DO Nachrufe
weitergebildet. Hinzu kamen neben seinen forstlichen Kenntnissen seine
Liebhaberei für Botanik und Geologie.
Nichts charakterisiert die menschliche Seite des Verstorbenen wohl
mehr als seine feinsinnigen, sorgfältig ausgefeilten Gedichte, die allerdings
nur für einen kleinen Kreis bestimmt waren. Darunter sind auch Gedichte
in fränkischer Mundart. Der Mann, der als Franke geboren und aufgewachsen
ist, war in seinem Berufsleben nur im Schwäbischen tätig. Seiner
fränkischen Heimat ist er aber stets treu geblieben, seiner engeren Heimat,
die zur Zeit seiner Kindheit noch kein Jahrhundert württembergisch war.
Da bei den Veröffentlichungen der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg
auch die Geschichte unserer Heimat anklingt, sei mir diese kurze
historische Erwähnung gestattet im Zusammenhang mit dem Blick in ein
reiches Leben und Erleben, das mir beim Zusammensein mit meinem
Schwiegervater zuteil wurde. Frıtz KÖBELE, Buxheim
Oscar Paret
Erforscher der Ur-, Vor- und Frühgeschichte
OscAR PARET, am 14. Juni 1889 im Pfarrhaus Dachtel bei Calw geboren
und hauptsächlich in Heutingsheim aufgewachsen, studierte Archäologie
und Geologie in Tübingen und Architektur in Stuttgart. Schon als
Kind war er vom Sammeln und vom Erkunden in Ur-, Vor- und Frühgeschichte
unwiderstehlich angezogen, und er kam schon früh unter den
Einfluß eines BELSCHNER in Ludwigsburg und eines GöÖssLER in Stuttgart.
Der Weg führte stracks in das Württembergische Landesmuseum, dessen
vor- und frühgeschichtliche Sammlungen von ihm bedeutend erweitert wurden,
und zur Bodendenkmalpflege, dem heutigen Landesdenkmalamt. Die
praktische Arbeit im Gelände und das Auswerten im Museum lagen ihm
gleichermaßen, ebenso das Vortragen der Ergebnisse vor vielen Schichten
der Bevölkerung, nicht zuletzt im Hörsaal. Die leitenden Aufgaben in
beiden Bereichen — Museum und Ausgrabung —, heute auf mehrere
Wissenschaftler verteilt, mußte er als Pionier dieses Feldes einst allein bewältigen.
Wir können hier nicht auf die Fülle seiner Themen und die
Vielfalt seiner Veröffentlichungen — viele hundert — eingehen; der Unterzeichnete
knüpft an eigene Erlebnisse an: Als nach dem zweiten Weltkrieg
Zusammenkünfte und Veranstaltungen verboten waren, lud PARET
regelmäßig in sein Ludwigsburger Haus geistig interessierte, oft durch
Krieg und Soldatenzeit in dieser Hinsicht „ausgehungerte‘“ Persönlichkeiten
zu Referaten ein; was das 1946 bedeutete, können wir uns heute
bei einem Überangebot von Vorträgen nicht mehr vorstellen! Da wurden
manche bleibenden Verknüpfungen geknüpft. PARET war bei allem
menschlichen Wohlwollen keineswegs ein Konformist; wo er es für richtig
hielt, schwamm er unerschrocken gegen den Strom (was ihm im Dritten
Reich beträchtlich schadete). Auf seinem Fachgebiet wandte er sich,
zuerst bekämpft, dann mehr und mehr anerkannt, gegen die vermeintlich
freistehenden Pfahlbauten, die als Moorbauten zu gelten haben, und er
brachte zwar umstrittene, aber in jedem Fall anregende Deutungen zu
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 128 (1973)
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