Full text: Deutsche Konkurrenzen (1900, Bd. 11, H. 121/132)

  
  
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unauffällig in ihrer Zwecksbestimmung, dem Strassenbild einzufügen wäre, würde 
vielleicht in der Unterbringung derselben unter einer Aussichtsterrasse zu finden sein. 
Die hierdurch bedingte einspringende Ecke in dem Gebäudekomplex und der freie 
Raum über der nur etwa 4,5 m hohen Terrasse würde der Schlossansicht zum Vorteil 
gereichen, Die Terrasse müsste gegen die Nachbargrundstücke gehörig isoliert werden, 
in der Rheinallee etwa durch eine überdeckte Passage, wenn hier eine Unterbrechung 
der Gebäudefront vermieden werden soll, 
Der nötige Ventilationskamin müsste als turmähnliche Erhebung eines Bauteils 
dem Nachbargebäude angegliedert werden. 
Wird in dem Entwurf die Pumpstation an der Schlossecke belassen, so ist 
die Ecklösung in einer der Perspektiven zur Anschauung zu bringen. 
I1. Die Stadt Mainz ist bereits im freien’ Besitz des Geländes zwischen der 
Kaiserstrasse und der Rheinallee einerseits, sowie dem Gebiet der Schlosskaserne 
andererseits und muss demnach grossen Wert darauf legen, dass dieses Gelände 
vorzugsweise zu Privatbauten bestimmt wird, die alsbald errichtet werden können. 
Einer zweiten, späteren Bauperiode wäre die Verwertung des im Jahre 1904 
in städtischen Besitz gelangenden Areals der Schlosskaserne und des Schlossplatzes 
vorbehalten. Für diese Bauperiode kann die Einbeziehung des zwischen der mittleren 
und hinteren Bleiche am Schlossplatz gelegenen Grundstücks der Artilleriekaserne in 
Betracht gezogen werden. 
12, Obwohl über die Unterbringung von öffentlichen Gebäuden auf dem Gebiete 
des neuen Stadtteils Bestimmung seitens der städt. Verwaltung zur Zeit noch nicht 
getroffen werden kann, so soll doch auf die mögliche Anlage einiger in Frage 
kommenden Bauten Rücksicht genommen werden. 
Als solche könnten vielleicht genannt werden: ein Stadthaus (5000 qm Fläche), ein 
Gebäude für Bibliothek oder Sammlungen (2C00 qm Fläche) und in minderwertiger, 
stiller Lage ein Schulhaus (3000 qm Fläche). Die Flächeninhalte sind Schätzungs- 
werte, sie umfassen das Erfordernis für Gebäude und Höfe. Die {für die gedachten 
Zwecke zu reservierenden Baufiguren müssten auch für eine Parzellierung zu Privat- 
bauten passend gestaltet und so gelegen sein, dass, ohne Schädigung des Strassen- 
netzes, eine Erweiterung nach Mafsgabe der später erst genau festzustellenden Be- 
dürfnisse durch Einbeziehung angrenzender Baugrundstücke eintreten kann. 
13. Das Kurfürstliche Schloss, in den Formen deutscher Renaissance, aus 
rotem Sandstein, in 3 Bauperioden während der Zeit von 1627—1754 erbaut, dient 
derzeit als Bibliothek und Museum. Es. soll in seinem Inneren und Aeusseren eine 
umfangreiche Restaurierung erfahren, welche demnächst beginnen wird; gleichzeitig 
sollen die aus späterer Zeit stammenden Anbauten, welche Sammlungen aufnehmen 
und Wohnungen enthalten, niedergelegt werden, so dass dem Schlosshof nach Süden 
und Westen ein anderweiter Abschluss zu geben ist. . 
Wegen der Tiefenlage des Schlossbaues unter dem Niveau der neuen, hoch- 
wasserfreien Strassen ist derselbe an der Rheinseite bereits mit einem vertieften 
Vorgarten versehen, in welchem der einstmals am Wasser gelegene Quaderunterbau 
des älteren, südlichen Flügels zur Anschauung gelangt. Im Vorgarten und Schlosshof 
können Steindenkmäler aus dem alten Mainz zur Aufstellung gelangen. Die Gebäude- 
höhe über Strassenniveau beträgt bis Hauptsims 18,0 m, bis Dachfirst 28,0 m. 
Aus dem Protokoll des Preisgerichtes. 
Die Mitglieder des Preisgerichts, bestehend aus den Herren: Oberbürgermeister 
Dr. Gassner, Geheimer Kommerzienrat Michel, Rechtsanwalt Dr. Schmitt, Baumeister 
Fr. Jos. Usinger, Prälat Dr. Schneider, Beigeordneter Baurat Kuhn, sämtlich in 
Mainz, Geheimer Regierungsrat Raschdorff in Berlin, Regierungsrat, Direktor Cam!lo 
Sztte in Wien, Oberbaudirektor Dr. Durm in Karlsruhe, Geheimer Oberbaurat, Prof. 
Hofmann in Darmstadt, Professor Henricı in Aachen — Architekt; und Baurat 
Gabriel Seidl in München war durch Unabkömmlichkeit entschuldigt — traten den 
28. Mai 1900: zusammen. 
  
   
  
  
  
   
  
       
  
     
       
      
  
      
   
  
  
  
  
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
   
    
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
	        

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