Full text: Deutsche Konkurrenzen (1896, Bd. 6, H. 61/72)

  
  
  
  
a — 4 — 
Aus den Verhandlungen des Preisgerichts. 
Die im Programm für den Wettbewerb bezeichneten Preis- 
richter versammelten sich am 8. April 1896. 
Auf Grund des Preisausschreibens vom Dezember 1895 sind 
im ganzen 24 Entwürfe rechtzeitig eingegangen; diese sind vor dem 
Zusmmmentreten der Preisrichter unter Aufsicht des Herrn Gustav 
Runge einer Prüfung auf die Erfüllung der formalen Bedingungen 
des Progamms hin unterzogen. 
Nach einem gemeinschaftlichen Rundgange, bei welchem jeder 
einzelne Entwurf eingehend besprochen wurde, beschloss das Preis- 
gericht, zunächst 10 Arbeiten als für die Preisverteilung nicht in 
Frage kommend auszuscheiden. Diese Entwürfe wurden von den 
Preisrichtern als befriedigende Lösungen der Aufgabe nicht angesehen, 
teils weil die Grundrissanordnung wesentliche Schwächen zeigt, teils 
weil die Konstruktionen erhebliche Bedenken hervorrufen, teils weil 
die architektonische Gestaltung als verfehlt zu erachten ist. 
Bei der zweiten Sichtung wurden von den verbliebenen 
14 Entwürfen nach weiterer Prüfung 10 Arbeiten ausgesondert, So- 
dass endlich 4 Entwürfe zur engsten Wahl gelangten. Die 10 erst- 
genannten in der Reihenfolge ihrer Einlieferung hier eingeführten 
Arbeiten wurden im einzelnen folgendermafsen beurteilt: 
(Folgt hier im Protokoll eine kurze Kritik der Entwürfe: Eine 
Gemeinde, ein Raum; Holzdecke; Mortuos plango; Herr hilf; Wie’s 
trefft, so trefft’s, bald so, bald so*); Zwingli; Frühling; Wiesbadener 
Programm; St. Michaelis 1518, Wappen gez,.; Martin Luther**). 
„St. Michael.“ (11.) Der Grundriss ist einwandfrei und dem 
Bedürfnis der Gemeinde gut angepasst; jedoch wäre die Anordnung 
des Gestühles noch einer Verbesserung fähig. Nicht zu billigen ist 
es, dass die Kanzeltreßpe in der Sakristei ausmündet. Der Innen- 
raum verspricht eine recht günstige Wirkung namentlich durch die 
Führung der Wölbungen, Die Architektur des Aeussern ist wohl- 
gelungen in den Gesamtverhältnissen und Einzelheiten. Nur am 
Turm sind die Formen unter dem Helmansatz etwas zu schwächlich. 
Zu tadeln ist die dort angeordnete Scheingalerie. 
„Eckturm.‘ Der Grundriss ist tadellos. Der Innenraum zeigt 
gute Verhältnisse und macht einen kirchlich würdigen Eindruck. Der 
Aussenarchitektur fehlt es zwar an Eigenart, die Massen aber sind 
gut abgewogen und die Umrisslinien ansprechend. Im einzelnen 
sind gewisse Schwächen erkennbar, wie z, B. an der Behandlung der 
Fenster und Blenden. In konstruktiver Beziehung ist die Auskragung 
der längs der Vorhalle angeordneten Empore nicht zu billigen. 
„St. Michael.“ (18.) Der Grundriss ist wohldurchdacht, klar und 
sparsam im Raumaufwand. Durch die Stützenstellung wird freilich 
‚*) Verf. Diedr. Tölken-Bremen, 
**) Verf, Dombaumeister Salzmann-Bremen. 
           
   
  
   
  
  
  
  
   
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
  
  
  
   
  
  
  
  
  
  
   
   
    
 
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.