Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1890, Bd. 9, H. 1/12)

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Kleinere Mitteilungen. 
Wollkleidung in den Bergen. Zu der Mitteilung, die unter vor? 
stehender Spißmarke in Nr. 11 des Monatsblatts 1889 (S. 258) steht, 
erhalte ich eine Zuschrift dahin lautend, daß die Leute im Pusterthal ein 
ganz grobfädiges , dies und rauhes Leinenhemd , das sehr warm halte, 
tragen. J< habe diese Zuschrift der Einsenderin der obgenannten Mit- 
teilung zur Rückäußerung überschikt. Dieselbe antwortet, daß das richtig 
sei, daß sie aber in ihrer Mitteilung auch durchaus nic<t von wollenen 
Hemden gesprochen, sondern nur von Strümpfen, sowie Oberröken und 
ÜUnterröden und davon, daß die Leute vort Wert darauf legen, daß diese 
Kleidungsstüke von „ganz rein wollenem Stoff“ seien. Mit dem -- aller- 
dings an si-) mißverstehbaren =- Ausdru>k „Wohlthat reiner Wollkleidung“ 
habe sie nicht sagen wollen, daß die Tiroler eine in meinem Sinn reine 
Wollkleidung tragen, sondern nur, daß sie den Unterschied zwischen reiner 
Wolle und. unreiner Wolle wohl zu würdigen verstehen. Das Mißverständ- 
nis beruht a!" darauf, daß die Einsenderin in ihrer Mitteilung von „reiner 
Wollkleidun“ . statt von Kleidungsstü>en aus reiner Wolle gesprochen hat. 
Es scheint a 9 in Tirol ähnlich zu sein, wie ich es z. B. im Haardtgebirge 
(Bfalz) und im Hohenloheschen selbst gesehen : das Volt hat ein Verständ- 
nis für den gesundheitlichen Wert einer möglichst in ihrem Naturzustand 
belassenen d. h. unentfetteten und ungefärbten Wolle und weiß sogar, wie 
ich im Hohenloheschen erfuhr, daß solche Wolle zu Heilzwe>en (gegen Nheu- 
matismus 3. B.) besser verwendet wird, als andere. I< füge dem bei, 
daß im Berchtesgadner Lande neben gefärbten Juppen auch solche getragen 
werden, die allem nach auch aus brauner und weißer Naturwolle von dem 
Landvo'k selbst gefertigt sind. 
Das Wollregime in Australien. Der „New Zealand Herald“ 
vom 12. Aug. 1889 enthält eine längere Mitteilung, welcher wir nah- 
folgende3 entnehmen? „Morgen Abend wird Dr. Bond einen seiner ärzt- 
lichen Vorträge halten, und zwar über „Kleidung mit Rücsicht auf Ge- 
sundheit“. In Verbindung damit mag es erlaubt sein zu bemerken, daß 
Dr. med. Jaeger, Professor der Zoologie und Physiologie in Stutt- 
gart, vor einiger Zeit ein Buch über Gesundheitspflege veröffentlicht hat, 
worin er eine nach allen Richtungen ausgedachte Gesundheit5wollkleidung 
empfiehlt. Er stellt den Saß auf, daß Tierwolle der von der Natur für 
die Bekleidung der Lebewesen bestimmte Stoff ist, welcher, wie einfache 
Versuche beweisen, die wertvolle Eigenschaft besit, die schädlichen, übel- 
riechenden, von den Körpern der Lebewesen ausgedünsteten Stoffe nicht 
anzuziehen oder zurückzuhalten.“ Im folgenden verbreitet sich die Mit- 
teilung über 6:2 weiteren teils längst bekannten, teils von Jäger auf- 
gestellten Grundsäße des Jä gerfchen Systems, über die Wolle als schleh- 
ten Wärmeleiter und guten Schuß gegen Erkältung auch im feuchten Zu- 
stand , über das Stinkendwerden der Pflanzenfaser, ihre höhere Wärme- 
leitungsfähigkeit und darum Gefährlichkeit, insbesondere im nassen Zu- 
stand , über die Nachteile geschlossener und die Vorzüge durchlässiger 
Webart, über die praktischen Erfahrungen, die den theoretischen Berech- 
nungen durchaus Recht gaben. Sodann gibt der Artikel einen flüchtigen 
Ueberbli& über die Entwiklung des Systems vom Normalhemd Gibe 
Ideal Shirt“) aus über alle Teile der Unterkleidung, Oberkleidung und
	        
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