Full text: Deutsche Konkurrenzen (1910/11, Bd. 25, H. 289/300)

  
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Die Hauptkasse und die vom Publikum vorzugsweise benutzten Räume liegen vom Haupteingange be- 
quem erreichbar, sind gut beleuchtet und entsprechen den Anforderungen des Geschäftsverkehrs; auch im üb- 
rigen sind sämtliche Geschäftsräume zweckentsprechend und in den richtigen Abmessungen angeordnet. Die 
Bureaus der Stadtbauämter mit den Zeichensälen sind an der Ostfront im dritten Stockwerk gut untergebracht. 
Geschickt und würdig ist das Standesamt mit dem Trausaal angelegt. Auch die Anlage des Ratskellers 
mit der Ratsstube und den Wirtschaftsräumen ist als gelungen zu betrachten. 
Die sämtlichen Höfe sind in angemessener Weise unter einander durch Durchfahrten verbunden. 
Die Geschoßhöhen sind richtig gewählt. 
Die Fronten erscheinen. in ihren unteren Teilen ernst und würdig, die Gesamtwirkung wird aber durch 
die Häufung von Giebeln beeinträchtigt. Der Turm ist in der Masse, in der Gliederung und im Umriß ansprechend 
entworfen, nur seine Höhe scheint etwas übertrieben. 
Die Innenarchitektur des Bürgersaales und des Stadtverordneten-Sitzungssaales bewegt sich allzusehr 
im Herkömmlichen und ist beim Stadtverordneten-Sitzungssal in den Einzelheiten in zu großem Maßstabe, in der 
Ausstattung des Bürgersaales nicht würdig genug gehalten. 
Nr. 57. „Forum“, 
Die Verteilung der Baukörper auf dem Bauplatz ist insofern nicht günstig, als die Ansicht an der 
Mühlenstraße unschön wirkt, so lange die erst für spätere Zeit in Aussicht genommene Erweiterung nicht 
durchgeführt ist. 
Die Flure der Eingangshalle und der Haupttreppenhalle sind im Erdgeschoß nicht ausreichend beleuchtet. 
Die Hauptsteuerkasse schneidet mit dem Raum für das Publikum unschön in den Flur ein. 
Die im Sockel- und Erdgeschoß vorgesehene Halle beinträchtigt die Beleuchtung der dahinter ge- 
legenen Räume. 
Die vom Publikum besonders benutzten Geschäftsräume der Hauptkasse, Steuerkasse und Sparkasse 
liegen bequem zugänglich. 
Die Festräume kommen in der Front am Rathausplatz in der Außenarchitektur stattlich zur Erscheinung. 
Die Lage des Magistratssaales ist aus praktischen Gründen nicht glücklich. 
Die Treppen sind richtig verteilt und dem Bedürfnis entsprechend. 
Die Architektur ist straff gegliedert und von ruhiger, vornehmer. Gesamtw 
in der Mitte der Vorderfront angeordnete Turm etwas zu massig und zu hoch. 
An der Front nach der Freiherr vom Stein-Straße ist die den beiden Obergeschossen vorgestellte 
Säulenhalle ein Schmuckmittel, das aus dem Grundrisse nicht organisch entwickelt ist. 
Die Innenarchitektur der beiden Hauptsäle ist von hohem künstlerischem Reiz. 
irkung. Nur erscheint der 
Nr. 80 „Rathaus am Platz“. 
Der Entwurf zeigt eine wohlgelungene Gesamtdisposition sowohl in Bezug auf die Gestaltung und 
Anordnung der einzelnen Baukörper als auch in der Anlage der Flure und Treppen. Nur ist die übergroße Tiefe 
der unter den großen Sälen des Vorderhauses angeordneten Arbeitszimmer (Oberbürgermeister) unzweckmäßig. 
Als unzulänglich muß die Belichtung der vor der Haupttreppe angeordneten Eingangshalle bezeichnet 
werden, welche ihr Tageslicht zum Teil über dem Mittelflügel der Haupttreppe, zum Teil über beiderseitig in 
etwa 30,0 m Entfernung von einander angeordneten Hoffenstern von beschränkter Breite erhalten soll. 
Ebenfalls unzureichend ist die Belichtung der an der Straßenfront gelegenen Kassenräume. Dieser 
Nachteil hat sich daraus ergeben, daß eine offene Halle vor die Räume gelegt ist, um die durch die Säle des 
Obergeschosses bedingten großen Raumtiefen einzuschränken. 
Sonst ist es dem Verfasser gelungen, das Gebäude nach innen und nach außen seinem Zwecke ent- 
sprechend würdig zu gestalten, und es muß besonders anerkannt werden, daß das perspektivische Bild des Mittel- 
teils der Hauptfassade eine hervorragende Befähigung in der architektonischen Durchbildung der Einzelformen 
zu einem künstlerischen Ganzen bekundet. 
Die in Aussicht genommene Erweiterung des Gebäudes würde sich dem Bestehenden organisch an- 
fügen, wenn nicht in jedem Stockwerk drei große Räume das Tageslicht verlieren würden. 
Nr. 63 „Großstadtluft“. 
Der Verfasser beginnt seinen Erläuterungsbericht mit den Worten: 
„Es ist eine klare Gebäudegruppe geschaffen mit großer ruhiger Linienführung; wie dies die Lage 
zwischen den Großstadthäusern bedingt, soll das Rathaus als vornehmstes Gebäude der Stadt zur Geltung kommen.“ 
Diesem durchaus richtigen Grundsatze hat er bei der Lösung der Aufgabe in seinem Entwurfe entsprochen. 
Durch das Zurückhalten eines Teiles des Gebäudes von der Freiherr vom Stein-Straße ist es ihm möglich ge- 
worden, einen regelmäßigen Baublock zu schaffen und hierauf den Bau in klarer und übersichtlicher Anordnung 
zu entwickeln, Die Haupträume liegen an geeigneten Stellen, die Zugänge dazu und ihre Vorräume sind gut 
angeordnet. Auch die übrigen Geschäftsräume sind richtig disponiert. 
Bei der Nachprüfung aber‘ hat sich ergeben, daß das Raumprogramm insofern nicht v 
ist, als an den nutzbaren Grundflächen ein Beträchtliches fehlt. 
Die Gestaltung des Baukörpers ist gut, die architektonische Durchbildung zeigt eine in ihre 
heit ruhige und vornehme Haltung. In der Gesamterscheinung ist die Zweckbestimmung des B 
lerisch gut ausgeprägt. 
Nicht ganz gelungen ist die etwas schwere und gedrückte Vorhalle sow: 
beiden seitlichen Risalite an der Martin Lutherstraße. 
ollständig erfüllt 
r Einfach- 
auwerkes künst- 
der mittlere Bauteil und die 
 
	        

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