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Beilage zu Prof. Dr. G. Jägers Monatsblat!
Stuttgart. MB 5. Mai 1892.
aber führt ver Weg zum Heil immer noch größtenteils durch die Hörsäle
der Chemie und durch die Stuben der Bivisektoren. Jn dieser Art, den
Urheber vollständig tot zu schweigen, hat auch unlängst v. Pettenkofer
wieder ein klassisches Beispiel gegeben : in seinem auf dem oberbayerischen
Aerztetag in München gehaltenen Vortrag „Wolle oder Leinen?“ hat er
ordentlich Betterleswirtschaft getrieben, seine früheren Assistenten wie
Rubner tüchtig herausgestrichen, einen Mann aber wie Sie, der in diesem
Punkt unleugbar das Meiste und Gründlichste geleistet hat, gar nicht er-
wähnt. Dies gehört auch zur Wissenschaft. Von Wissenschaft wimmelt's
überhaupt nur so im Aerztlichen Zentralanzeiger : alles, was die Staats-
medizin in die Hand nimmt, und wenn es das ungereimteste Zeug ist, ist
Wissenschaft ; die Erfolge Andersdenkender sind „Scheinerfolge“. Wegen
Scheinerfolgen laufen nunmehr die Leute fast shon 40 Jahre naß Wöris-
hofen, und nur wegen wirklichen Erfolgen laufen sie von den Aerzten weg
-- oder nicht? Reklame, nur geschi>te Reklame, sagt der Anonymus,
und lügt damit wie gedruckt; denn daß Kneipp Reklame treibe, hat ihm
bisher auch sein ärgster Feind nicht nachgesagt. Und nun erst die Leiter
von Kuranstalten, dies sind Leute, die aus Faulheit over Dummheit die
„Pfade naturwissenschaftlichen Strebens“ verlassen und ein sanftes Ruhe-
fissen sich ausgesucht haben. Hoffentlich lassen diese Faulenzer in ihrer
Siesta sich stören und waschen der dumm-dreisten Anmaßung des Aerzt-
lichen Zentralanzeigers einmal ordentlich den Pelz. J< gehöre leider nicht
zu den Glücklichen, denen eine „bequemere körperliche und geistige Thätig-
keit“ zu teil geworden ist, wohl aber zu denen, die mehr Befriedigung in
ihrem Beruf finden als zuvor, ein köstlich Ding, das der Aerztliche nent
anzeiger gar nicht zu kennen scheint, denn er schiebt all den hunderten von
Aerzten, die sich jeht schon mit dem Naturheilverfahren befassen, nur un-
lautere Motive unter, und sein Zorn wird so hochgradig, daß er nach
Ehrengerichten und Aufhebung der Freizügigkeit schreit, ein untrügliches
Zeugnis, daß wir auf dem rechten Wege sind.
Doch wozu dies alles hier, werden Sie schon längst fragen? Weil
Ihr Monatsblatt gegenüber den leider bei uns oft in störender Weise
auftretenden Sonderinteressen nicht das Mittel zum Zwe erhebt und weil
Ihre Zeitschrift getreu ihrem Zwe, die Gesundheit zu pflegen, stets un-
befümmert um rechts oder lints, der Wahrheit nupznspnten sich bemüht
und darnach getrachtet hat, die auseinanderstrebenden Elemente zum ge-
meinsamen Kampfe zusammen- und festzuhalten. Quod hbomun felix
fanstum fortunatumque Sit.
Mit vollkommenster Hochachtung
Jhr aagebensier
München, 11. September 1891. List. Pr- Arzt:
Nahs<<hrift ver Redaktion:
Den im obigen Schreiben enthältenen Vorschlag zur Güte 5
ich gerne an, wie ich gleiches auch gegenüber dem Begetarismus sche