Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1908)

10. Oktober 1908 
BAUZEITÜNG 
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wachung) erbracht habe. Dagegen fand das Be 
rufungsgericht, daß der nun auch wegen eignen 
Verschuldens nach § 823 BGB. in Anspruch ge 
nommene Beklagte darin gefehlt habe, „daß keiner 
lei Vorkehrung zur Ueherwachung der ordnungs 
mäßigen Ausführung der Arbeit durch einen un 
bedingt zuverlässigen Angestellten getroffen, nicht 
einmal einem der vier Arbeiter die Aufsicht über 
die Arbeit der übrigen übertragen und daß auch 
nach Fertigstellung der Arbeit eine Besichtigung 
und Prüfung derselben durch den Beklagten oder 
einen Beauftragten desselben nicht vorgenommen 
wurde. Mindestens die eine oder die andre dieser 
Maßregeln“, heißt es weiter, „wäre aber gerade 
deshalb geboten gewesen, weil der Beklagte weder 
vorherige Anweisungen gegeben hatte, noch wäh 
rend der Ausführung der Arbeit eine persönliche 
Aufsicht ausübte, und weil der Beklagte auch sonst 
eine Beaufsichtigung seiner Arbeiter nicht oder nur 
in unzulänglich er Weise auszuüben pflegt, erfahrungs 
gemäß aber unter solchen Umständen auch sonst zuver 
lässige Arbeiter leicht dazu verleitet werden, die ihnen 
zu selbständiger Ausführung überlassenen Arbeiten nicht 
mit genügender Sorgfalt auszuführen.“ Die Annahme 
eines ursächlichen Zusammenhanges zwischen dem schaden 
stiftenden Ereignis und dem Verschulden des Beklagten 
sei berechtigt, weil bei Ausübung der gebotenen Kontrolle 
die für den Einsturz kausalen Mängel, insbesondere die 
ungenügende Befestigung der Decke durch Verwendung 
zu kurzer Stifte bei Aufnagelung der Bipphölzer, ver 
mieden worden wären. Der Einwand, die vier Arbeiter 
hätten unter ständiger Aufsicht des bauleitenden Bau 
führers gestanden, gehe fehl, weil eine so ins einzelne 
gehende Kontrolle, wie hier in bezug auf die Benutzung 
genügend langer Stifte, schwerlich dem Bauführer ob 
liege; liege sie ihm aber ob, so werde dadurch der Be 
klagte nicht von seiner daneben bestehenden Aufsichts 
und Kontrollpflicht befreit. Das Oberlandesgericht erkannte 
demgemäß den Werkmeister für dem Grunde nach schadens 
ersatzpflichtig, ein Urteil, das vom Reichsgericht mit 
ähnlicher Begründung bestätigt wurde. N. hätte infolge 
dessen ohne seine Haftpflichtversicherung beim Stuttgarter 
Versicherungsverein an Entschädigung und Kosten ins 
gesamt 17 072,78 M. aufzuwenden gehabt. 
Mögen auch manchem die von den genannten Ober 
gerichten für solche einfachen Arbeiten gestellten An 
forderungen als zu weitgehend erscheinen, so zeigt der 
Fall doch, wie kostspielig auch bei sonst zuverlässigen 
Arbeitern und bei Ausführung verhältnismäßig leichter 
Arbeiten das Unterlassen einer ständigen Kontrolle werden 
kann. —n. 
Wettbewerbe 
Knabenscluilhaus in Rostock. Ein Skizzenwett 
bewerb zur Erlangung von Entwürfen wird unter den im 
Deutschen Reiche ansässigen Architekten zum 3. J anuar 1909 
erlassen. Es gelangen drei Preise von 2000, 1500 und 
1000 M. zur Verteilung; ein Ankauf dreier nicht preis 
gekrönter Entwürfe für je 500 M. bleibt Vorbehalten. Dem 
Preisgericht gehören unter andern an Stadtbaudirektor 
Dehn und Senator Ehmig - Rostock sowie Baudirektor 
Hamann-Schwerin. Unterlagen gegen 5 M., die zurück 
erstattet werden, sind durch das Stadtbauamt in Rostock 
zu beziehen. 
Architektonische Ausbildung der beiden Weiße 
ritztalsperren bei Klingenberg und Malter. Von 
52 Entwürfen erhielten den I. Preis von 2000 M. Hans 
Poelzig-Breslau und Emil Ferchland-Dresden, denll.Preis 
von 1500 M. Volkmar Ihle-Meißen, den III. Preis von 
750 M. Lossow & Kühne-Dresden. Es wurde beschlossen, 
für je 400 M. anzukaufen die Entwürfe der Gebr. Fichtner 
unter Mitarbeit von Architekt E. P. Bender-Dresden, 
der Architekten Fritz Bräuning-Berlin und Schilling 
& Gräbner-Dresden. 
Kleine Mitteilungen 
VVürtt. Kunstverein Stuttgart. Neu ausgestellt: 
Gesindel, Tauwetter von H. Baluschek; Loge, Eschen 
wald von Martin Brandenburg; In den Dünen, Mädchen 
im Walde von E. Bischoff-Culm; Dame in grünem Kleid, 
Bei der Toilette von H. E. Linde Walther; Garten, 
Schattiger Brunnen, Enten von Emil Pottner; Anbetung, 
zwei Interieurs aus dem Museum Plantin, Auf der Suche 
nach Obdach, Im Mondschein, In der Wüste, Am Abend, 
Fastenberg bei Jericho, Vom Toten Meer von Emil Uhl; 
Landschaften von Peter Greeff; Rosen von Anna Peters; 
Johannes (Bronzestatue) für die Erlöserkirche von Emil 
Kiernlen u. s. w. 
Hoftheaterneubau Stuttgart. Wie dem „ Staatsanz. “ 
mitgeteilt wird, sind in dem Wettbewerb für Entwürfe 
zum Neubau der Kgl. Hoftheater in Stuttgart zu der fest 
gesetzten Frist im ganzen 23 Entwürfe eingelaufen. Der 
Zusammentritt des Preisgerichts wird im Laufe des Monats 
erfolgen und nach dessen Schiedsspruch eine öffentliche 
Ausstellung sämtlicher zum Wettbewerb zugelassener Plane 
stattfinden. 
Straßenbauwesen in Württemberg. Der Ver 
waltungsbericht der Kgl. Ministerialabteilung für den 
Straßen- und Wasserbau für die Rechnungsjahre 1905 
und 1906, I. Abteilung Straßenbauwesen, ist uns soeben 
zugegangen. Der Bericht, dem ein umfangreiches Material 
an Beilagen beigegeben ist, bezieht sich auf die ordent 
liche Straßenunterhaltung, die Neubauten und Verbesse 
rungen von Staatsstraßen und von Brücken sowie auf 
Nachbarschaftsstraßen, soweit sie mit Staatsbeiträgen 
neugebaut, verbessert oder unterhalten worden sind; er 
enthält auch die Ergebnisse der Aufnahme des Verkehrs 
auf den Staatsstraßen im Jahre 1906, der durch eine große 
farbige Karte übersichtlich und genau veranschaulicht wird. 
Mit Interesse wird neben den Daten und Tabellen die 
Beschreibung der neuen Straßenbrücke über den Neckar 
bei Neckargartach aufgenommen werden, die in drei be 
sonderen Blättern eine musterhafte bildliche Darstellung 
erfährt. Jeder, der den Bericht nicht oberflächlich 
prüft, sondern sich denselben näher ansieht, wird dem 
Fleiß und der Sorgfalt, welche diese umfangreiche und 
subtile Arbeit auszeichnet, wie den aus derselben er 
sichtlichen Leistungen unsrer Straßenbaubehörden seine 
Anerkennung zollen. F. 
Das württ. Baugewerbe. In dem Aufsatz über 
„Das württ. Baugewerbe und seine Entwicklung“ war in 
Nr. 39 unter den Baugeschäften die Firma. Gebr. Reim-
	        
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