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4. Tuffe. Dieser Name bezeichnet sowohl Niederschläge
im Wasser, wie Kieseltuff, Kalktuff, ausserdem aber
auch vulkanische Tuffe. Nur im Innern haben Tuffe
als Bausteine Werth, namentlich als leichte Decken,
für das Aeussere sind in rauhem Clima sie zu poröse
und zu unbeständig. Die vom Wasser abgelagerten
Tuffe haben viele organische Reste in sich,
welche bei Bildung mit eingewickelt werden, und sind
daher leicht von den vulkanischen zu unterscheiden.
Das äussere schwammartige unregelmässige Zellengewebe
ist characteristisch genug, um keinen Zweifel
iber das Erkennen von Tuffarten überhaupt obwalven
zu lassen.
Das Sedimentär- Gebirge ist hauptsächlich ein Wasjerabsatz
aus zertrümmerten und abgerollten Gebirgstücken.
Das hierher gehörende Diluvium, oder das
Meeresgebilde , enthält die Blöcke und Geschiebe,
lie in dieser Weise gebildet sind, das Alluvium, die
oberste sedimentäre Schicht, enthält das Trümmergestein
in Form von Sand, Kalk und Thon. Die manıgfaltigsten
Anwendungen finden die Sandsteine zu
Hochbauten, man wird aber jeden Sandstein bedächig
zu prüfen haben, ob er auch witterungsbeständig
‚st; ebenso ist es mit den Kalksteinen. ‚Je tiefer die
Formation liegt, aus der die Sand- und Kalksteine
gefördert werden, desto fester und dauerhafter treten
letztere auf, immerhin wird jedoch eine gewisse Vorächt
nicht ausser Acht zu lassen sein, da die bedeu-‚ende
Hygroscopocität bei beiden zu üble Folgen, namentlich
im nordischen Clima hat. Der Thon ist im
zigentlichen Sinne des Wortes kein Mineral, denn er
ist nur durch Zersetzung von verschiedenen Gesteiaen
als Verwitterungsproduct entstanden. Im Wesentlichen
besteht dies Material aus kieselsaurer T’honarde
und Wasser, oft aber findet man noch Sand,
Zisenoxyd, Schwefelkies, Kalk und im Wasser lösliche
Salze damit verbunden, Kali ist stets vorhanden. Je
magerer der Thon ist, desto mehr Salze enthält er,
Jurch Schlemmen, also durch Fortspühlung der Salze
wird der Thon fetter; kieselsaure Thonerde ist im
Wasser unlöslich. Zum Baustein wird Thon nur im
zebrannten Zustande verwendet und bildet somit den
Uebergang zu den künstlichen Steinen. ;
Die Natur ist in ihren Gebilden der Formation mannichfaltig,
und repräsentirt sich in einer so grossen Vielseitigkeit,
dass es dem Menschen unmöglich sein würde, sich
hierin zu orientiren, wenn er nicht überall seiner eigenen
Natur gemäss das Streben zur Einheit erkennend, auch dies
Streben in der Natur suchen und wenn er es nicht findet,
Aineinlegen würde. Der Mensch darf der Natur zur Hilfe
kommen, ja er hat sogar die Aufgabe, sich der Natur zu
widmen und in dieser selbsthätig wirkend und sich dabei
selbst, entwickelnd und selbsterkennend einzugreifen. Bei
den Aegyptern, Griechen, Römern finden wir schon, dass sie,
obgleich sie natürliche Steinbrüche genügend besassen, um
alle ihre Bauten aus natürlichen Steinen auszuführen, doch
lieber sich Steine formten und namentlich zu ihren Wohnungen
künstlich fabricirte Steine verwendeten. Die Gründe,
welche dafür obwalteten, sind aus dem Vorhergehenden schon
klar genug, um hier nur noch darauf hinzudeuten. Bear-‚eitung
und Transport von grossen Werkstücken sind geıügende
Ursachen auf ein Aequivalent für die natürlichen
Bausteine nachzusinnen, ausserdem aber auch haben die Folzen
der natürlichen Feuchtigkeit in den natürlichen Steinen
Jarauf hingelenkt, sich gegen diese zu schützen. Bei der
>räparation von künstlichen Bausteinen musste man also
‚unächst daran denken, abstrahirt von den Kosten für Bearbeitung
und Transport, auch die Mängel zu beseitigen, welche
durch die Feuchtigkeit der natürlichen Steine sich offenbarten.
Während natürliche Steine durch ihre anziehenden und
vieder ausströmenden Feuchtigkeiten Wohnungen ungesund
nachen, wenn dagegen keine Maassregeln getroffen werden,
;o bringen schlechte künstliche Steine noch die Uebelstände
mit sich, dass sie auch die mit ihnen in Berührung komnenden:
Materialien gleichzeitg mit sich selbst der Dauerhafigkeit
des aus ihnen construirten Bau’s sehr nachtheiligen
fetamorphosen unterwerfen, indem die wie bereits bei Ervähnung
des Thons, aus dem hauptsächlich die künstlichen
Steine fabricirt werden, vorhandenen Salze Alles zerstörend
zuftreten und sowohl Mauerfrass als Schwamm in den Hölzern.
erzeugen. Dem practisch ausführenden Baumeister muss
x vor allen Dingen darauf ankommen, künstlich präparirte
Steine prüfen zu können, ehe er sie verwendet und es zu
pat wird, die sich herausstellenden Uebelstände wieder
‚ründlich zu beseitigen. Eine gründliche Prüfung kann
ıber nur in den Materialien stattfinden, aus denen der künstiche
Stein fabricirt ist und zu einer solchen Prüfung muss
ler Techniker mit den Grundsätzen eines Mineralogen vorzugehen
verstehen. Ein Messer, Feuerstahl und Feile zur
>rüfung der Härte, ein Magnet, ein Vergrösserungsglas, ein
7]äschehen mit Scheidewasser (Salpetersäure) und ein Löth-‚ohr
sind die Begleiter, welche ein Mineraloge auf seinen
Wanderungen wählt und diese dürften auch in einem Bau-Züreau
nicht fehlen, der Architect braucht noch Hammer,
Zange und Schraube; weiss er damit Bescheid, dann werden
seine Constructionen, die seinem Werke zu Grunde liegen,
änen Werth demselben beilegen, wie er der Menschenkraft
würdig ist. Es lässt sich über die weiteren Manipulationen
ıuchts sagen, welche der Architect mit dem ‘Material, sei es
<ünstlich oder natürlich, vorzunehmen hat; wenn er weiss,
woranf es ankommt, muss er sich zu helfen wissen, oder er
zehört nicht direct denjenigen an, welche als Architecten
ür die Civilisation sich berufen fühlen dürfen. Es ist in
ler That zu bewundern, wie heute noch es möglich ist, dass
nan Maurer sieht, die Salzausschläge bei Ziegeln, nachdem
‚je vermauert sind, abwaschen und unnützes Arbeitslohn verzeuden.
Man hätte solche Steine überhaupt nicht wählen
‚sollen, wenn sie aber einmal verwendet sind, nun so müssen
egenmittel gebraucht werden, die solche Uebelstände nicht
1ervortreten lassen und dies geschieht eben nur durch Cenentputz,
wie später ausführlich das Nöthige auseinandergesetzt
werden wird, Das Abwaschen nützt zu gar nichts,
m Geygentheil es schadet nur, indem die Brandkruste der
Steine durch scharfe Säure zerstört wird.
° Bei Ziegelrohbau kommt solch ein Ausschwitzen von Salpeter
seltener vor, weil solche Steine, welche als Rohmaterial
stehen bleiben sollen. mit weit mehr Vorsicht fabricirt
worden sind.