Volltext: Deutsche Konkurrenzen (1896, Bd. 6, H. 61/64, 67/72)

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deshalb mit Vorteil die fabelhaft geschwinde Fortpflanzungsge—
schwindigkeit des Lichtstrahls von 300 000 kmein der Sekunde, was
etwa der Entfernung des Mondes von der Erde entspricht, um die
Entfernungen der Firsterne in Lichtzeiten auszudrücken, d. h. anzu—
geben, wie lange das Licht braucht, um die betreffende Entfernung
zurückzulegen. Ein Lichtjahr bedeutet also in runder Zahl die Ent—
fernung von 91/0 Billionen km und ist gleich rund 63 000 Sonnen⸗
weiten.
Es braucht der Lichtstrahl von unserem nächsten Nachbar a Cenbauri
 mehr als 32/3—4 Jahre, um zu uns zu gelangen; der Sirius
ist 8 Lichtjahre von uns entfernt, der Prokyon 12 Lichtjahre. Die
hellsten Sterne, die uns am gestirnten Himmel in die Augen fallen,
sind durchschnittlich einige Jahrzehnte von Lichtjahren von uns ent—
fernt und doch immer noch als unsere Nachbarn zu betrachten, wo—
gegen die entfernteren hundert und Hunderte von Lichtjahren und
die fernen lichtschwächsten Tausende von Lichtjahren von uns ent—
fernt sind. Damit sind wir aber durchaus noch nicht an der Grenze
des sichtbaren Weltalls angelangt, sondern das Fernrohr läßt uns
noch nebelige Gebilde wahrnehmen in Weltfernen, deren Entfernung
wir nach Millionen von Lichtjahren schätzen müssen. Alle diese Ent—
fernungsangaben haben nur einen bedingten Wert, denn von irgend⸗
welcher Genauigkeit kann natürlich bei diesen schätzungsweisen An—
gaben keine Rede sein, allein die Größenordnungen dieser schwindel⸗
erregenden Fixsternweiten bestehen zu Recht. Und wie die Entfer—
nung unserer Sonne von ihrer nächsten Nachbarsonne sich nach Licht⸗
jahren berechnet, so ist jeder Fixstern vom andern entsprechend Licht⸗
jahre entfernt.
Das Sternenlicht, welches uns die Kenntnis von der Existenz
der lichtaussendenden Firsternsonnen vermittelt, hat also ein gewis—⸗
ses Alter, wenn es bei uns ankommt: es ist Jahre, Jahrzehnte, Jahr—
hunderte, Jahrtausende alt. Das Licht, das von den hellsten Fix—
sternen bei uns anlangt, ist vor einem Menschenalter von denselben
abgegangen; das Licht, das heute von den eben noch mit bloßem
Auge sichtbaren Sternen zu uns gelangt, ist schon im Jahrhundert
der Reformation von denselben ausgegangen. Und von den Fernen
der Milchstraße gelangt heute Licht zu uns, das dort schon abging,
Jahrtausende ehe Rom gegründet ward, ehe eine Pyramide stand,
ehe ein Germane den Rhein erblickt hatte, überhaupt ehe die Mensch—
heit in ihre weltgeschichtliche Entwicklung einzutreten imstande war.
Die Lichtstrahlen von allen fernen Sternen und Gebilden des Him—
mels zeigen uns daher nur, wie die Sterne vor Jahrhunderten und
Jahrtausenden aussahen, während in Wirklichkeit ihr Zustand im
Augenblick der Beobachtung um ebenso viele Jahrhunderte und
Jahrtausende vorgeschritten ist, oder gar die Möglichkeit vorhanden
	        
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