Objekt: Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie

Die Tendenz des Parteiwesens nach der größten Zahl 
3- Kapitel 
Die Tendenz des Parteiwesens nach der größten Zahl 
1. Die Sorge um die Allheit als ethisches Ornament 
der sozialen Kämpfe 
In den heftigen Kampf, der sich vielfach mit dramatischer 
Größe vollzieht, vielfach aber auch fast stumm und Unauf 
merksamen unbemerkbar durchfochten wird, zwischen der 
neuen Schicht, die aufsteigt, und der alten Schicht, die in 
einer Periode teils scheinbaren, teils wirklichen Nachgebens 
begriffen ist, wird die Ethik als Staffage hineingezerrt. Im 
Zeitalter der Demokratie ist die Ethik eine Waffe, deren sich 
jedermann bedienen kann. Im ancien regime sprachen die 
Machthaber und die, die es werden wollten, nur von ihren 
Rechten, von den Rechten ihrer Person. Die Demokratie ist 
diplomatischer, vorsichtiger. Sie hat derlei Begründungen als 
unethisch verworfen. Heute sprechen und kämpfen alleFaktoren 
des offentüchen Lebens im Namen des Volkes, der Gesamtheit. 
Regierung und Rebellen, Könige und Parteiführer, Tyrannen 
von Gottes Gnaden und Usurpatoren, wild gewordene Idealisten 
wie berechnende Ehrgeizlinge, alle sind „das Volk” und geben 
an, mit ihrer Aktion nur den Willen des Volkes zur Durch 
führung zu bringen. 
Die Ethik ist im modernen Leben der Klassen und der 
Völker zu einem notwendigen Beiwerk geworden. Jedwede 
Regierung sucht ihre tatsächliche Macht auf ethische General 
prinzipien zu basieren. Auch die Kristallisationsformen aller 
sozialen Bewegungen tragen ein philanthropes Gesicht zur 
Schau. Alle jungaufstrebenden Klassen pflegen, bevor sie 
ihren Marsch nach der Eroberung der Macht antreten, 
angesichts der Welt stets die feierliche Erklärung abzu 
geben, nicht so sehr an sich, als vielmehr an die gesamte >
	        
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