muß  er  noch  ein  oder  mehrere  Male  setzen.
Die  Tragstange  ist  entweder  Eschenholz  oder  in  der  Mitte  gespaltener ­
  Bambus,  der  sich  besonders  dnrch  seine  Elastizität  und
Zähigkeit  dazu  eignet.
Die  Last  ist  in  mäßigem  Durchschnitt  45  bis  50  hg  auf  weite
Entfernungen.
Wo,  wie  im  mittleren  China  besonders,  sehr  weite  Strecken  von
Lastträgern  zurückgelegt  tverden,  bedienen  sich  dieselben  einer  Krücke,
auf  welcher  sie  die  Stange  beim  Halten  ausruhen  lassen  (Honan).
Besonders  weite  Wege  werden  von  Lastträgern  auch  im  südlichen ­
  China  zurückgelegt  —  was  nicht  zu  Wasser  befördert  werden
kann,  muß  der  Mensch  auf  der  Schulter  tragen  -  denn  Wagen
verkehren  dort  nicht,  die  Wege  sind  nur  Fußpfade.
Daß  auch  im  Norden  sehr  weite  Transporte  auf  diese  Weise
stattfinden,  zeigte  mir  ein  Beispiel  auf  einer  Reise.
In  Kiao-cheng,  Provinz  Shansi,  wird  Glas  erzeugt,  alle
möglichen  farbigen  Schmuckgegenstände,  insbesondere  anch  eigenartige
Kinderspielzeuge  —  es  sind  dies  kleine  gläserne  Trichter  mit  langem
engem  Hals,  die  Trichter  haben  aber  einen  außerordentlich  dünnen
Glasboden.  Bläst  das  Kind  zum  Mundloch  des  Halses  hinein,  so
vibriert  dieser  dünne  Glasboden  und  macht  dadurch  ein  Geräusch.
Natürlich  sind  diese  Gegenstände  sehr  zerbrechlich  und  vertragen  keinen
andern  Transport,  als  von  Menschen  getragen  zu  werden;  und  trotzdem ­
  werden  dieselben  von  ihrem  Ursprungsort  ca.  600  km  weit
bis  Tientsin,  und  vielleicht  noch  weitere  Entfernungen  getragen.
Schwere  Lasten  werden  von  zwei  Leuten  getragen,  die  Last
hängt  dann  in  der  Mitte  der  Stange  und  die  Enden  der  letzteren
ruhen  auf  den  Schultern  der  Träger.
Um  das  Tempo  beim  Gehen  einzuhalten,  stoßen  die  Träger
singende  Laute  bei  jedem  Schritt  aus;  eigentümlich  ist,  daß  fast  alle
Leute  denselben  musikalischen  Ton  dabei  von  sich  geben,  in  Shanghai
singt  z.  B.  der  vordere  Mann  den  hohen,  der  hintere  den  tiefen
Ton  einer  Quart.
Schwere  Lasten  werden  ähnlich  transportiert;  mit  Hilfe  eines
ganzen  Systems  von  durch  Stricke  miteinander  verbundenen  Tragstangen ­
  beteiligen  sich  oft  10—30  Leute  an  der  Bewegung  einer
Last  —  dies  kann  man  auf  Bauplätzen,  wo  schwere  Steine  bewegt
werden  müssen,  sehen.  Unwillkürlich  fallen  einem  dabei  die  bekannten
Zeichnungen  von  den  Pyramidenbauten  ein.
Die  Beförderung  von  Erdmassen  beim  Eisenbahnbau  geschieht
ebenso,  zwei  Leute  tragen  zusammen  an  einer  Tragstange  einen  mit
Erde  gefüllten  Korb  oder  Sack.  In  Indien  tragen  die  Kulis  zu
diesem  Zweck  die  Körbe  auf  dem  Kopf  und  es  wird  erzählt,  daß,
als  ein  Unternehmer  daselbst  Schubkarren  einführen  wollte,  die  Kulis
zuerst  die  Schubkarren  auf  den  Kopf  genommen  hätten.
Bei  den  bis  jetzt  ausgeführten  nordchinesischen  Eisenbahnen
geschah  bei  dem  teils  wertlosen,  teils  sehr  billigen  Grund  und  Boden
der  durchfahrenen  Gegenden  die  Erdverteilung  durch  Seitenentnahme
und  Seitenablagerung,  wozu  sich  ja  die  dort  übliche  Art  der  Erdbewegung ­
  vorzüglich  eignet.
Lösen  und  Ablagern  des  Bodens  kam  hiebei  pro  Kubikmeter
auf  etwa  8  Pfennig  zu  stehen,  bei  nicht  sehr  schwerem  Lößboden.
Waren  tiefe  Einschnitte  herzustellen,  so  wurde  der  obere  Teil
des  Einschnitts  ebenfalls  seitlich  abgelagert,  dann  wurde  das  definitive ­
  Geleise  in  provisorischer  Weise  durchgelegt  und  auf  demselben
die  gelösten  weiteren  Erdmassen  des  Einschnitts  mit  Normalspurmaschinen ­
  befördert,  das  Geleise  wird  dann  immer  tiefer  gelegt,  bis
es  endlich  auf  die  richtige  Planumshöhe  kommt.  Man  ist  ja  bei
uns  von  diesem  Verfahren  im  Wesentlichen  ganz  abgekommen,  für
die  dortige  Gegend  mag  es  eher  am  Platze  sein.  In  jüngster  Zeit
hat  man  indes  auch  beim  chinesischen  Eisenbahnbau  angefangen,  Erdmassen ­
  auf  Schmalspurbahnen  zu  transportieren,  teilweise  mit  sehr
gutem  Erfolg;  so  kam  an  einer  Stelle  ein  Kubikmeter  Lößboden  zu
lösen  und  auf  500—600  m  zu  transportieren  nur  auf  11  Pfennig
zu  stehen.  Allerdings  in  einer  Gegend,  wo  kein  Arbeitermangel  war,
dort  wurden  die  allerdings  nicht  sehr  bedeutenden  Erdarbeitern  eines
            
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