Full text: Deutsche Konkurrenzen (1905/06, Bd. 19, H. 217/228)

A J — 
No. 45. „Denen, die mit Fleiss nach Wissen streben, sei dieses neue 
Haus gegeben‘, 
„51... Marbach‘, 
nn 55: »Rheintsch“. 
Der Entwurf No. 38 zeigt einen klaren, knappen Grundriss ohne beträchtliche 
Mängel. Zwar liegt die Schuldienerwohnung nicht so, dass von ihr der Haupteingang 
überwacht werden kann; das in zweckmässiger Lage besonders angeordnete Pedell- 
zimmer ist aber zur Erfüllung dieser Aufgabe vollständig geeignet. Unerwünscht ist 
die Lage zweier Schulklassen im II. Obergeschoss nach der Südseite, sowie die Lage 
des Zeichensaales nach der Westseite. Im äusseren Aufbau hat der Verfasser sich 
einer reicheren architektonischen Ausbildung mit Absicht enthalten, statt dessen aber 
in bescheidener und charakteristischer Weise das Wesen des Schulhauses in schöner 
und einfacher Gesamtwirkung zum Ausdruck gebracht. 
Die Grundrissanlage des Entwurfs No. 41 ist besonders klar und ansprechend. 
Wenig empfehlenswert sind jedoch die Lage des Zeichensaales an der Westseite und 
die untergeordnete Anlage des Zuganges zu der auch für festliche Zwecke zu be- 
nutzenden Turnhalle. Die Haupttreppe würde in besserer Weise auszubilden und 
in ihrer Breite einzuschränken sein. Auch ist die Anordnung der Aborte im Keller- 
geschoss nicht frei von Bedenken. Der äussere Aufbau zeigt eine gefällige, etwas 
reiche Durchbildung, entbehrt jedoch in einzelnen Teilen der ruhigen Wirkung. 
Eine Arbeit von grossem Reiz ist der Entwurf No. 45. Leider ist die An- 
ordnung der Räume für Physik in der gezeichneten Weise für die Ausführung nicht 
geeignet; das Apparatenzimmer ist erheblich zu klein, Dasselbe gilt für das Apparaten- 
zimmer für Chemie. Im übrigen ist sowohl der Grundriss als der Aufbau ausgezeichnet, 
wenn auch ein noch grösseres Mafshalten in den Architektur-Motiven zu empfehlen 
gewesen wäre. 
Die im allgemeinen lobenswerte Anordnung des Grundrisses im Entwurfe No. 51 
zeigt einen erheblichen Mangel infolge der abgelegenen Unterbringung der Pförtner- 
wohnung um so mehr, als ein Raum für den Aufenthalt des Pförtners in der Nähe 
des Haupteinganges fehlt. Auch mutet die Fachwerkausbildung des im Dachgeschoss 
des Anbaues angeordneten Zeichensaales bei der gewählten Barockarchitektur etwas 
fremd an. Der äussere Ausbau zeigt eine vortreffliche Massengliederung in schönen 
Verhältnissen und einfachen Formen, deren Ausführung indes wegen der erforder- 
lichen ausgedehnten Putzfläche bei dem örtlichen ungünstigen Klima inmitten eines 
Industriegebietes mit WUnterhaltungskosten von unerwünschter Höhe verknüpft 
sein würde. 
Der Entwurf No. 55 zeigt im Grundriss und Aufbau eine grosse Fertigkeit 
und Sicherheit, obwohl es an tadelnswerten Einzelheiten nicht fehlt. Die Räume 
für Chemie sind in unzulässiger Weise auf zwei Geschosse verteilt. Die Ostlage 
zahlreicher Schulräume würde besser in eine Westlage umzuändern sein. Das sehr 
lange Schleppdach am Südende des Baues fand nicht eine ungeteilte Zustimmung; 
es würde indes bei weiterer Bearbeitung des Entwurfes ohne Schwierigkeit durch 
eine anderweitige Lösung ersetzt werden können. 
Die hiernach zunächst probeweise, dann endgültig vorgenommene Abstimmung 
ergab bei letzterer einstimmig folgende Preisverteilung: 
I. Preis M. 2500 dem Entwurf No. 38 mit dem Kennwort: „Lotte“; 
II. Preis M. 1500 dem Entwurf No. 45 mit dem Kennwort: „Denen, die 
mit Eleiss nach Wissen streben, sei dieses neue Haus gegeben“, 
I. Preis M. 1000 dem Entwurf No. 55 mit dem Kennwort: „Rheinisch“. 
(Fortsetzung auf S, 32.)
	        

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