Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1911)

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BAUZEITUNÖ 
Nr. 41 
kostet Geld an Landerwerb, Bau, Erhaltung. Es ist die 
verkehrteste Verwertung des fruchtbaren Bodens, ihn 
künstlich steril zu machen. Ziel einer verständigen Bau 
weise muß daher sein, die Straßenfläche tunlichst zu be 
schränken. Große Fluchtweiten, enge Straßen, breite 
Vorgärten! Bei Anlage von Straßen soll man vorsichtig 
prüfen, was der Verkehr fordert. Man hat in fast allen 
Städten die Verkehrswege weit über das Bedürfnis hinaus 
breit gestaltet; in fast allen Städten herrscht eine Ver 
schwendung mit Verkehrsland. Redner verlangt breite 
Fluchtweite, jedoch schmale Verkehrstraßen, damit viel 
Gelände für Vorgärten und Grünstreifen übrigbleibt. 
Man soll bis auf 5 m Straßenbreite herabgehen. Bei 
dem Wachsen des Verkehrs ist das Gelände streifen 
weise zur Verbreiterung der Straße heranzuziehen. Es 
müssen von vornherein besitzrechtliche Maßnahmen die 
gende Grundsätze auf; 1. Stadt und Land stehen nicht 
mehr wie in früheren Jahrhunderten in einem wirtschaft 
lichen Gegensatz, es herrschen die engsten Wechsel 
beziehungen. Der Verkehr und die damit zusammen 
hängende Wohnungsfrage verwischen die früher strenge 
Trennung, es tritt eine Verständigung des Landes ein. 
Dies nötigt, die Beziehung zwischen Stadt und Land auf 
veränderte Grundlage zu stellen. 2. Vororte, die un 
mittelbar an die städtische Gemarkung anstoßen und die 
ihren landwirtschaftlichen Charakter verloren haben, 
werden am besten von den Städten eingemeindet werden. 
3. Landgemeinden, Vororte mit einem gemischten Cha 
rakter könnten nur unter Schädigung ihrer inneren Ent 
wicklungsmöglichkeiten einverleibt werden und würden 
durch solche Einverleibungen die Städte selbst benach 
teiligt werden. 4. Bei den Wechselbeziehungen aber, 
K. Medizinalkollegium 
Laboratoriumgebäude und Blick in den Hof 
Möglichkeit dieses Falles ins Auge fassen. Bei Straßen 
mit niedrigen Häusern sind die Fluchtweiten erheblich 
einzuschränken. Unnötig breite Straßen führen zu großen 
Baublocks, die eine Aufteilung des Geländes für Kleinwoh 
nungen unmöglich machen. Der Durchgangsverkehr ist 
aus den Wohnvierteln auszuschließen. Die Straße sollte 
mehr als notwendiges Uebel erkannt werden. Die Häuser 
fronten sollen nicht mit der Straße kokettieren. Ver 
zichtet man auf Straßenwirkung, so können die Flucht 
weiten sehr gering genommen werden, dabei sind die 
Wirtsohaftsräume der Straße zuzukehren, die Wohn- 
gelasse an die Hinterfront zu legen und für das Hinter 
gebäude entsprechende Bauvorschriften zu erlassen. Wich 
tiger als das Protzen mit kostbaren Fassaden ist Hygiene 
und Aesthetik von der Rückseite des Hauses. 
Ueber die Beziehungen von Wohnungswesen und 
Zweckverbänden sprach vom Standpunkt des Sozial 
politikers und Volkswirts Geh. Rat Prof. Wuttke von 
der Dresdner Technischen Hochschule. Er stellte fol- 
die, wie schon erwähnt, zwischen Stadt und Land herr 
schen, und bei der Notwendigkeit, eine organische An 
siedlungspolitik zu treiben, muß eine Verbindung von 
Stadt und Land gesucht werden. Sie läßt sich durch 
Zweckverbände erzielen. 5. Die Zweckverbände lassen 
in gewissem Umfang die Selbständigkeit der Städte und 
Gemeinden bestehen, vereinigen aber zu organischem 
Handeln da, wo die Interessen zu einer Vereinbarung 
drängen. Dies ist besonders auf dem Gebiete des 
Wohnungswesens der Fall. 
Interessante Darlegungen gab es auch bei den Be 
ratungen in den Sektionen. So äußerte sich Ingenieur 
Hiller-Frankfurt über die Frage, ob die heutigen Formen 
der Kleinwohnungen die Bedürfnisse einer Arbeiter 
familie befriedigen. Er verneinte diese Frage und ver 
langte, daß der Entwurf des preußischen Wohnungs 
gesetzes endlich zum Gesetz werde. Nach seiner Ueber- 
zeugung ist das Kleinhaus oder Einfamilienhaus sozial, 
gesundheitlich und sittlich die beste Wohnungsform für
	        
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