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Aus dem Gutachten des Preisgerichts.
Es sind zum festgesetzten Termin (1. März 1908) 84 Entwürfe eingeliefert worden.
Das mit der Prüfung und Beurteilung derselben beauftragte Preisgericht bestand aus den Herren:
Bürgermeister Dr. ZZoma als Vorsitzender, Stadtrat X. Wagner, Apotheker Athenstaedt, Professor W. Scholter
in Stuttgart, Professor /. Gezges, Münster- Architekt /. Kempf und Stadtrat Architekt Meess. An Stelle
des am zweiten Tag durch Unwohlsein verhinderten Herrn Professors A, Geiges wurde Herr Stadtbaumeister
Thoma zugezogen.
Das Preisgericht begann seine Arbeit am Morgen des 23. März und beendigte sie am Nachmittag
Ü des folgenden Tages.
A Schon nach dem ersten Rundgang konnte sich das Preisgericht davon überzeugen, dass das
; Ergebnis des Wettbewerbs als ein erfreuliches sich darstellt. Die Mehrzahl der Arbeiten sind gediegene,
© tüchtige Leistungen, welche mannigfache Lösungen der gestellten Aufgabe und eine Fülle guter Gedanken
bieten. Nur eine verhältnismässig geringe Zahl von Entwürfen erweist sich als völlig ungenügend,
Angesichts dieser Tatsache war es für das Preisgericht keine leichte Aufgabe, zunächst eine grössere
Zahl von Arbeiten auszuscheiden, weil sie gegenüber andern hervorragenderen Leistungen zurückstehen
mussten. So erfolgte die Ausscheidung derselben einesteils deshalb, weil sie erhebliche Mängel in der
Ausbildung des Grundrisses oder mangelhafte künstlerische Behandlung des äusseren oder inneren Aufbaues
zeigten; andere Arbeiten verstiessen gegen die Programmbedingungen oder ihre künstlerische Behandlung
entsprach zu wenig dem besonderen Ausdruck eines Krematoriums., Von einer weiteren Beurteilung einiger
Entwürfe sah sich das Preisgericht genötigt deshalb abzusehen, weil sie sich zu stark und auffällig an vorhandene
Vorbilder angelehnt haben.
Bei der zweiten und dritten Durchsicht wurden solche Entwürfe ausgeschieden, die wohl mehr
oder minder bemerkenswerte Lösungen der gestellten Aufgabe angestrebt haben, auch auf den ersten Blick
gewisse Vorzüge zur Schau trugen, bei näherer Prüfung jedoch den strengeren Forderungen nicht entsprachen
und somit für eine Auszeichnung nicht weiter mehr in Betracht kamen,
So standen schliesslich zur besonderen engeren Wahl folgende vierzehn Entwürfe: 1. „Pax“,
„Friedenstempel‘“, 3. „Fakultativ“, 4. mit dem Zeichen einer bad, Fahne (rot-gelb), 5. mit dem Zeichen
eines von einem Kreise umschlossenen roten Kreuzes, 6. „Seraph“, 7. „Vita somnium breve“, 8. mit dem
Zeichen einer Rosette, 9. „Masse“, 10. mit dem Zeichen einer Urne, 11. „Kaminlösung‘‘, ı2. mit dem
Zeichen „Z. S.“, 13. „Ruhe“ und 14. mit dem Zeichen „2. C/.“
Während hierauf von den Beamten des Hochbauamts diese Entwürfe bezüglich ihres Kostenaufwandes
einer Nachprüfung unterzogen wurden, begab sich das Preisgericht nach dem Friedhofe, um ein
Bild von der Lage und Umgebung der für das Krematorium vorgesehenen Baustelle zu gewinnen.
Von den obigen vierzehn Entwürfen hat das Preisgericht, indem es seine Arbeit fortsetzte, schliesslich
nachbenannte sechs ihm für eine Auszeichnung am würdigsten und geeignetsten erscheinenden Arbeiten
ausgewählt:
1. Entwurf mit dem Kennwort „Z7zedenstempel‘“, Derselbe zeigt einen einfachen, stimmungsvollen
Aufbau in moderner Formensprache, von gut abgewogenen Verhältnissen. Die Architektur,
| nicht ohne Reiz, ist der Bestimmung des Gebäudes angemessen.‘ Der fast zu schlicht gestaltete
Grundriss dagegen, sowie die Innenarchitektur befriedigt weniger, da namentlich die im Programm
geforderten vier Nebenräume nicht ganz zweckentsprechend gruppiert sind. Auch dürften
der Anordnung der Oefen im Untergeschoss, im Falle der Ausführung, gewisse praktische Bedenken
entgegenstehen.
>». Der Entwurf mit dem Kennwort „Fakultativ“ zeigt im Gegensatz zu den meisten andern Anlagen
den eigenartigen Versuch, das Gebäude in basilikaler Langhausform zu gestalten; eine Lösung
der Aufgabe, die im Hinblick auf die mit einer Kuppel abgeschlossene Einsegnungshalle der
Beachtung wert ist. Dass übrigens der letztere Bau nach wie zuvor als architektonischer
Mittelpunkt der ganzen Friedhofanlage zu betrachten ist und jedes andere darauf zu errichtende
Gebäude jenem sich in seinen Abmessungen unterordnen muss, versteht sich von selbst, Die
| Architektur ist einfach und dem Zweck des Gebäudes angepasst; sie entbehrt jeder unnötigen
| Zutat. Der Grundriss ist im Sinne des Programms gelöst.
d 3. Der Entwurf mit dem Zeichen eines von einem Kreise umschlossenen roten Kreuzes stellt sich
{ im grossen und ganzen als eine gut gelungene Leistung dar. Es ist eine einheitliche geschlossene
Anlage. Die Grundrissgestaltung ist praktisch und brauchbar. Die architektonische Ausgestaltung
{ des Aufbaues ist, abgesehen von einigen unschönen Einzelheiten und von den aufwändigen
1 Reliefdarstellungen, die wohl vom Kostenstandpunkt aus für die Ausführung kaum in Betracht
M kommen dürften, eine der Bestimmung des Gebäudes angemessene. Der Verfasser des Ent-N
wurfes hat anscheinend mit besonderer Absicht hohe Treppenaufgänge vermieden, was wohl
' nicht unzweckmässig sein dürfte. Immerhin würde die äussere Erscheinung des Aufbaues
wesentlich gewinnen, wenn derselbe auf einen höheren Sockel gestellt und dem Haupteingang
1 einige breite Stufen vorgelagert wären.
! 4. Der Entwurf mit dem Kennwort ‚„V/i/a somnium breve“ zeigt eine zentrale Grundform. Er trägt
| ebenfalls allen Bedürfnissen Rechnung. Der von einer Kuppel bekrönte, in massvollen Grenzen
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