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Wir fassen somit die Gebirge nicht blos als Condensatoren
der Wasserdünste auf; das sind sie, aber sie sind es
auch heutzutage noch, ohne dass dadurch ein Eiszeitclima hervorgerufen
wurde. Wir finden die entscheidende Bedeutung der
Gebirge für die Aenderung des Climas darin, dass sie für Aufspeicherung
des Schnees eine breite und sichere Basis darboten,
welche nicht nur der Wärme unzugänglich war, sondern
zunächst auch alle andern Einflüsse, welche eine Abminderung
hätten bewirken können, ausschloss.
Kehren wir nun zu den Nordpolarländern zurück.
Die Ansammlung des Schnees auf dem jungen undurchfurchten
grönländischen Gebirge musste schon in diesem Stadium
eine, wenn auch nicht sehr grosse, aber immerhin fühlbare
Erniedrigung der Temperatur hervorrufen. Es ist vielleicht nicht
ganz zufällig, sondern damit in Zusammenhang zu bringen, dass
nach dem Bericht Nordenskiölds bei Heer (l. c. II. Abth. Spitzbergen,
S. 18. 19) nur die unteren tertiären Schichten von Bellsund
zahlreiche Pflanzenreste einschliessen, während die darüber
liegenden 1000—1200’ mächtigen tertiären Schichten nur noch
sparsame Pflanzenreste aufweisen. Sei dem wie ihm wolle; eine
allmählige Verdrängung der bestehenden Flora durch den erkältenden
Einfluss der Schneeansammlung konnte nicht ausbleiben,
Halten wir nun aber weiter Umschau, so treten nicht blos
in den arctischen Ländern beträchtliche Oberflächenveränderungen
zur Tertiärzeit ein, sondern weithin auf der ganzen Erde. Die
höchsten Gebirge der Erde sind die jüngsten. In die Tertiärzeit
fällt die Erhebung der Alpen und .Pyrenäen, des Caukasus
und Himalaya und der Cordilleren. Aber auch die Gebirge des
grossen antarctischen Continents fallen mit grösster Wahrscheinlichkeit
in den nämlichen Zeitraum. Fossile Pflanzen und Thiere,
welche für die Altersbestimmung und climatische Kenntniss der
Nordpolarländer so viel Licht gegeben haben, fehlen von den
antarctischen Ländern fast ganz. Doch wurden auf der Kerguelen-Insel
Baumstämme in versteinertem und verkohltem Zustande
gefunden, während heutzutage dort Bäume und Sträucher ganz
fehlen. Bei der fast absoluten Unnahbarkeit des eigentlichen
Württemb. naturw. Jahreshefte. 1875. =