Volltext : Stadtbaukunst alter und neuer Zeit und Friedhof und Denkmal (Jhg. 8, 1927-28)

AMERIKANISCHE BESTREBUNGEN IN DER FRAGE DER LANDESPLANUNG.
Von Geh. Oberbaurat Dr.-Ing. und phil. h. ce. J. Stübben, Minster.
Erst seit Anfang dieses Jahrhunderts haben die "ür das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten ein Gewissenschaftlichen
 und künstlerischen Lehren vom samtplan der baulichen Entwicklung aufgestellt
inodernen Städtebau in den Vereinigten Staaten verden soll, betreffend die Verkehrsanlagen aller
Boden gewonnen. Die dortige Entwicklung aber war Art, die bessere Verteilung des Bevölkerungszuund
 ist eine überaus schnelle, sowohl in der eigent- xvachses, die bessere Verwendung des Bodens. Zulichen
 Planung als in der Feststellung von Bau- ächst werden die Vorteile dargelegt, die von einer
zonen, Bauklassen, im Enieignungsverfahren, in solchen Gesamtplanung zu erwarten sind; dann wird
monumentalen und Verkehrsfragen und, zuletzt ;rörtert, was der Plan enthalten und was nicht in
nicht zumindest in der Fachliteratur. Vom Stadt- Yın aufgenommen werden soll, endlich wie der Entplan
 schritt man in Bälde zur Überlandplanung vurf vorzubereiten und allmählich schrittweise zu
{z. B. in den Vorarbeiten für Größer Neuyork) und ‚erwirklichen sei. Die Zukunftsgestaltung des Landzur
 Landesplanung. Es folgten die Bestrebungen, traßenwesens, der Eisenbahnlinien, der Wasserdie
 eine organische Planbearbeitung für ganze vege, der Seehäfen; die geographische Verteilung
Staatsgebiete (States Plan) verlangten — und das er Einwanderer und der Bewohner überhaupt so-Neueste
 ist ein viel beachtetes Werk von Cyrus Kehr: vie der Industrie und der Erholungsorte, auch die
A Nation Plan. „A Basis for co-ordinated physical "ürsorge für die Erhaltung von Naturschönheiten
development of the United States of America. With ‚nd landschaftlichen Freiflächen -— das wären die
a suggestion for a World Plan”).““ Mit Vorworten \ufgaben, die der „Nation Plan‘ grundsätzlich zu
von F. A. Delano (Chairman, Plan of New York and rdnen und zu lösen hätte, jedoch alles nur insofern,
its Environs) und R. Unwin (London). ıls es die Gesamtheit der Bürger der Vereinigten
Das Ziel des Werks ist die Verbreitung der Er- 54aaten angeht. Für alle sonstigen Planungen und
kenntnis, daß von einem Großplan auszugehen sel, {lichen Einzelheiten sollen die Staaten, die Veruny
 allmählich zu minder großen Planungen und valtungsbezirke (Counties) und Gemeinden zuzur
 Kleinplanung überzugehen. Es ist also In 8C- ähdig sein, wie bisher. Der nationalen Hauptstadt
wisser Weise der gleiche Gedanke wie derjenige, Vashingion ist eine besondere Betrachtung gewidler
 sich im preußischen Entwurf eines neuen Städte- et, Den Schlußabschnitt bildet die dem Verfasser
baugeseizes dadurch ausdrückt, daß zuerst der orschwebende Ausdehnung einer ähnlichen organi-Nutzungsplan,
 sei es für das Gemeindegebiet, sei es chen Gesamtplanung auf ganze Kontinente und auf
für mehrere Gemeinden oder einen ganzen Land-: leren Verbindung durch ein wohlvorbereitetes
kreis festgestellt wird, dann erst die Fluchtlinien- ;ystem von Linien des Seeverkehrs, kurz die Vorbe-)läne
 für die einzelnen Gemeinden oder Gemeinde- eitung eines Weltplans („World Plan‘).
teile. In Amerika aber wird der Maßstab aller Dinge Es liegt zweifellos viel Übertreibung in den Kehrvergrößert,
 oft auch, wie vieNeicht im vorliegenden hen Vorschlägen. Dennoch aber ist das unge-Falle,
 übertrieben. wöhnliche Werk zu begrüßen, weil es den Blick,
Der Verfasser erweitert den Grundsatz: „Zuerst j;cht bloß des Fachmannes, von manchen Kleinlich-Jas
 Ganze, dann die Teile“ zu der Forderung, daß ‚eiten des täglichen Lebens auf einen weit gespann-—*)
 New York. Oxford University Press. 35 West, en Horizont des Gesamtwohls leitet, sch es innerhalb
nd sireet. 5 Dollar. ler nationalen Grenzen, sei es sogar darüber hinaus.

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